Göppingen / Arnd Woletz In einer großangelegten Befragung schnitt Göppingen unterdurchschnittlich ab: Note 2,8. In den Augen der Besucher mangelt es besonders an Flair, an Parkplätzen und es fehlt ein Elektro-Markt.

„Eine Drei plus ist zu wenig im Vergleich mit anderen Städten dieser Größenordnung“, sagte Einzelhandelsexperte Oliver Brimmers, als er die Ergebnisse der breit angelegten Studie „Vitale Innenstädte“ am Donnerstagabend im Göppinger Gemeinderat vorstellte. Die Stadt müsse vor allem an ihrem Ambiente und Flair arbeiten. Das müsse man sich über Jahre erarbeiten. So lautete eine der Empfehlungen des Experten. Es gelte, eine Stadtmarke zu entwickeln und die Stärken der klassizistischen Innenstadt herauszustellen. Kurzfristig könne Göppingen aber den Erlebnis-Charakter seiner City stärken und angesichts des Wandels im Einkaufsverhalten auch an der Digitalisierung arbeiten.

Göppingen ist schlechter als der Durchschnitt

Die Kölner Firma IFH hatte in 116 Städten die Besucher befragt, darunter 30 Städte in der Vergleichsgröße Göppingens zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern. In der Hohenstaufenstadt interviewten die Mitarbeiter 675 City-Besucher. Ergebnis: Göppingen liegt mit einer Gesamtbewertung von 2,8 unter dem Durchschnitt von 2,5. Weit hinten landet die Stadt beim „Erlebnis-Index“, bei dem eine Mischung aus Gastronomie, Freizeit und Veranstaltungen bewertet wird. Bemängelt wurde das Parkangebot und die Erreichbarkeit mit verschiedenen Verkehrsmitteln. Und: „Die Menschen kommen seltener zum Einkaufen oder Verweilen in die Stadt als in Vergleichs-Städten“, so Brimmers. 80 Prozent besuchen nur ein oder zwei Geschäfte.

Gut schnitt die Stadt beim Dienstleistungsangebot, beim Angebot an Bekleidungsgeschäften und Lebensmitteln ab, aber auch beim Besuchsanlass Behördengang.

Wie die Stadträte auf das Ergebnis reagieren

Die Reaktionen der Stadträte auf das Ergebnis reichten von Ernüchterung bis zu der Feststellung, dass immerhin schon Einiges passiert sei. „Man muss auch sehen, woher wir kommen“, sagte Michael Freche (Piraten). Dabei hatte er die Rückendeckung von OB Guido Till, der auf die positive Entwicklung der vergangenen Jahre verwies. Auch Handelsexperte Brimmers lobte, die Stadt habe schon viel unternommen.

Besonders umstritten war in der Diskussion im Gemeinderat, wie sich die Park- und Verkehrssituation auswirke. Eines stellte Brimmers klar. „Niemand kommt in eine Stadt, weil er dort toll parken kann, wenn er kein Ambiente vorfindet“. Erstaunlich positiv stellte der Innenstadt-Experte sich auf Nachfrage zu dem geplanten Einkaufszentrum in der Bleichstraße. Die 100-Millionen-Euro-Investition wird bei der Stadtverwaltung und bei großen Teilen des Gemeinderats inzwischen kritisch gesehen. Brimmers meinte, wichtig sei, dass ein Einkaufszentrum in einer fußläufig gut erreichbaren Lage stehe und auf die Laufwege der Menschen geachtet werde. „Ich schätze die Chance sehr hoch ein, dass hier ein Frequenzbringer entsteht“.

Stadtverwaltung will Ergebnis der Studie analysieren

Oberbürgermeister Guido Till sagte zu, die Ergebnisse der Studie würden nun verwaltungsintern ausgewertet und dann Schlüsse gezogen, die wiederum mit dem Gemeinderat besprochen würden.

Direkt an Brimmers Vortrag schloss sich der Handelsexperte Gerhard Beck vom Marktforschungsunternehmen GMA an. Die Firma aktualisiert derzeit das 13 Jahre alte Einzelhandelskonzept der Stadt. Dabei zog Beck zum Teil ein positiveres Fazit, als es die Befragung erbrachte (siehe Infobox).

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GMA-Experte: „Ich würde das gar nicht so negativ sehen.“

Breite Basis Statt eines Einzelhandelskonzepts erarbeitete die GMA jetzt ein „Märkte- und Zentrenkonzept“. Denn die Stadt sei nicht mehr nur ein Handelsstandort, sondern ein „regionales Dienstleistungszentrum“, ein Kommunikationsraum und Treffpunkt mit 200 000 Einwohnern im Einzugsgebiet, so GMA-Mitarbeiter Gerhard Beck.

Bewertung Beck sprach insgesamt von einer „sehr stabilen Ausgangslage“. Bei 250 Einzelhandelsgeschäften mit 50 000 Quadratmetern Verkaufsfläche stelle ein Leerstand von zehn Prozent die übliche Fluktuation dar.

Wandel Allerdings bewirke der Strukturwandel ganz klar einen Rückzug aus den Nebenlagen und eine starke Konzentration auf die Hauptachse entlang der Marktstraße.

Lebensmittel Bei der Nahversorgung habe sich eine deutliche Verbesserung ergeben, so Becks Fazit.