Insolvenzverfahren Sternenbäck Hechingen
: 220 Mitarbeitern droht der Arbeitsplatzverlust

Die insolvente Hechinger Großbäckerei Hechingen hat angekündigt, 45 ihrer Filialen zu schließen. Auf der Kippe steht die Hechinger Produktionsstätte. 220 Mitarbeiter sind betroffen.
Von
Hardy Kromer
Hechingen
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Was wird aus der Hechinger Großbäckerei in den Lotzenäckern? Der Produktionsstandort soll verlagert werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Hardy Kromer

Update, Dienstag:

Einen Tag, nachdem die Hechinger Sternenbäck–Gruppe ihren Restrukturierungsplan vorgelegt hat, werden weitere Details bekannt. Nach Angaben der Deutschen Presse–Agentur sollen die 45 Filialen, die keine Zukunft mehr haben, bis zum Jahresende geschlossen werden. 220 Mitarbeiter aus dem Verkauf, der Produktion und der Verwaltung seien betroffen, hieß es am Dienstag von der Geschäftsleitung. Allein in Stuttgart schließt das Unternehmen sieben Filialen. Durch die Einsparungen hofft die Sternenbäck–Gruppe, die im Insolvenzverfahren in Eigenregie ist, schnell wieder auf Kurs zu kommen.

Reform trifft vor allem die Produktion in Hechingen

Das Unternehmen betreibt bislang rund 220 Filialen in sechs Bundesländern. 45 davon sollen geschlossen werden, davon 31 in Baden–Württemberg. Die Reform trifft besonders auch die Produktionsstätte in Hechingen. Weil diese als überdimensioniert gilt, wird eine noch nicht näher definierte „Verlagerung“ innerhalb der Region angestrebt.

Was heißt das konkret?

Wird der Hechinger Backbetrieb dicht gemacht? Die Hohenzollerische Zeitung fragte nach bei Roland Brückmann von der Sternenbäck–Geschäftsleitung. Der stellte klar: „Es ist nicht unser Ziel, alles in den Osten zu verlagern.“ Allerdings sei zu konstatieren, dass der Hechinger Backbetrieb inzwischen viel zu groß sei. Brückmann: „Wir könnten von hier aus 120 Filialen beliefern, haben in Süddeutschland künftig aber nur noch 41.“ Deshalb suche man „andere Lösungen“ und habe hierzu „verschiedene Gedankenmodelle“, die aber allesamt noch nicht ausgereift seinen.

Keine Garantie für den Hechinger Backbetrieb

Eine Garantie für den Produktionsstandort Hechingen gab Brückmann auf HZ–Nachfrage nicht: „Das kann auch woanders sein.“ In jedem Fall will man aber in der Region backen. Schließlich erfordere es die Logistik, die baden–württembergischen Filialen nicht vom Norden oder vom Osten aus zu beliefern. In der Verwaltung, für die ebenfalls Veränderungen angekündigt sind, sollen laut Brückmann von 35 Stellen „maximal zehn wegfallen“.

Pressemitteilung Sternenbäck–Gruppe:

Am Montagnachmittag, den 28.09.2020, hatte die Sternenbäck–Gruppe eine Pressemitteilung herausgegeben. Darin wird die Lage des Unternehmens wie folgt geschildert:

„Nach einer zuvor konstant positiven Geschäftsentwicklung in 2018 und 2019 sowie zu Beginn 2020 verzeichnete das Unternehmen Sternenbäck mit Beginn der Corona–Pandemie im März dramatische Umsatzeinbrüche.“ Die Folge war — wie berichtet — zunächst die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens und dann des Insolvenzverfahrens. Mit einem Restrukturierungsplan will sich das Unternehmen nun gesunden.

Bislang hat die Sternenbäck–Gruppe drei Backbetriebe und 220 Sternenbäckereien in sechs Bundesländern (unter anderem in Einkaufszentren und mit Cafés an Einzel–Standorten). 45 Filialen werden nun geschlossen, allerdings keine im Mittelbereich Hechingen und mit Balingen (Friedrichstraße) und Tailfingen (Dorotheenstraße) nur zwei im Zollernalbkreis.

Produktionsstandort im Gewerbegebiet Lotzenäcker bedroht

Als akut bedroht gelten muss dagegen der Produktionsstandort im Hechinger Gewerbegebiet Lotzenäcker. Denn in der Pressemitteilung heißt es wörtlich: „Darüber hinaus wird es Veränderungen innerhalb der Verwaltung geben sowie eine Redimensionierung und Verlagerung der Hechinger Produktionsstätte angestrebt.“

In der Pressemitteilung heißt es unter anderem: „Aufgrund der deutlich reduzierten Frequenz und fehlender Umsätze im Bereich Kaffee, Kuchen, Snacks und Kaltgetränke konnten die wirtschaftlichen Einbußen mit dem klassischen Bäckereigeschäft in keiner Weise ausgeglichen werden. Daher wurde unter Ausschöpfung aller bislang vorhandenen wirtschaftlichen Möglichkeiten und Unterstützungen sowie nach Prüfung alternativer Lösungsmöglichkeiten am 25. Mai 2020 das Schutzschirmverfahren eingeleitet und per 1. September 2020 zwischenzeitlich in ein Eigenverwaltungsverfahren überführt.

Ziel: Gravierende Kostensenkung

Im Zuge dieser Verfahren, welche durch den Generalbevollmächtigen Jan Groß (Ebner Stolz) begleitet und durch den Sachwalter Prof. Dr. Martin Hörmann (Anchor Rechtsanwälte) überwacht werden, wurde nun ein für die Zeit nach der Corona–Krise schlüssiger und zukunftsorientierter Restrukturierungsplan seitens der Eigenverwaltung vorgelegt und auch seitens des Gläubigerausschusses bestätigt. Dieser sieht eine gravierende Senkung der Kostenstruktur sowie eine qualitative und vertriebliche Neuausrichtung der gesamten Sternenbäck–Gruppe vor.

Die Senkung der Kosten soll durch eine stärkere Konzentration auf wirtschaftlich profitable und auf deutlich näher rund um die drei Produktionsstätten liegende Geschäfte, der damit verbundenen Reduzierung und Optimierung von Anlieferungstouren sowie der Senkung der zu hohen Logistikkosten erreicht werden.“

31 Geschäfte in Baden–Württemberg vor der Schließung

Zukünftig wird Sternenbäck in Baden–Württemberg noch 41 Geschäfte, um Spremberg 66 Geschäfte und um Gera noch 63 Geschäfte betreiben. Oder andersherum gesprochen: Von der Schließung sind in Baden–Württemberg 31 Geschäfte betroffen, im Raum Spremberg neun, im Raum Gera fünf Geschäfte.

Vertrieb: Strukturelle und inhaltliche Neuausrichtung

Zugleich will Sternenbäck „noch deutlicher“ auf Frische setzen und durchgehend frische Backwaren und Snacks anbieten. Das Sortiment wird um Themen wie Bio, Vegan, Vegetarisch ergänzt, „um die Trends im Markt noch bewusster als bislang nachzuzeichnen. Auch das Thema Nachhaltigkeit bekommt durch neue Kooperationen eine noch größere Bedeutung als es bisher schon der Fall war.“ Darüber hinaus wird es auch im Vertrieb eine strukturelle und inhaltliche Neuausrichtung geben, welche von einer Schulungs– und Serviceoffensive für die Mitarbeiter begleitet wird. Außerdem soll das Geschäftsportfolio mittelfristig durch ergänzende Filial–Konzepte erweitert und neue Geschäfte im näheren Produktionsumfeld eröffnet werden. Sternenbäck, so heißt es abschließend, sehe sich „durch die konsequente Umstellung der notwendigen Maßnahmen gut und wettbewerbsfähig für die Zukunft aufgestellt.“

Diese Filialen schließen:

Unter anderem werden folgende Filialen in der Region geschlossen:

Albstadt–Tailingen (im Netto)

Balingen (Friedrichstraße)

Eislingen (Rewe)

Ertingen (Netto)

Freudenstadt (Ludwig–Jahn–Straße)

Geislingen an der Steige (Stockstraße)Heidenheim (Bahnhofsplatz)

Heidenheim (Schloßarkaden)

Kirchheim (Teck–Center)

Kornwestheim (Rewe)

Mengen (Hauptstraße)

Mengen (Netto)

Meßkirch (Netto)

Neu–Ulm (Bahnhofstraße)

Pfullendorf (Netto)

Schramberg (Hauptstraße)

Schwenningen (im City–Rondell)

Villingen (Bickenstraße)

Zimmern (Raiffeisenstraße)

sowie eine Reihe von Filialen in und um Stuttgart.