Ein letztes Mal strahlt Harry Ebert von der Titelseite des Burladinger Amtsblattes, das er so oft für seine Privatfehden missbraucht hat. Mal wurde er dafür vom Landrat in aller Form gerügt, mal vom Gemeinderat getadelt – gelassen hat er es bis zum letzten Tag nicht. Einem baden-württembergischen Bürgermeister ist nicht so leicht beizukommen, solange er keine silbernen Löffel klaut, sondern „nur“ Stadträte und Journalisten verunglimpft.

Die Ära des einzigen AfD-Bürgermeisters endet

Letzteres tut er auch diesmal wieder mit Wollust, gekleidet in einen Abschiedsgruß an die „lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger“. Denn am Pfingstsonntag kommt nicht nur der Heilige Geist auf die Apostel herab, sondern es endet auch die Ära des ersten und einzigen AfD-Bürgermeisters in Baden-Württemberg. Von Erleuchtung oder gar Umkehr ist bei Ebert freilich nicht die Rede. Er pflegt seine Feindschaften bis auf den letzten Tag.

Die letzten Jahre „durch Streit geprägt“

Dass seine letzten Jahre in Burladingen „durch Streit geprägt“ und dass „ein produktives Arbeiten im Gemeinderat nicht mehr möglich“ gewesen sei, lastet er „einer kleinen Gruppe von Störenfrieden im Gremium“ an – und der Presse, die „eine unrühmliche Rolle“ gespielt und „mit dem hohen Gut der Pressefreiheit Schindluder getrieben“ habe. Und das allein, so stellt es Ebert dar, weil er „öffentlich gemacht habe, dass ich nicht ein Anhänger einer der Altparteien bin und Teile des Gemeinderates für ihren Besuch des Asylanteninternates in Hechingen kritisiert habe“.

„Landeier“-Eklat und „Asylantenschau“-Schelte

In der Tat hat der „Landeier“-Eklat (so nannte Ebert die Stadträte 2017) das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Gemeinderat unwiederbringlich zerrüttet; in der Tat war es Eberts „Asylantenschau“-Kritik (verbunden mit seinem AfD-Eintritt und seinen steten Facebook-Likes für rechte Parolen), die Burladingen jäh ins Licht der überregionalen Medien rückte und dafür sorgte, dass das in vielerlei Hinsicht liebenswerte Städtchen an der Fehla fortan landesweit als Hochburg der Rechtspopulisten diskreditiert wurde.

Schon früh als Rechtsausleger aufgefallen

Dabei hatte Ebert schon lange vor seinem AfD-Beitritt erkennen lassen, dass rechts von ihm nur noch die Wand ist: 2005/06, als er die Ausschreitungen von Rechts­extremen auf dem Weihnachtsmarkt bagatellisierte, 2012, als er einer Burladinger Sinti-Familie, die im KZ starb, das Gedenken verweigerte, oder 2015, als er zur Neonazi-Attacke auf das Kino „Alb-Lichtspiele“ schwieg.

Und immer schon gerne abgetaucht

Abwesenheit, wenn ein Bürgermeister gebraucht wird, Schweigen, wenn ein Stadtoberhaupt reden sollte – diese Untugenden prägten Eberts Ära zunehmend. 2008, als Teile von Killer überflutet wurden, war er ebenso wenig da wie 2017, als ein Brandstifter den Kindergarten St. Fidelis in Schutt und Asche legte. Mit seiner Streitlust gefährdete Ebert zentrale Projekte (Ärztehaus!) und lähmte das Vereinsleben. Bezeichnend, dass die überaus engagierten und erfolgreichen „Sommerfarben“-Macher 2016 entnervt aufgaben. Bezeichnend, dass zum 40-Jährigen der Stadterhebung 2018 niemand Lust zu feiern hatte.

Pflichtaufgaben erfüllt

Zum Abschied sonnt sich Ebert in sanierten Hallen und Schulen, ausgewiesenen Gewerbegebieten und Windkraft-Standorten sowie konsolidierten Finanzen. Ja, viele Pflichtaufgaben wurden getreulich erfüllt – auch dank eines konstruktiven Gemeinderates, einer funktionierenden Verwaltung und boomender Steuereinnahmen. Äußerlich hat sich die Stadt gut entwickelt, im Inneren ist sie zerrissen und ausgebrannt am Ende der Ära Ebert.

Der einzige Angelernte ist er selbst

Es war in vielerlei Hinsicht Ebert selbst, der „unserer Stadt sehr geschadet hat“. Dass er zum Abschied darüber schwadroniert, dass „Presseorgane auf dem Lande kein qualifiziertes Personal“ fänden und „angelernte Kräfte“ beschäftigen müssten, entlarvt ihn selbst. War er als Polizist doch der Angelernteste in einem Amt, das er nun nach 21 Jahren räumt. Ob ein Gelernter Lust hat, Eberts Scherben zusammenzukehren, bleibt abzuwarten. Zu wünschen wäre es Burladingen.

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