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Angela Merkel
Neu-Ulm / Bianca Frieß, Julia Kling, Niko Dirner, Edwin Ruschitzka  Uhr
Von der Liebe zum Grundgesetz bis hin zu Frauenfußball: Die Direktkandidaten der acht größten Parteien im Stimmkreis Neu-Ulm stehen Rede und Antwort.

Manchmal geht eine gezielt provokant gestellte Frage nach hinten los. Genau das ist am Montagabend auf der von der SÜDWEST PRESSE veranstalteten Podiumsdiskussion einer Frau aus dem Publikum passiert. So hatte sie vom eloquenten Direktkandidaten der Grünen, Klaus Rederer, wissen wollen, wie er zum Thema Vaterland stehe. Und dieser konterte recht geschickt, dass seine Liebe zum Grundgesetz eigentlich erst so richtig entflammt sei, als Kanzlerin Angela Merkel Menschen in Not ins Land gelassen hatte. Was natürlich aus einer bestimmten Ecke des voll besetzten Saales Buhrufe zur Folge hatte.

Buh-Rufe und Applaus

Lautstarke Meinungsäußerungen waren aber insgesamt selten während der gut zweistündigen Veranstaltung mit den Direktkandidaten der acht großen Parteien im Barfüßer-Brauhaus in Neu-Ulm. Ebenfalls Buh-Rufe von einigen der rund 250 Besuchern bekam allenfalls noch AfD-Kandidat Gerhard Großkurth ab, als er angesprochen auf den „Trauermarsch“ von AfD, NPD und Pegida in Chemnitz meinte: Es könne doch mal passieren, dass man sich auf einer Demonstration bei Leuten einreihe, ohne zu wissen, wer das ist. Allübergreifenden Applaus hingegen bekam Krimhilde Dornach von der ÖDP für ihre Aussage, dass Globalisierung, Kriminalität, Dumpinglöhne, Klimawandel und fehlende Pflegekräfte den Menschen Angst machten. Das sei doch nur eine „emotional links-grüne Meinung“, antwortete Johannes Hecht von der FDP, blieb aber eigene konkrete Ideen weitgehend schuldig.

Beim SWP-Forum zur Landtagswahl in Bayern kamen die acht Kandidaten des Stimmkreis Neu-Ulm zu Wort.

Beate Merk, die gewählte Direktkandidatin, Ex-Oberbürgermeisterin und Ex-Ministerin, gab sich redlich Mühe im Gespräch mit den Moderatoren Michael Janjanin und Carsten Muth vom Leitungsteam der Regionalredaktion der SÜDWEST PRESSE, jedes Politikfeld zu beackern – und bekam so das Kunststück hin, Lärmschutz an der Autobahn, Pflegeplätze, „die Iller“ und ihr Aber gegen die AfD in ein Statement zu packen. Mit ihren „Kontakten“ könne sie einiges erreichen für ihre Heimat.

Daniel Fürst von der SPD bekam nicht wirklich eine politische Position über die Lippen. Er nannte „bezahlbaren Wohnraum“ als Thema, zudem wollten die Genossen „etwas für die Bildung tun“, aber „im Großen und Ganzen“ laufe es doch gut in Bayern. Eben das hinterfragte Dietmar Österle von der Linken: Der „angebliche Reichtum“ sei auf Pseudolöhnen und Leiharbeit aufgebaut. Wohnungen in der Region seien für viele zu teuer.

Freie-Wähler-Kandidat Wolfgang Schrapp gab sich als ehrlicher Mann, der das Ohr am Volk hat, Stichwort: erfolgreicher Kampf gegen die Straßenausbaubeiträge. Für gute Ideen auch aus anderen Parteien seien die Freien Wähler immer offen.

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Große Einigkeit beim Nuxit

Nahezu einig waren sich alle acht Kandidaten beim Nuxit, also dem angestrebten Austritt der Stadt Neu-Ulm aus dem Landkreis. Sieben Mal war die Antwort: Nein – weil es keine oder nur sehr geringe Vorteile für die Stadt gebe, weil gewachsene Verbindungen auseinandergerissen werden, weil große Gemeinschaften stärker seien als kleinere Gebietskörperschaften. Nur Beate Merk rang sich zu keiner Aussage durch: Sie wolle erst sehen, wie viele Menschen die von einem überparteilichen Bündnis angestoßene Petition unterschreiben. Sie wolle zudem lesen, was der Kreis, was die Stadt und was das Innenministerium meinen. Dann erst könne sie sich entscheiden.

Die meisten Lacher des Abends konnte der AfD-Kandidat für sich verbuchen. Auf die Frage, ob er Mats Hummels oder Jérôme Boateng für den besten deutschen Innenverteidiger halte, sagte Gerhard Großkurth: Er schaue lieber Damenfußball, könne daher bei den Herren nicht so mitreden. Um allerdings kurz darauf die Inklusion an Schulen als „bildungspolitischen Irrweg“ zu bezeichnen.

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