Die Studie – so klein sie ist – hat im Ergebnis Hand und Fuß. Und womöglich ist sie eine gute Lösung wenigstens für Hobbygärtner: Es scheint, als habe die Ulmerin Rosita Sommer ein wirksames Rezept zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers gefunden. Durch Zufall.

Schädlinge überall im Alb-Donau-Kreis

Wie mehrmals berichtet, haben die gefräßigen Raupen dieses Jahr besonders hohen Schaden in der Region angerichtet. Auf der bayerischen Seite der Donau, über die Städte Ulm und Neu-Ulm hinweg, bis hoch auf die Schwäbische Alb scheinen alle Buchsbäume darnieder gestreckt: Allerorten sieht man braune, trockene Gerippe in Töpfen und Beeten.

Dietenheim

„Das ist mir auch passiert“, sagt Rosita Sommer, die vor ihrem Häuschen in der Ulmer Innenstadt einen Garten hat und über Jahre hinweg eine kleine Buchsbaumhecke beim Gartentor gehegt und gepflegt hat. Daneben hatte sie mehrere größere Pflanzen in Töpfen, die gut gediehen. Bis Mitte Mai war das so: „Dann begannen die Pflanzen braun zu werden.“ In dieser Phase sei es ja meistens schon zu spät: „Der Zünsler frisst sich in der Pflanze ja von innen nach außen.

Im Juli war die Hecke schon fast kahl, ihre vier Buchsbaumpflanzen im Topf waren ebenfalls befallen. Eines Tages hing die 63-Jährige dann wie so oft große Wäschestücke zum Trocknen über ihren Zaun: „Dabei legte sich ein Teil des weißen Leintuchs über den Buchsbaum“, erzählt sie. Als sie später das Leintuch abnahm, sah sie die grün gestreifte Raupe eines Zünslers darauf und wurde stutzig. Dann schoss ihr ein Gedanke durch den Kopf: „Vielleicht könnte man mit dem Leintuch noch mehr Raupen anlocken?“ So begann ihre Studie.

In die Plastiktüte und ab in den Müll

Wenig später sah es bei Rosita Sommer aus, als ob der Verhüllungskünstler Christo vor Ort gewesen wäre: „Alle Buchsbäume waren mit weißen Leintüchern verhüllt.“ Die in der Folge das ans Licht brachten, was die 63-Jährige, studierte Gartenarchitektin, vermutet hatte: „Die Raupen laufen zum Leintuch hin und bleiben da auch. Von dort kann man sie in aller Ruhe einsammeln.“ Über zwei Wochen hinweg führte Rosita Sommer genauestens Buch darüber, wie viele der grün gestreiften Raupen sich täglich auf den Leintüchern sammelten. Bis zu dem Moment, als „keine mehr kam, weil sie alle weg waren“.

Vom Leintuch selbst hätten sich die Raupen nicht wegbewegt. „Sie kleben daran.“ Sie habe es immer auf dem Boden ausgebreitet und die Tiere mit dem Besen zusammen gekehrt.“ Dann in einer Plastiktüte verschlossen und in den Restmüll damit. Insgesamt 175 Raupen hat Rosita Sommer gesammelt bis ihre Buchsbäume schädlingsfrei waren.

Von der Wirkung des Leintuchs ist sie überzeugt, auch eine Freundin am Ammersee habe es erfolgreich ausprobiert. Es müsse jedoch weiß sein, aber es sei egal, ob es feucht oder trocken sei. Der Test mit einem schwarzen Tuch habe dagegen überhaupt nicht funktioniert.

Die 63-Jährige freut sich, weil ihre Bekämpfungsstrategie biologisch ist und die Schwierigkeit, die Raupen im Inneren der Pflanze zu finden, sich damit erledigt. „Es wäre toll und natürlich notwendig, wenn eine entsprechende Versuchsanstalt den Gedanken aufgreifen würde“, ist ihr Wunsch. Die Hecke hat sie trotzdem nicht mehr retten können. Zumindest nicht für dieses Jahr. Die Büsche sind völlig kahl.  Aber drei der Buchsbäume im Topf sehen – dank der Verhüllungs-Bekämpfungsmethode – schon wieder ganz munter aus.

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Theorie: Der Ansatz mit dem Leintuch ist bemerkenswert. „Es ist schon die zweite Meldung, dass die Farbe Weiß in Zusammenhang mit dem Zünsler eine Rolle spielt“, sagt Jana Reetz auf Anfrage. Die Referentin für Pflanzenschutz beim Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe horcht auf, als sie von den Erfahrungen Rosita Sommers hört. Ein Gartenbauverein habe ähnliche Beobachtungen gemacht, als eine Buchsbaumpflanze an einer weißen Hauswand stand. Jetzt sei es zu spät, aber „kommende Saison könnte man einen Versuchsansatz daraus machen“, sagt sie.

Natur: Auch der technische Leiter des Botanischen Gartens der Uni Ulm, Peter Zindel, sowie die Betriebsleiterin der Lehr- und Versuchsgärten der FH Nürtingen, Beate Hüttenmoser, finden den Ansatz interessant. Solche Verhaltensweisen der Raupen seien ihr zwar gänzlich unbekannt – „aber vielleicht ist das einfach ein neuer Gedanke, den man verfolgen könnte“, sagt Hüttenmoser. Zumindest für den privaten Gärtner, der, wie sie meint, den Befall des Zünslers auf diese Weise mildern könnte. An eine Ausrottung sei ohnehin nicht zu denken. „Man muss der Natur einfach mal Zeit lassen.“ Ähnlich sei es ja beim Lausbefall. Chemie sei unnötig: „Irgendwann im Jahr kommt der Marienkäfer, der Läuse als Nahrung braucht.“ Beim Zünsler beobachte man immer häufiger Vögel, die sie fräßen. Vielleicht sei das eine Lösung auf Dauer.