Es waren unschöne Szenen, die sich am Freitagabend nach dem Ende der offiziellen Demonstration rund um den Spitalhof abgespielt haben. Die Polizei spricht von der Strategie der De-Eskalation. Für den neutralen Beobachter hat der Mob der Straße einen Sieg davongetragen.

Was ist passiert?

Ab 17 Uhr demonstrierten rund 500 Menschen friedlich gegen den AfD-Neujahrsempfang im Spitalhof. Die vom Deutschen Gewerkschaftsbund angemeldete und vom Bündnis „Gemeinsam & Solidarisch gegen Rechts“ durchgeführte Demonstration war bis 18 Uhr genehmigt. Das Bündnis, dessen Aufruf sich über 50 Organisationen, Initiativen und Parteien angeschlossen hatten, sieht im AfD-Neujahrsempfang nicht weniger als den „Versuch eines Dreh- und Angelpunktes der sogenannten Neuen Rechten für die Region“, so dessen Sprecher Joachim Böck. Einen Redebeitrag durfte, wie in den Jahren zuvor, bei der Kundgebung auch die Marxistisch-Leninistische Partei MLPD leisten, die seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Die stalinistische Kaderpartei scheint in Reutlingen mächtige Unterstützer zu haben.

Hoch aggressiv

Die Demo war bis 18 Uhr genehmigt. Nach Ende der Kundgebung spaltete sich ein hoch aggressiver Teil des linken politischen Spektrums und der Antifa ab und blockierte beide Eingänge des Spitalhofs. AfD-Anhänger, die versuchten in den Spitalhof zu kommen, wurden massiv tätlich angegangen. Es gab Schläge und Tritte, Besucher der Veranstaltung wurden gestoßen, bespuckt, Polizisten mit Eiern beworfen.

Schlimm erwischt hat es auch den Kreisrat Harald Rinderknecht, der seit vergangenem Jahr für die AfD im Kreistag sitzt. Beim Versuch, in den Spitalhof zu gelangen, wurde er massiv getreten. „Ich bin Kommunalpolitiker und werde deshalb meinen Mund aufmachen. Ich finde es ungeheuerlich, was da abgeht. Ich wurde demokratisch gewählt und lasse mich nicht als Nazi bezeichnen. Wir sind keine Verbrecher, wir sind Demokraten.“

Die Polizei hat in Reutlingen wohl nicht mit dieser Aggression gerechnet, obwohl in den Tagen zuvor von linken Gruppen entsprechende Blockaden in den sozialen Medien angekündigt wurden. Es sollen wohl auch nicht genügend Beamte vor Ort gewesen sein, um einen Korridor zum Spitalhof zu schaffen. Danach durften die Beamten den harten Kern der Protestler ein Stück des Rückweges begleiten. Unter anderem zum Kulturzentrum Zelle.