Der Vertrag, den Ebbo Riedmüller mit der Stadt Neu-Ulm zum Betrieb des Brauhauses Barfüßer zwischen Donau und Augsburger Straße abgeschlossen hatte, ist längst abgelaufen. Der Großgastronom wäre auch ausgestiegen. Sagt er. Jetzt kann Riedmüller aber bleiben, denn er darf den Barfüßer abreißen und an die gleiche Stelle etwas ganz Neues bauen. Am Mittwoch hat er zusammen mit seinen Architekten und den Stadtverantwortlichen seine neuen Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auf modernstem Stand

Wenn die Bagger das alte, Ende der 30er Jahre gebaute Offizierskasino der Wehrmacht im nächsten Winter abgebrochen haben, wird ein gewaltiger siebengeschossiger Komplex in die Höhe gezogen. Im markanten Gebäude sollen 100 Hotelzimmer eingerichtet werden, darunter so genannte Multifunktionsräume für Tagungen und Veranstaltungen. Im Erdgeschoss wird die Brauerei einziehen, dazu ein Restaurant mit 300 Plätzen. Und im Freien wird wieder ein Biergarten entstehen mit bis zu 500 Plätzen. Die Parkplätze im Freien werden dann der Vergangenheit angehören, die Gäste sollen ihre Autos in einer Tiefgarage mit 150 Plätzen abstellen können – sofern sie nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen. Das alles hört sich ähnlich dem an, was Riedmüller im Moment betreibt, soll aber auf dem modernsten Stand der Technik sein, auch was die Arbeitsabläufe betrifft. Diese seien untragbar geworden, sagt Riedmüller, gerade auch für seine Mitarbeiter. Außerdem: „So hohe Unkosten wie an dieser Stelle habe ich in keinem meiner anderen Objekte.“

Hotel wird in Wohnhaus umgebaut

Die Stadt stand also vor der Frage, ob sie die Kündigung akzeptiert, dann den Barfüßer für etwa 5 Millionen Euro saniert und einen neuen Betreiber sucht. So hoch waren die Sanierungskosten von einem Gutachter geschätzt worden. Das war ihr dann doch zu riskant. Außerdem wären die funktionellen Mängel dadurch nicht beseitigt worden, ergänzte Stadtkämmerer Berthold Stier, der zusammen mit Stadtbaudirektor Markus Krämer und OB Gerold Noerenberg beim Pressegespräch anwesend war. Deshalb wurde an einem neuen Vertrag gearbeitet. Die Stadt überträgt Riedmüller das Grundstück per Erbbauvertrag auf 60 Jahre. Riedmüller selbst kommt für die Kosten des Neubaus auf, den die Architekten-Gemeinschaft hrb bauwerk aus Weißenhorn und neusch aus Sigmaringen entworfen haben. Was die genauen Kosten betrifft, hüllte sich Riedmüller in Schweigen. Nur so viel ließ er sich entlocken: Es werde ihn einen Betrag jenseits der 10 Millionen Euro kosten.

Sobald das neue Barfüßer steht, wahrscheinlich erst im Jahr 2022, wird Riedmüller sein Riku-Hotel im ehemaligen Finanzamt, ebenfalls in der Augsburger Straße, schließen. Das Hotel wird in ein Wohnhaus umgebaut. Gleichzeitig wird er das über viele Jahre leerstehende Bad Wolf gleich neben dem Barfüßer-Brauhaus abbrechen und ein sechsgeschossiges Wohnhaus hochziehen. Auch die Wohnungen dort werden nicht verkauft, Riedmüller will sie vermieten.

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Zwei Herzen schlagen in der Brust von Ulrich Seitz


Stadtgeschichte Der Vorsitzende des Historischen Vereins in Neu-Ulm mit seinen 130 Mitgliedern sieht den Abbruch des alten Offizierskasinos mit gemischten Gefühlen. Die wirtschaftlichen Zwänge, die für einen Neubau sprechen, kann der SPD-Stadtrat Ulrich Seitz zwar verstehen, er bedauert aber, dass „ein Kleinod an der Donau verloren geht.“ Das nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäude sei sicher kein bedeutendes Zeugnis der Neu-Ulmer Stadtgeschichte, durchaus aber identitätsstiftend an dieser exponierten Stelle. Die neue massive Neubebauung habe mit dem alten Gebäude am Neu-Ulmer Donauufer nichts mehr zu tun. Und das bedauert Ulrich Seitz doch.