Die ersten beiden öffentlichen Freitagsgebete im Ramadan der Hechinger Muslimgemeinde haben für reichlich Aufsehen gesorgt – am 1. Mai durch die AfD-Demonstration in der Gammertinger Straße, am 8. Mai durch das betont interreligiös-solidarische Mitwirken des katholischen Stadtpfarrers Michael Knaus.

Muslime diesmal wohl unter sich

Vor der dritten Auflage am kommenden Freitag, 15. Mai, sieht es ganz danach aus, als ob die Hechinger Muslime vor ihrer Süleymaniye-Moschee erstmals unter sich bleiben würden. Denn die evangelischen Pfarrer von Hechingen haben jetzt – anders als ihr Kollege Knaus – die Einladung zum gemeinsamen Gebet bei der Moschee ausgeschlagen – „bei allem Bemühen um Verständigung und um eine gute Nachbarschaft“, wie die Pfarrer Herbert Würth, Horst Jungbauer und Frank Steiner gegenüber der HZ erklären.

Am Donnerstag: Beten in Zeiten der Pandemie

„Grundsätzlich“ gelte für sie, so halten die evangelischen Pfarrer von Hechingen fest: „Der direkte Dialog ist uns wichtiger als besondere Aktionen.“ Ebenfalls aus diesem Grund wollen sich Würth, Jungbauer und Steiner auch nicht an einer weiteren Kampagne beteiligen, auf die der Leiter der katholischen Seelsorgeeinheit, Michael Knaus, aufmerksam macht: den „gemeinsamen Tag des Fastens und des Gebetes“ im Geiste der Geschwisterlichkeit am morgigen Donnerstag, 14. Mai. Zu diesem hat der „Hohe Ausschuss für menschliche Geschwisterlichkeit“ aufgerufen, eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus dem Christentum, dem Islam und dem Judentum unter der Federführung der Vereinigten Arabischen Emirate.

Der Papst ist dafür

An diesem Tag, so berichtet Pfarrer Knaus, seien angesichts der Gefahr durch die Corona-Pandemie alle eingeladen, sich durch Beten, Fasten und Werke der Barmherzigkeit an Gott, den Schöpfer, zu wenden. Dem Aufruf hat sich auch Papst Franziskus ausdrücklich angeschlossen. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche knüpft damit an die gemeinsame Erklärung anlässlich seines Besuches in Abu Dhabi im Februar vergangenen Jahres an.

„Ich halte das für ein sehr starkes Zeichen, wenn alle gemeinsam beten“, zeigt sich Pfarrer Knaus beeindruckt von der Aktion. Natürlich gehe es nicht darum, eine Pandemie „wegzubeten“, betont er: „Es ist ein gemeinsames Bekenntnis dazu, dass wir Menschen Existenzielles nicht in der Hand haben und deswegen immer gleichermaßen Bittende wie Beschenkte sind.“
Einen gemeinsamen Gottesdienst wird es nicht geben. Diesen braucht es nach Auffassung der Verantwortlichen der verschiedenen Religionsgemeinschaften in Hechingen im Moment auch gar nicht. Gerade jetzt in diesen Zeiten der eingeschränkten Kontakte sei es weitaus wichtiger, um die grundsätzliche Verbundenheit der Menschen untereinander zu wissen, und darum, sich gegenseitig im Gebet zu tragen.

„Hoher Ausschuss“ unbekannt

Diesen Gedanken bekräftigen durchaus auch Knaus’ evangelische Kollegen. „Der Einsatz für Nächstenliebe, Geschwisterlichkeit sowie das Gebet für die Menschen auf der ganzen Welt, die unter der Pandemie leiden, ist uns sehr wichtig“, schreibt Herbert Würth für sich und seine Kollegen. Für „besondere Aktionen“ sind die evangelischen Pfarrer im Moment aber nicht zu haben – weder an diesem Donnerstag noch (siehe oben) am Freitag. „Ehrlicherweise war uns der ,Hohe Ausschuss für menschliche Geschwisterlichkeit’ bisher unbekannt“, sagt Würth. „Statt einer neuen Aktion würden wir gern auf die bewährten Kontakte zurückgreifen. Wir sind gut im Gespräch mit den Muslimen und den Verantwortlichen der Moscheegemeinde, wie verschiedene Begegnungen in der Vergangenheit zeigen. Dieser Dialog oder besser noch Trialog, bei dem das jüdische Lehrhaus einbezogen wird, kann intensiviert werden. Das Gespräch und das Verständnis füreinander sollen neu belebt werden.“

Was bisher geschah:

Lobpreisgottesdienst zum Gebetstag


Der Video-Lobpreisgottesdienst am morgigen Donnerstag, 14. Mai, um 19.30 Uhr wird die Idee des „gemeinsamen Tages des Fastens und des Gebetes“ gegen die Corona-Pandemie aufgreifen. Unter dem Motto „Lege deine Sorgen nieder“ wird das Team der katholischen Gemeinde aus der Kirche in Boll um 19.30 Uhr einen Gottesdienst senden. Ruhige Lieder laden zum Gebet ein. Unter dem Link http://lobpreis.sse-luzius.de/ kann man dem Gottesdienst folgen und mitbeten. Hier findet sich auch ein Liedblatt und die Einladung zu einer Videokonferenz im Anschluss.