Deutschland probt am bundesweiten Warntag 2020 am Donnerstag den Ernstfall. Egal ob Terroranschläge oder Naturkatastrophen wie Hochwasser, Hitzewellen und Erdbeben: Wenn Gefahr droht, soll die Bevölkerung so schnell wie möglich informiert werden. Dabei setzen die Behörden auf ein ganzes Arsenal von Warnmitteln - von der altbekannten Sirene bis zur Spezial-App NINA“. An diesem Donnerstag soll erstmals alles deutschlandweit erprobt werden. Fragen und Antworten rund um die Übung.

Warnapps „NINA“ und „KATWARN“ bleiben stumm

Beim ersten bundesweiten Probealarm am Donnerstag ist die Warn-App NINA bei vielen Nutzern still geblieben. Die angekündigte Warnmeldung erschien zunächst nicht. „Wir wissen, dass es teilweise geklappt hat“, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Teilweise sei es aber auch zu einer Überlastung des modularen Warnsystems gekommen. „Deshalb gibt es gerade Verzögerungen bei der Auslösung.“

Bundesamt für Bevölkerungsschutz erklärt Panne beim Probealarm

Bei der Warnung der Bevölkerung beim bundesweiten Probealarm am Donnerstag hat es eine Panne gegeben. Die über das sogenannte Modulare Warnsystem (MoWaS) versendete Warnmeldung sei verspätet zugestellt worden, teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn mit. „Grund dafür ist eine nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen über MoWaS gewesen.“ Das im Vorfeld besprochene Auslösekonzept habe hingegen eine reine Auslösung durch den Bund vorgesehen.

Warntag in Ulm: Die Sirenen heulten kurz auf

Um 11 Uhr heulten die Sirenen in Ulm kurz auf - allerdings nur wenige Minuten. Um 11:20 Uhr endet der Warntag offiziell. Am ersten bundesweiten Warntag seit der Wiedervereinigung wurde Probealarm ausgelöst. Damit sollen die Deutschen auf Gefahrenlagen vorbereitet werden.

Warntag: Was ist das?

Am Donnerstag findet um 11 Uhr ein bundesweiter Probealarm statt. Alle vorhandenen Warnmittel sollen getestet werden. Dazu gehören zum Beispiel Warn-Apps, Nachrichten über Radio und Fernsehen, aber auch Sirenen.

Wie lange heulen die Sirenen?

Die Sirenen heulen von 11:00 bis 11:20 Uhr, also nur etwa 20 Minuten. In dieser Zeit werden auch Warnungen über Apps, Radios und digitale Anzeigetafeln verbreitet-

Warum ist der Warntag am 10. September?

Im größten Teil der Republik ist dann schon wieder Schule, so dass man davon ausgehen kann, möglichst viele Menschen zu erreichen. Der Warntag soll künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden.

Werden überall auch Sirenen heulen?

Es werden viele Sirenen heulen, aber welche Warnmittel jeweils genau zum Einsatz kommen, entscheiden die örtlichen Behörden. Die Sirenen stammen ja teils noch aus der Zeit es Zweiten Weltkriegs.

Youtube

Warum sind die heute immer noch nötig?

Sirenen gelten vor allem nachts als zuverlässiges Warnmittel. Ihr Heulton holt die Menschen aus dem Schlaf, wenn Fernseher, Radio und Handy ausgestellt sind.

Wozu braucht man dann noch andere Warnmittel?

Sirenen können nur kundtun, dass Gefahr im Verzug ist, aber nicht welche. Über Lautsprecherfahrzeuge kann man die Bevölkerung viel konkreter warnen. Und über die App NINA, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kommt die Warnung sogar direkt auf das Handy.

„NINA“: Wie funktioniert diese App?

„NINA“ wurde vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn entwickelt und ist mit dem sogenannten Modularen Warnsystem verknüpft. Das ist das satellitengestützte Warnsystem des Bundes, das Warnungen des BBK und lokale Warnungen der Leitstellen verbreitet. „NINA“ empfängt aber auch Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserwarnungen. Andere Warn-Apps sind:
  • sowie diverse regionale Warn-Apps.
Die Notfall-Informations- und Nachrichten-APP «NINA» des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe soll die Bevölkerung vor Katastrophen warnen
Die Notfall-Informations- und Nachrichten-APP «NINA» des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe soll die Bevölkerung vor Katastrophen warnen
© Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Welche Geräte schlagen sonst noch Alarm?

Auch Digitalradios warnen die Bevölkerung. Denn eine besondere Warnfunktion bietet in Deutschland der digitale terrestrische Rundfunkstandard DAB+. Über eine Technologie namens Emergency Warning Functionality (EWF) können Warnungen direkt an DAB+-Radiogeräte gesendet werden, erklärt das Digitalradio-Büro Deutschland.
Im Ausnahmefall könne EWF sogar im Stand-by befindliche Radios einschalten. Die Warntechnologie sei zudem barrierefrei: Zusätzlich zur Sprachdurchsage werden auch mehrsprachige Textinformationen übertragen und in den Displays der Digitalradios angezeigt.

Welchen Sinn hat der Warntag?

„Es hat sich gezeigt, dass Menschen in Krisensituationen vor allem auf Bekanntes und bereits Erlerntes zurückgreifen“, sagt Christoph Unger, Präsident des BBK. Deshalb sei es sinnvoll, so etwas einzuüben. Außerdem gebe es eine zunehmende Zahl von Naturkatastrophen, zum Beispiel die Hitzewellen von 2018 und 2019, Terroranschläge wie in Halle oder Hanau oder aktuell die Corona-Pandemie. Diese Ereignisse hätten gezeigt, dass ein Warnsystem wichtig sei.

Gibt es eine allgemeine Empfehlung, wie man sich im Ernstfall verhalten soll?

Das BBK sagt dazu: „Mit jeder Warnung erhalten Sie in der Regel Informationen zur Gefahr und Empfehlungen, was Sie zu Ihrem Schutz tun können. Generell gilt: Bewahren Sie Ruhe, informieren Sie sich über die Medien und unterrichten Sie gegebenenfalls Ihre Nachbarn.“

Warntag 2020: Katastrophenschützer werben mit Film für Warn-App Nina

Godzilla erhebt sich aus den Fluten und stiefelt auf eine Großstadt zu - mit diesem nicht ganz ernst gemeinten Horror-Szenario werben am ersten deutschlandweiten Warntag die Katastrophenschützer des Bundes. Der Film wird am Donnerstag (10. September) um Punkt 11.00 Uhr veröffentlicht.
Dann heulen im ganzen Land die Sirenen. Wer sich daraufhin fragt, was denn los ist, kann sich unter anderem auf der Straße auf digitalen Anzeigetafeln, im Internet oder auf seinem Handy über eine Warn-App informieren. Er erfährt dann: Kein Grund zur Beunruhigung, alles nur Probealarm! Aber durchaus nötig, meint das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Sein Präsident Christoph Unger sagt: „Wir glauben, dass es ungemütlicher werden wird.“ Stichwort Klimawandel. „Es gibt konkrete Erfahrungen, wie beispielsweise die Jahrhundertflut 2002 an der Elbe, die unzählbaren Starkregenereignisse der letzten Jahre.“ Sogar Erdbeben seien denkbar, etwa in der Kölner Bucht.

Youtube

Sirenengeheul: So können Halter ihre Tiere vor Lärm schützen

Etwa 15.000 Sirenen sollen am Donnerstag in ganz Deutschland testweise aufheulen. Für Hunde, Katzen und andere geliebte Vierbeiner mit empfindlichen Ohren kann das belastend sein. Tiere können auf diesen Lärmpegel nervös und verängstigt reagieren, erläutert Daniela Schrudde von der Welttierschutzgesellschaft. Doch Halter können ihre Tiere vor Lärm schützen.

Sirenen, Warn-App und digitale Tafeln: So läuft der Warntag 2020 in Baden-Württemberg

Mit heulenden Sirenen, piepsenden Warn-Apps und Probewarnungen auf digitalen Werbetafeln wird sich auch Baden-Württemberg am ersten bundesweiten Katastrophen-Warntag seit der Wiedervereinigung beteiligen. „Wir warnen probehalber“, sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit Blick auf den Warntag. „Denn wenn es im Ernstfall mal notwendig wird, wollen wir jetzt schon bestmöglich vorbereitet sein.“
Am Warntag werden pünktlich um 11.00 Uhr mit einemProbealarm alle an das Modulare Warnsystem MoWaS angeschlossenen Mittel ausgelöst - also unter anderem Radio, Fernsehen oder die Warn-App NINA. Kommunen, die über Sirenen verfügen, sollen diese zeitgleich heulen lassen.
Selbstverständlich ist eine Sirene in den Städten und Gemeinden aber keineswegs mehr. Bis Anfang der 1990er Jahre gab es nach Angaben des Innenministeriums ein flächendeckendes Netz des Bundes, das die Bevölkerung vor möglichen Luftangriffen warnen sollte. Nach dem Ende des sogenannten Kalten Krieges gab der Bund dieses Sirenennetz auf und bot es den Kommunen zur Übernahme an. In Deutschland gab es zum Zeitpunkt des Abbaus rund 80.000 Sirenen, danach verstummten sie vielerorts. Wie viele Sirenen es heute noch in Baden-Württemberg gibt, kann das Ministerium nicht sagen.

Katastrophen-Warntag: In Berlin heulen die Sirenen nicht

Beim ersten bundesweiten Katastrophen-Warntag werden in Berlin keine Sirenen heulen. In einem dicht besiedelten Raum wie Berlin sollen die Informationen aber möglichst genau und an bestimmte Orte angepasst übermittelt werden. Dafür seien das Internet und Rundfunkansagen besser geeignet, erklärten das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und der Senat. Außerdem gibt es in Berlin gar keine Warnsirenen mehr.

Sirenen in Ulm und Neu-Ulm: Probealarm mit Sirenen, Radio und App

Beim ersten bundesweiten „Warntag“ werden in Ulm und Neu-Ulm alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Wie in den beiden Städten gewarnt wird - und was bei defekten Sirenen zu tun ist.

Warntag in BW: So wird in Geislingen gewarnt

Die Feuerwehr in Geislingen nimmt nicht am bundesweiten Warntag teil. In der Stadt werden keine Sirenen zu hören sein. Wie der Warntag in Geislingen aussieht und warum die Feuerwehr nicht teilnimmt.

Warntag in BW: Warum in Göppingen die Sirenen stillbleiben

Auf allen Kanälen wird gewarnt - Warntag in Göppingen und Geislingen

Warntag am Donnerstag Auf allen Kanälen wird gewarnt

Kreis Göppingen

Wie die Stadt Ehingen ihre Bürger vor Katastrophen warnt

Warntag in Gaildorf: Darauf müssen sich die Bewohner des Limpurger Landes einstellen

Xavier Naidoo verbreitet Verschwörungstheorien über Warntag und erntet Häme

Der Mannheimer Sänger Xavier Naidoo hat nach Medienberichten vor dem Warntag am Donnerstag Verschwörungstheorien im Netz geäußert. Wie Mannheim24 berichtete vermutet der Sänger, der der Reichsbürgerszene nahe steht, hinter dem Warntag eine Verschwörung. Er soll zu einer gemeinsamen Meditation aufgerufen haben und warnte „alle Erwachten“. Auf Social-Media spotteten viele User über Naidoos „Warnung“.

Psychologie-Professor kritisiert Einsatz von Sirenen am Warntag

Der Psychologe Andreas Hamburger von der International Psychoanalytic University Berlin hat den Einsatz von Sirenen an dem für diesen Donnerstag geplanten bundesweiten Warntag kritisiert.
„Die Menschen, die selber noch als Kinder Luftangriffe erlebt haben, sei es in Deutschland im Krieg, seien es Geflüchtete, die aus Kriegssituationen kommen, werden ganz unmittelbar und sehr intensiv mit Gefühlen von Panik auf solche Signale reagieren. So dass man sich schon die Frage stellen muss oder sollte: Ist es notwendig, und welchem wirklichen Zweck dient es denn, diese Reflexe bei Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben, zu triggern?“, sagte der Psychologie-Professor der Deutschen Presse-Agentur.
Er erinnere sich aus seiner Kindheit selbst noch an die Luftschutzübungen des Kalten Krieges, die ihm immer einen Schauder über den Rücken gejagt hätten. „Ich verstehe nicht ganz, warum man diese Inszenierung braucht, jetzt so die gute alte Luftschutz-Sirene wieder auszumotten, denn heutzutage gibt es natürlich wesentlich effizientere und auch geräuschärmere Formen.“