Gewässer So viele Nackte wie noch nie

Michelfeld / Gottfried Mahling 15.09.2018
Der Stausee in Gnadental lockte diesen Sommer besonders viele FKK-Freunde an. Für Wasserverband und Angelverband sind sie ein Ärgernis. Das strenge Schwimmverbot wird oft missachtet.

Auf einschlägigen Internetseiten wie fkk-freun.de, fkk-jugend.com oder joyclub.de wird der Stausee Gnadental gern empfohlen. „Nacktbader hat es hier wohl schon immer gegeben, aber in diesem Jahr waren es wirklich extrem viele“, klagt Karlheinz Jakob, Vorsitzender des Angelsportvereins Gnadental. An heißen Sommertagen hätten bis zu 50 FKK-Freunde gebadet und am Ufer die Sonne genossen. „Wir Angler weichen dann an andere Stellen am See aus, doch das bringt nicht immer was. Manche Badegäste schwimmen im ganzen See und vertreiben dadurch die Fische“, so Jakob. Manch einer sei versehentlich schon in Angelschnüre hineingeschwommen.

Im als Hochwasserrückhaltebecken angelegten technischen Bauwerk war Schwimmen schon immer verboten. Folglich gibt es keine Badeaufsicht, keinen Kiosk und erst recht keine Toilette. Dass die FKK-Freunde folglich ihre Notdurft im Freien verrichten, ist den Anglern, die anschließend die Exkremente beseitigen, ein besonderes Ärgernis.

See lockt sogar Stuttgarter

Obwohl offiziell nur Anwohner etwa von Winterrain und Eichelberg die schmale Straße entlang des Sees befahren dürfen, parken viele der unerwünschten Badegäste direkt am Ufer. Oft hätten die Autos Kennzeichen weit entfernter Städte wie Stuttgart oder Waiblingen, berichtet Karlheinz Jakob. Auf das Bade- und Durchfahrverbot angesprochen, gebe es mitunter pampige Antworten. „Sie können mich ja anzeigen“, habe neulich ein Nacktbader zu einem Angler gesagt. Da die FKK-Freunde am Stausee schon seit Jahren geduldet werden, ist die Angst vor Konsequenzen offenbar nicht mehr allzu groß.

Mittlerweile haben die Gnadentaler Angler den Wasserverband Fichtenberger Rot als Betreiber des Sees über die Zustände informiert. Dessen Vorsitzender Roland Miola zieht in Erwägung, den Uferbereich nicht mehr mähen zu lassen, damit er für Schwimmer und Sonnenanbeter unattraktiv wird. Die Verbotsschilder mit den durchgestrichenen Symbolen für Schwimmen, Bootfahren, Eislaufen, Feuermachen und Zelten habe man schon vor zwei Jahrzehnten aufgestellt, doch gebracht haben sie wenig. Anfang August informierte Miola die Haller Polizei, doch die konnte offenbar keinen Schwimmer auf frischer Tat ertappen. Die Polizei teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit: Man habe den See im Laufe der Saison mehrmals überprüft, dabei mehrere „Sonnenbadende“, aber nie „Wasserbadende“ angetroffen. Die Sonnenanbeter seien explizit auf das Badeverbot angesprochen worden, zudem habe man an verschiedenen Tagen am See Parkverstöße festgestellt.

Das Michelfelder Ordnungsamt habe schon seit geraumer Zeit nicht mehr am See kontrolliert, räumt Bürgermeister Wolfgang Binnig ein. Sollte sich jedoch herausstellen, dass immer mehr Ortsfremde das Durchfahrverbot missachten und direkt am Stausee parken, könnte es wieder Kontrollen geben. Nichtanwohner müssen in Gnadental ihr Auto nämlich spätestens am Parkplatz bei Vorderziegelhalden abstellen und den knapp einen Kilometer langen Weg zum See zu Fuß zurücklegen.

Karlheinz Jakob weist zudem darauf hin, dass Schwimmen tatsächlich gefährlich sei. Denn im Gegensatz zu vielen Badeseen werde der rund sechs Meter tiefe Stausee Gnadental unterirdisch entwässert. Dadurch könnten Schwimmer von einem Sog erfasst und in die Tiefe gezogen werden.

Hochwasserschutz und Angelgewässer

Der Stausee Gnadental wurde 1976 als Hochwasserrückhaltebecken angelegt. Das Flüsschen Bibers wird von einem 18 Meter hohen und 170 Meter langen Erddamm aufgestaut. Betreiber des etwa 400 Meter langen und bis zu 100 Metern breiten Gewässers ist der Wasserverband Fichtenberger Rot. Der Angelsportverein Gnadental mit seinen rund 60 Mitgliedern fängt dort in der Saison vom 1. Juni bis 31. Oktober unter anderem Karpfen, Schleien, Zander und Forellen.

Nacktsein in der Öffentlichkeit ist in Deutschland keine Straftat, sofern sie keinen sexuellen Bezug hat. Allerdings kann gemäß Paragraph 118 des Ordnungswidrigkeitengesetzes wegen Belästigung der Allgemeinheit ein Bußgeld verhängt werden, wenn sich jemand vom Anblick zu viel nackter Haut gestört fühlt.

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