Es ist Frühling. An der Ulmer Donau schlängeln sich langsam wieder Spaziergänger und Touristengruppen entlang. Direkt am Wasser einkehren können sie nicht mehr. Das Bootshaus am Gänslände-Ufer hat geschlossen. Marcus Bühler, der den Gastrobetrieb im August 2017 von Inhaber Ebbo Riedmüller gepachtet hatte, ist offenbar gescheitert. Zur Sache will er sich derzeit nicht äußern.

Schon lange Miet-Rückstände

„Ich habe wieder die Hausgewalt“, sagt Riedmüller. Der Ulmer Großgastronom hat mit seinem Pächter geschäftlich gebrochen. „Ich musste reagieren“, sagt er. Zu lange schon  seien Miet-Rückstände aufgelaufen. Die Fakten liegen nach Riedmüllers Aussage „mehr als deutlich auf dem Tisch“. Bühler habe inzwischen eine „fristlose Kündigung“ unterzeichnet, wolle sie nun aber widerrufen.

„Ich bin ihm nicht mal böse, obwohl es mich viel Geld gekostet hat“, sagt Riedmüller. Und: „Es ist immer schade, wenn eine Existenz dabei kaputt geht.“ Er habe jedenfalls lange versucht, seinem Pächter zu helfen. Und auch die Kündigung des Pachtvertrags habe er mit langem Vorlauf angekündigt. „Ich finde, Marcus Bühler muss jetzt fair nach außen kommunizieren, wie es um das Bootshaus steht.“ Riedmüller selbst, der damit rechnet, bald mit einem Insolvenzverwalter sprechen zu müssen, arbeitet derweil an der Reaktivierung des Bootshauses. „Wir werden aber wohl nur noch für Tagungen und Veranstaltungen öffnen können“, sagt er. Der 2014 eröffnete Ponton auf der Donau passe nicht zu seiner Barfüßer-Brauhausschiene. „Für uns ist das zu aufwändig. Deshalb haben wir es ja an jemanden verpachtet, der selbst im Betrieb steht“, sagt Riedmüller. So könne man dort Geld verdienen, betont er. „Bei uns ist es außer Januar und Februar sehr gut gelaufen.“

Stadt Ulm: „Nicht erfreulich“

Dass ein Bootshaus ohne regelmäßige Öffnungszeiten für die Stadt Ulm „nicht nur erfreulich“ ist, versteht Riedmüller. Sollte sich ein Interessent melden, der sich mehr auf die Fahnen schreiben will als eine Event-Location, will sich der Inhaber nicht sperren. „Da will ich nichts ausschließen. Wir sind ja nicht stur.“

Bühler, der aktuell zusammen mit Riedmüller auf der Liste der FWG für den Ulmer Gemeinderat kandisiert, lässt sich vom Ulmer Anwalt Roman Paulus vertreten. Dieser bestätigt, dass Riedmüller seinem Mandanten am vergangenen Freitag eine außerordentliche Kündigung ausgesprochen hat.

Da diese mit einer kurzen Räumungsfrist bis Montag verbunden gewesen sei und Riedmüller dann die „Schlösser ausgetauscht“ habe, könnten „außergerichtliche Sanierungsmöglichkeiten“ nicht mehr vorangetrieben werden. Für die Betreiber-Gesellschaft des Bootshauses, LeBu-Restaurant GmbH, deren Geschäftsführer Bühler ist, habe er deshalb „ein insolvenzrechtliches Mandat.“ Am Freitag werde beim Ulmer Amtsgericht wohl der förmliche Insolvenzantrag eingehen.

Seitens der Stadt bedauert Oberbürgermeister Gunter Czisch diese Entwicklung. „Das Bootshaus ist für Ulm ein ganz spezieller Ort“, sagt er. Es sei es deshalb, „selbstverständlich wünschenswert“, dass der Gastrobetrieb weiter der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Aber, sagt Czisch, „das muss sich für den Betreiber auch rechnen“. Jetzt müsse man sehen, wie es weitergehen kann. „Ich bin jedenfalls sicher, Ebbo Riedmüller braucht keine gastronomische Beratung von mir.“

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Das Bootshaus und die nahe Zukunft


Bootshaus
Der 2014 eröffnete Gastronomiebetrieb auf der Donau hat eine Gesamtfläche von nicht ganz 900 Quadratmetern und kommt auf ein Gewicht von etwa 480 Tonnen. Das Bootshaus setzt sich aus 14 miteinander verbundenen Einzelteilen zusammen und ist an zwei Stahlpfählen am Flussufer befestigt, die neun Meter tief in den Flussufer-Bereich hineingetrieben wurden. Die Pfähle ragen noch vier Meter über dem normalen Flusspegel hinaus und sind auf ein tausendjährliches Hochwasser angelegt. Der Bau des Bootshauses hat laut Inhaber Ebbo Riedmüller etwa 3,2 Millionen Euro gekostet. Zu Spitzenzeiten hatte der Betrieb bis zu 60 Mitarbeiter.

Buchungen
Bereits gebuchte Veranstaltungen im Bootshaus will Riedmüller trotz des gekündigten Pachtvertrags ermöglichen. So soll auch das für den 4. Mai geplante „Disco-Inferno“ des Ulmer Radiosenders Donau  3 FM  über die Bühne gehen.