Es rumpelt in der AfD – bis hinunter in den Ortsverband Burladingen. Vergangene Woche traten der Balinger AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Herre und drei der vier AfD-Kreisräte des Zollernalbkreises aus ihrer Partei aus. Unter ihnen auch der vormalige Burladinger Gemeinderat Armin Schweitzer.

Harry Ebert am ,völkischen Rand’

Schweitzer ist kein Gründungsmitglied des im Juni 2018 ins Leben gerufenen AfD-Ortsverbandes von Burladingen, er galt Beobachtern jedoch als dem Burladinger Bürgermeister Harry Ebert nahe stehend. Und der wiederum wird dem radikalen Flügel der Partei zugeordnet, nachdem er im Februar die Stadthalle für eine Veranstaltung des „Stuttgarter Aufrufs“ öffnete und sich jüngst in Tailfingen auf einer AfD-Veranstaltung präsentierte, die am Rednerpult von Anhängern des ,völkischen’ Randes der Partei dominiert war.

In einer schriftlichen Erklärung, die Armin Schweitzer am Dienstag der HZ zukommen ließ, begründet er seinen Austritt aus der AfD. Und er tut das zumal gegenüber denjenigen, die ihn im Mai als Mitglied der Partei in den Kreistag wählten.

Zwei triftige Gründe, warum es nicht mehr geht

In seinem „Statemtent“ heißt es: „Für meinen Schritt, die AfD nach nur kurzer Zugehörigkeit zu verlassen, gab es zwei triftige Gründe, die ich kurz erläutern möchte:

1. Die AfD sowohl im Bund als auch im Zollernalbkreis (KV) veränderte ihr Erscheinungsbild in den letzten sechs Monaten in erheblichem Maße zum Negativem! Dies vollzog sich zunehmend im Sinne einer rechtsradikaleren, immer mehr autoritäreren Grundausrichtung. Der wachsende Einfluss des ,rechten Flügels’ eines Björn Höcke (Thüringen) gestaltet sich mehr und mehr zum Problem der ursprünglichen Glaubwürdigkeit der AfD.

Als ein über Jahrzehnte praktizierender Arzt, kann ich mich mit menschenverachtenden oder antisemitischen Strömungen in dieser Partei nicht mehr identifizieren. Ethische, moralische Gründe lassen für mich ein  ,weiter so’ nicht mehr zu!

2. In einer aufstrebenden Partei sollte, wie in einer intakten Familie, eine gewisse Harmonie und ein Schutzempfinden für jedes der Mitglieder vorherrschen. Wenn aber seitens der Vorstand­schaft, noch dazu gegen besonders engagierte, aktive Mitglieder, Verleumdungen, Anzeigen und staatsanwaltliche Ermittlungen zum Mittel innerparteilicher Auseinandersetzungen werden, entsteht ein massiv gestörtes Vertrauensverhältnis.

Ein Kreisvorsitzender müsste zur Glättung der Wogen doch integrativ in Erscheinung treten! Egoistische Ambitionen, sich für die Kandidatennominierung zur nächsten Landtagswahl ins Zeug zu legen, dürfen keineswegs zu innerparteilichen unfairen Zerwürfnissen führen, wie in den letzten Monaten geschehen.

Neuer Name für die Fraktion

Zum Abschluss möchte ich (auch im Sinne meiner beiden anderen ausgetretenen Kreistagskollegen) kundtun, weiterhin mit Engagement und Nachdruck die Interessen unserer Kreisbürger im Kreistag zu vertreten, wahrscheinlich unter neuer Namensnennung.“

Am Schluss bedankt sich Schweitzer „für das mir entgegengebrachte Verständnis“.

Dass es nicht nur auf Kreisebene sondern auch im Ortsverband Burladingen erhebliche Zerwürfnisse gibt, hört man munkeln. Mit Hinweis auf „parteiinterne“ Verfahren, ist bis jetzt aber noch nichts offiziell nach außen gedrungen.

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Ursprünglich bei den Freien Wählern


Gemeinderat Armin Schweitzer wurde in der vorvergangenen Kommunalwahl in den Burladinger Gemeinderat und in den Kreistag gewählt. Er gehörte drei Jahre lang der Fraktion der Freien Wähler an, trat dann, am 1. März 2018 aus. In den neuen Kreistag zog er als Mitglied der AfD ein.