Am 25. Februar 1496, vor 525 Jahren, starb Herzog Eberhard im Bart, einer der bedeutendsten württembergischen Herrscher. Wenig bekannt ist, dass er in seinem Testament ein Verbot verfügte: Juden sollten sich nicht in Württemberg ansiedeln dürfen. Dieser legendäre Landesherr war es, der mit seinem letzten Willen die jüdische Geschichte Württembergs für über 300 Jahre prägte.

1700-jährige Geschichte zurückblicken

Im Jahr 2021 kann jüdisches Leben in Deutschland auf eine 1700-jährige Geschichte zurückblicken, die im Rahmen eines bundesweiten Themenjahres mit zahlreichen Veranstaltungen beleuchtet werden soll. Seit dem Jahr 321 leben Jüdinnen und Juden nachweislich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.
Die baden-württembergische Landesregierung stellt die Vermittlung und die positive Akzentuierung von vielfältigem jüdischem Leben heute sowie die 1700-jährige Geschichte und Kultur ins Zentrum des Festjahres. Zugleich will man dem wiederauflebenden Antisemitismus in Europa entgegenwirken. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg machen sich dabei auf eine Spurensuche in den Monumenten des Landes.

Bad Urach

Gemeinsame Kultur ab dem 11. oder 12. Jahrhundert

Ältester Beleg für jüdischen Leben in Europa nördlich der Alpen ist ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321. Darin findet sich die erste Erwähnung von Juden, die im Gebiet des heutigen Deutschlands lebten. Sie waren in der damaligen römischen Stadt Köln zuhause. Erste Spuren jüdischer Kultur im Gebiet des heutigen Baden-Württembergs stammen aus dem 11. oder 12. Jahrhundert.
„Wenn im Jubiläumsjahr 2021 an das jüdische Leben in Deutschland erinnert wird, machen sich die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg auf die Suche nach den Spuren der gemeinsamen Geschichte“, erklärt Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. „Es gibt viele kaum bekannte Details und Biografien: In diesem Jahr stellen wir sie vor.“

Antijudaismus im Mittelalter

Eberhard im Bart, geboren 1445 in Schloss Urach, hat in Württemberg nachhaltige positive Spuren hinterlassen – etwa durch die Gründung der Universität Tübingen 1477, die Wiedervereinigung des Landes 1482 und den Aufstieg Württembergs von einer Grafschaft zum Herzogtum 1495. Dafür gewann er einen Platz in der kollektiven Erinnerung der Württemberger.
Eine andere Seite von ihm ist weniger bekannt: Eberhard im Bart betrieb eine antijüdische Politik, die das jüdische Leben im Herzogtum für über 300 Jahre prägte. Bei Gründung der Universität – zu einer Zeit, als er noch im Schloss Urach residierte – ließ er alle Juden aus Tübingen vertreiben.
Sein Testament, das er 1492 zu Papier brachte, bildete die Fortsetzung dieser antijüdischen Politik, die sich nahtlos in das antisemitische Muster dieser Zeit einfügte. Eberhards Onkel, Friedrich von der Pfalz, verwies die Juden ebenfalls aus seinem Herrschaftsgebiet. Im späten Mittelalter tauchten immer wieder Gerüchte auf, die es erleichterten, die Minderheit zu verfolgen – bis hin zum Vorwurf der „Hostienschändung“ und der „Brunnenvergiftung“.

Offizielle Ausweisung

„Item es ist och unnser Ordnung unnd letster will, das fürohin unnser erben in unnser Herschaft kainen Juden Seßhafft wonen noch dahein gewerb tryben laßen“ – so bestimmte es Herzog Eberhard. Weder sollte ein Jude in Württemberg leben, noch sollte er einer Arbeit nachgehen.
Der Herzog formulierte dabei den antijüdischen Geist der Zeit: Die Landschaft, die Vertretung der Städte und Geistlichen im Land, bestätigte die Anordnung. Juden waren damit offiziell und endgültig aus Württemberg ausgewiesen. Auch die umliegenden Herrschaften wurden von der württembergischen Landschaft dazu angehalten, „die juden ouch nit zu halten“.

Einzelne Familien blieben

Bis zum Ende des Herzogtums Württemberg 1806 berief man sich auf das Testament Eberhards und die Regimentsordnung. Das jüdische Leben Württembergs kam in dieser Zeit jedoch nicht ganz zum Erliegen. Einzelne jüdische Familien durften im Herzogtum leben. Sie waren keine normalen Bürger, sondern „Schutzjuden“, die den ausdrücklichen Schutz des Landesherrn benötigten.
So kam es, dass um 1800 lediglich 534 Juden im Herzogtum lebten – bei rund 660 000 Einwohnern. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Juden in Württemberg zunehmend gleichberechtigt. Das Unrechtsregime der Nationalsozialisten mit dem Holocaust vernichtete das jüdische Leben in Deutschland und Europa weitgehend und stellt einen tiefen und schmerzhaften Einschnitt in die Geschichte der deutschen Juden und Deutschlands dar

Noch bis zum 7. März geschlossen


Alle Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg sind ebenso wie die Kultureinrichtungen nach der aktuellen Corona-Verordnung des Landes mindestens bis zum 7. März geschlossen. Impressionen und Informationen finden sich online auf www.schloesser-und-gaerten.de.

534


Menschen jüdischen Glaubens waren um 1800 im Herzogtum zuhause. Dort zu bleiben war ihnen nur aufgrund eines Schutzstatus des Landesherrn möglich.