Wenn’s brennt im Land, ist die Meinung eines Mannes immer besonders gefragt: Trigema-Chef Wolfgang Grupp soll klare Worte sprechen, wenn es in der CDU kriselt, wenn große Unternehmen pleite gehen, wenn sich, wie jetzt, eine Pandemie lähmend über Deutschland legt.

Mahnung zu Besonnenheit

Die Menschen, so hat es immer den Anschein, schätzen, was er zu sagen hat, verstehen ihn und stimmen ihm zu. Freilich war es nur eine Frage der Zeit, bis der begehrte Interviewpartner aus Burladingen auf das Thema Coronavirus angesprochen wird.

Aktuell nimmt Wolfgang Grupp in einem Focus online-Interview Stellung zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die Textilindustrie. Vor allem mahnt Grupp im Umgang mit der Pandemie zu Besonnenheit.

Zu 100 Prozent autark

Der Chef des Textilproduzenten Trigema, der bis heute auf eine Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer verzichtet, sieht sich jetzt im Vorteil: Im Gegensatz zu anderen Firmen müsse Trigema wegen der Corona-Krise nämlich nicht mit Lieferengpässen rechnen. „Ich halte an ,Made in Germany’ fest, weil ich damit positive Ergebnisse erziele und Erfolg habe“, stellt Grupp in dem Interview fest. Bei all seinen Hauptprodukten sei Trigema zu 99 Prozent autark.

Und dennoch spürt man auch bei Trigema die Auswirkungen des Coronavirus. Und zwar ist es die Mundschutz-Krise, die das Textilunternehmen auf der Alb auf den Plan gerufen hat. Wie Grupp berichtet, haben mehrere Kliniken angefragt, ob Trigema auch Mundschutzmasken herstellen könnte. „Selbstverständlich können wir das“, lautete Grupps klare Antwort. Man produziere ja bereits im medizinischen Bereich, zum Beispiel Kopfschutz für Frühchen. „Einen Mundschutz können wir locker zusammennähen“, bekräftigt er.

Erste Muster bei den Kliniken

Der Gedanke, ein heimisches Textilunternehmen wie Trigema den Nachschub für die fehlenden, aber überall dringend benötigten Schutzmasken besorgen zu lassen, hat offenbar bereits konkretere Formen angenommen. Focus online zitiert Grupp mit den Worten: „Die Kliniken haben unsere Muster erhalten, jetzt sehen wir weiter.“

Ein Knackpunkt dabei ist wohl der Preis, denn Grupp stellt in dem Interview einmal mehr klar, dass der Qualitätsbegriff bei Trigema „mit billiger Massenware nichts zu tun hat“. Einen „Wegwerfartikel zum Cent-Preis“ werde Trigema nicht produzieren. Ein Mundschutz made by Trigema wäre mehr ein „wiederverwendbares Stoffprodukt“.

Firma „nicht verrückt machen“

Und was, wenn der Coronavirus die eigene Firma, die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreicht? Auch auf diese Frage reagiert Grupp, der zweifelsfrei zu den bekanntesten Unternehmern Deutschlands zählt, souverän: „Wenn etwas wäre, würden wir uns an die Autoritäten wenden und das umsetzen, was die Experten raten. Es macht ja keinen Sinn, einen Notfallplan für ein bestimmtes Szenario zu entwerfen, solange die Lage so dynamisch ist.“ Natürlich werde man „die Augen offen halten“, aber nicht die „Firma  verrückt machen, bevor überhaupt etwas passiert ist“.

Soforthilfe ist angebracht

Auch zur Frage, ob die Regierung wegen der Pandemie ein Konjunkturprogramm starten sollte, nimmt Wolfgang Grupp Stellung: „Wenn es morgen heißt, ich darf nicht mehr produzieren, ist es an der Politik, meinen unverschuldeten Ausfall abzufedern und meinen Betrieb zu stützen.“ Eine Form der Soforthilfe sei auch, dass nicht der Arbeitgeber, sondern die zuständige Behörde den Lohn fortzahlt, wenn ein Arbeitnehmer zwei Wochen in Quarantäne muss.

Panikmache vermeiden

Angst vor einer Corona-bedingten Rezession hat der 77-Jährige übrigens nicht. Er sei Optimist, betont er im Interview. Grupp: „In Bezug auf das Coronavirus glaube ich nicht, dass so heiß gegessen wird, wie gekocht wird.“ Jeder sei in der Verantwortung, die Panik einzuhegen.

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Sigmaringen

100

Jahre besteht die Firma Trigema („Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer“) mit Unternehmenssitz in Burladingen. Das Jubiläum wurde im Oktober 2019 groß gefeiert. Stargast war Helene Fischer.