Über alle Kanäle sollte beim ersten bundesweiten Probealarm am Donnerstag  der Ernstfall geprobt werden. Die die Warn-App NINA ist bei vielen Nutzern still geblieben. Die angekündigte Warnmeldung erschien zunächst nicht.

NINA bleibt am Warntag still: Überlastung des Warnssytems

„Wir wissen, dass es teilweise geklappt hat“, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Teilweise sei es aber auch zu einer Überlastung des modularen Warnsystems gekommen. „Deshalb gibt es gerade Verzögerungen bei der Auslösung.“ Die App NINA verweist zu Hinweisen bei Störungen auf ihren Pressedienst. Die App soll Nutzer vor Gefahren warnen - an diesem Donnerstag sollte sie einen Probealarm übermitteln. Der Chef des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Christoph Unger, wollte am Mittag eine erste Reaktion auf den 20-minütigen Probealarm abgeben.
Eine Alarmmeldung der Warnapp Nina ging im Landkreis Reutlingen um 11.31 Uhr und der Warnapp Katwarn gegen 11.38 Uhr raus

Warntag in BW: Innenminister nimmt Stellung zu Panne bei Warnapps

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) stellte angesichts des verspäteten Warntons fest: „Nina hat nicht funktioniert.“ Er fügte hinzu: „Deshalb üben wir - schon deswegen hat sich der Warntag gelohnt.“ Mit 80 Prozent Handy-Nutzung in Deutschland ist die App ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes, das die Warnung und Information auf allen Kanälen von sozialen Medien über digitale Werbetafeln und Bildschirme an Bahnhöfen bis hin zu Fernsehen und Radio vorsieht.

Warntag: Darum heulten in Reutlingen keine Sirenen

Der Bund hat den Kommunen freigestellt, ob sie sich am Sirenentest beteiligen wollen. In Reutlingen sei kein Sirenennetz mehr in Betrieb, teilte die Stadt mit. Im echten Katastrophenfall werde die Bevölkerung durch mobile Lautsprecher-Fahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk in allen bzw. den betroffenen Gebieten der Stadt informiert. So könne in den 65 Warnbezirken der Stadt Reutlingen gezielt und effektiv informiert werden. Die integrierten Leitstellen für Feuerwehr und Rettungsdienste benötigen die Sirenen in der Regel ebenfalls nicht mehr - die Einsatzkräfte werden im Ernstfall über einen stillen Alarm informiert.
Trotz des nicht nach Plan gelaufenen Probealarms, empfiehlt die Reutlinger Feuerwehr, eine kostenlose Warn-App auf dem Smartphone zu installieren.

KATWARN bleibt stumm: Ursache unklar - Keine Technische Störung bei der App

Warum die App Katwarn deutschlandweit nicht um 11 Uhr ausgelöst hat, wissen wir nicht. „Von technischer Seite liegen uns keine Störungen vor“, gab Arno Vetter CombiRisk-Geschäftsführer und zuständige Ansprechpartner für Katwarn auf telefonischer Anfrage der SÜDWEST PRESSE zu Protokoll. „Um 11.30 Uhr hatten deutschlandweit rund 60 Prozent aller Gebiete ausgelöst“, so Vetter weiter
Die Warn-App Katwarn sollte eigentlich eine Meldung über den Probealarm schicken.
Die Warn-App Katwarn sollte eigentlich eine Meldung über den Probealarm schicken.
© Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Bundesamt für Bevölkerungsschutz erklärt Panne beim Probealarm

Warum haben die Warnapps NINA und KATWARN nicht gewarnt? Diese Frage beschäftigte am Donnerstagmorgen ganz Deutschland. Die über das sogenannte Modulare Warnsystem (MoWaS) versendete Warnmeldung sei verspätet zugestellt worden, teilte das BBK in Bonn mit. „Grund dafür ist eine nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen über MoWaS gewesen.“ Das im Vorfeld besprochene Auslösekonzept habe hingegen eine reine Auslösung durch den Bund vorgesehen.
Das Bundesamt sieht darin dennoch einen Nutzen: „Dieses Phänomen liefert wichtige Erkenntnisse für den Ausbau von MoWaS und die notwendige weitere Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen in Bund und Ländern und wird in der weiteren Entwicklung von MoWaS berücksichtigt“, so das Bundesamt.

Warntag in Bayern: Nutzer äußern sich über Warnapps in Sozialen Netzwerken

Der erste bundesweite Probealarm am Donnerstag hat bei manchen Menschen in Bayern für Verwunderung gesorgt - denn mancherorts gab es keinen Sirenen-Alarm und auch die amtlichen Warn-Apps blieben teilweise still. Für München erklärte ein Feuerwehrsprecher, es gebe in der Landeshauptstadt seit vielen Jahren gar keine Sirenen mehr. Sie seien nach dem Ende des Kalten Kriegs nach und nach abgebaut worden. Gewarnt worden sei dafür über Warn-Apps wie Nina und Katwarn. In sozialen Netzwerken äußerten sich viele Nutzer verwundert darüber, dass Sirenen nicht heulten. Zudem gab es zahlreiche Nutzer, die klagten, dass auch die amtlichen Warn-Apps stumm blieben.

Warntag 2020: Deshalb heulen die Sirenen

Erstmals seit der Wiedervereinigung ist am Donnerstag um 11 Uhr ein bundesweiter Probealarm ausgelöst worden. Der sogenannte Warntag dient als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie schwere Unwetter, Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge. Eingebunden werden sollten alle vorhandenen Warnmittel wie beispielsweise Warn-Apps, Radio und Fernsehen, digitale Werbetafeln, Sirenen und Lautsprecherwagen. In Köln etwa heulten um Punkt 11 Uhr die Sirenen. „Eine Entwarnung wird um 11.20 Uhr übermittelt“, teilte das federführende Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn mit.

Probealarm: Warntag künftig an jedem zweiten Donnerstag im September

Der Probealarm, der von Bund und Ländern gemeinsam ausgeführt wird, soll künftig an jedem zweiten Donnerstag im September stattfinden. Das BBK verfolgt damit zwei Ziele: Zum einen soll die Warntechnik getestet werden, zum anderen sollen sich die Bürgerinnen und Bürger mit den verschiedenen Warntechniken vertraut machen. Denn es habe sich gezeigt, dass Menschen in Krisensituationen vor allem auf Bekanntes zurückgriffen, sagte BBK-Präsident Christoph Unger.

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„NINA“: Wie funktioniert diese App?

„NINA“ wurde vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn entwickelt und ist mit dem sogenannten Modularen Warnsystem verknüpft. Das ist das satellitengestützte Warnsystem des Bundes, das Warnungen des BBK und lokale Warnungen der Leitstellen verbreitet. „NINA“ empfängt aber auch Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserwarnungen. Andere Warn-Apps sind:
  • sowie diverse regionale Warn-Apps

Kritik an Warntag: Psychologie-Professor kritisiert Einsatz von Sirenen am Warntag

Neben Meldungen über Warnapps heulten in vielen Städten auch die Sirenen. Das löste auch Kritik aus. Der Psychologe Andreas Hamburger von der International Psychoanalytic University Berlin hat den Einsatz von Sirenen an dem für diesen Donnerstag geplanten bundesweiten Warntag kritisiert.
„Die Menschen, die selber noch als Kinder Luftangriffe erlebt haben, sei es in Deutschland im Krieg, seien es Geflüchtete, die aus Kriegssituationen kommen, werden ganz unmittelbar und sehr intensiv mit Gefühlen von Panik auf solche Signale reagieren. So dass man sich schon die Frage stellen muss oder sollte: Ist es notwendig, und welchem wirklichen Zweck dient es denn, diese Reflexe bei Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben, zu triggern?“, sagte der Psychologie-Professor der Deutschen Presse-Agentur.
Er erinnere sich aus seiner Kindheit selbst noch an die Luftschutzübungen des Kalten Krieges, die ihm immer einen Schauder über den Rücken gejagt hätten. „Ich verstehe nicht ganz, warum man diese Inszenierung braucht, jetzt so die gute alte Luftschutz-Sirene wieder auszumotten, denn heutzutage gibt es natürlich wesentlich effizientere und auch geräuschärmere Formen.“