Das Thema Geburtshilfe treibt sie schon lange um, auch in der Bundespolitik, gestand Beate Müller-Gemmeke, Wahlkreis-Abgeordnete der Grünen im Bundestag, am Freitagabend. Das Aus für die Geburtsabteilung an der Albklinik Münsingen habe sie schockiert, eröffnete sie einleitend beim Gespräch im Gasthof „Herrmann“, denn „es braucht ‚ne Geburtshilfe hier“. Mit diesem Bekenntnis traf sie bei den knapp 20 Gästen, darunter Hebammen und Mitstreiter der Bürgerinitiative zum Erhalt der Geburtsabteilung, auf offene Ohren.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, jedoch: „Im Prinzip sind wir auf Null“, charakterisierte Thomas Hagmaier den aktuellen Stand für die Abgeordnete der Grünen. Will heißen, auch die Bürgerinitiative ist nach dem Aus der Münsinger Geburtsabteilung derzeit ohne Idee, wie man den Zustand für die schwangeren Alb-Frauen wieder verbessern kann. „Keine Pläne, keine Hoffnung, es ist ein deprimierender Zustand“, klagte Hagmaier.

Nicht ganz so pessimistisch zeigten sich die Hebammen aus der Region. Sie „basteln“ derzeit an den Plänen für eine Hebammen-Praxis in Münsingen, die dann zwar keine Geburtshilfe leisten wird, jedoch den unterversorgten Schwangeren auf der Alb wieder eine bessere Versorgung bei Geburtsvorbereitung und Nachsorge bieten könnte. Auch an eine Wochenbett-Ambulanz sei dabei gedacht. Als sehr problematisch erweist sich in der Planung aber, so erläuterte Stefanie Sailer, dass inzwischen „Köpfe“ fehlen: Durch das Aus der Geburtsabteilung sind die Hebammen im Umkreis „weggebrochen“. „Jetzt fehlen nicht nur Gynäkologen, sondern auch Hebammen, das ist ein Riesenproblem“, fasste die Hebamme zusammen.

Dem stimmte auch der Münsinger Gynäkologe Dr. Gerhard Schnitzer zu. Als dringend bewertete der Facharzt insbesondere die Nachsorge  und Versorgung der Wöchnerinnen nach der Geburt, doch da klemmt es bereits  gewaltig: Die Hebammen sind ausgebucht bis Februar 2020, und, so bemängelte und lobte Hebamme Antje Buck zugleich: „Es gibt nicht nur 100 Prozent gut versorgte ‚Schnitzer‘-Frauen“. Viele der Arzt-Kollegen übernähmen oftmals kaum Verantwortung. Auch würden die Frauen nach der Geburt zu schnell wieder aus dem Krankenhaus entlassen, kritisierten Hebammen und Arzt am Freitagabend gleichermaßen.

„Sie müssen das nach Berlin mitnehmen“, appellierte Antje Buck an Beate Müller-Gemmeke: Die Fallpauschalen (Vergütung von Leistungen pro Behandlungsfall im Gesundheitssystem) seien „eine Fehlkonstruktion“. Dass die Fallpauschalen an realistische Werte angepasst werden müssen, war auch die Ansicht der Politikerin, die dem Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales angehört. Sie könne aber nicht versprechen, dass das übermorgen gemacht würde. „Politik wird momentan nicht einfacher“, warb sie um Verständnis: Momentan gebe es sechs Fraktionen im Bundestag und man brauche derzeit mindestens drei, um überhaupt eine Regierung zu bilden.

Ein konkreter und aus Sicht der Hebammen „genialer Vorschlag“ zur Verbesserung der Schwangerenversorgung auf der Alb kam schließlich von Werner Beck, dem Schriftführer von ProMünsingen. Er regte an, einen „Förderverein Hebammen-Praxis“ ins Leben zu rufen, der die Finanzierung der Praxis-Räumlichkeiten unterstützen soll. Die Mittel hierfür zu stemmen, ist derzeit nämlich das größte Problem der Hebammen. „Beim Schwimmbad ging’s ja auch“, untermauerte Beck seine Idee und ergänzte: „Gewerbe und Industrie haben auch Interesse an einem attraktiven Standort.“

Nicht abgeneigt, doch eher kritisch stand Thomas Hagmaier diesem Vorschlag gegenüber. Derzeit wären fünf Hebammen in Teilzeit in der Praxis dabei, einen konkreten Business-Plan, wie von Hagmaier angefragt, gibt’s aber dafür bislang nicht. Fundierte Hilfe wäre den Hebammen dabei willkommen, denn, so warb Stefanie Sailer um Verständis: „Man sieht, Hebammen sind keine BWLer, mir schaffet mehr aus’m Bauch raus.“

Die richtige Lösung für Beate Müller-Gemmeke wäre, die Geburtshilfe an der Albklinik wieder aufzumachen. Der Idee der Hebammen-Praxis steht sie jedoch auch durchweg positiv gegenüber. Mit ihrer Einladung zum Gespräch über die prekäre Situation der schwangeren Alb-Frauen wurden in jedem Fall erstmals wieder neue Aspekte diskutiert und vielleicht sogar Steine ins Rollen gebracht. Sie ist gespannt auf die Entwicklung und drückt die Daumen.