Die Pflasterer haben ganze Arbeit geleistet. Der Göppinger Bahnhofsplatz, dreimal so groß wie der Marktplatz, präsentiert sich in neuer Oberflächen-Optik. Noch fehlt das 40 Meter lange hölzerne „Stadtsofa“, das sich in mehreren Abschnitten über den Platz ziehen wird. Ebenso die Kleinlokomotive, die derzeit noch bei der Firma Schwarz steht und später in renoviertem Zustand auf die Modelleisenbahngeschichte der Stadt Göppingen hinweist. Doch Baubürgermeister Helmut Renftle berichtet, sowohl für das „Stadtsofa“, als auch für die Lok stehe der Liefertermin unmittelbar bevor – zweieinhalb Jahre nachdem mit dem Spatenstich für die Tiefgarage der Startschuss für das Großvorhaben fiel.

Mit den neuen Bäumen, den öffentlichen Sitzgelegenheiten und Freiluft-Gastronomie an vier Stellen soll der früher von Autos vollgestellte Platz noch in diesem im Sommer belebt werden. Bis zu den Sommerferien werde es auch mit dem Pedelec-Verleih und dem Carsharing-Projekt mit zwei Elektroautos klappen, kündigt der Baubürgermeister an.

Bahnhofsplatz Göppingen: Noch kein Einweihungstermin

Doch einen feierlichen Einweihungstermin für den Bahnhofsplatz wird es unter Umständen in diesem Jahr doch nicht mehr geben, lässt Göppingens Baubürgermeister durchblicken. Endgültig entschieden sei das noch nicht, so Renftle. Grund für die Zurückhaltung mit einer Einweihungsfeier ist auch nicht, dass die Baudezernat Probleme in letzter Minute befürchtet, sondern, weil die Arbeiten zum Komplettumbau des Bahnhofsviertels noch weiter gehen. Der Bahnhof selber zeigt sich derzeit noch im Renovierungskleid. Und im Frühsommer soll auch die neue Erschließungsstraße fertig sein, die die Stadt für eine Million Euro entlang der Gleise baut. 2020 werden auch die „Stadtpromenade“ sowie der Platz nördlich des inzwischen an die Kreissparkasse verkaufte Verwaltungszentrums Gestalt annehmen. Das Gebäude wird Firmensitz von Team Viewer.

Außerdem soll bis dahin die denkmalgeschützte Villa Gutmann ­belebt sein – mit Wiener Caféhaus, Büros und Appartements. In die Tiefgarage, den Platz, das Firmengebäude und die Villa Gutmann werden dann etwa 40 Millionen Euro investiert sein. Es könnte also darauf hinauslaufen, dass erst im nächsten Frühsommer groß gefeiert wird.

Renftle hofft, dass dann auch die ehemalige McDonald’s-Filiale im Bahnhof einen neuen gastronomischen Pächter gefunden hat und die Renovierungsarbeiten am Bahnhofsgebäude abgeschlossen sind. Das wäre dann insgesamt der richtige Zeitpunkt, den tiefgreifenden Wandel im ganzen Quartier abzurunden, findet Renftle. Das sei für Göppingen ein Grund zum Feiern, sagt der Baubürgermeister, denn dann sei es gelungen, die Neue Mitte bis hinunter zum Bahnhof zu verlängern. Das Göppinger Bahnhofsquartier fungiere dann als wichtiger Stadteingang für Besucher und Einheimische. Das Viertel wird sich dann „von einer Schmuddelecke zu einer neuen Visitenkarte und einer neuen 1A-Lage“ entwickelt haben, meint der Baubürgermeister.

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Es gab auch Skepsis und Kritik


Skepsis  Nicht alle Elemente rund um den Göppinger Bahnhof wurden im Gemeinderat und in der Bevölkerung kritiklos aufgenommen.

Bäume Im Gemeinderat hatte es Befürchtungen gegeben, weil die auf dem Platz gepflanzten japanischen Schnurbäume angeblich giftig sein sollen. Der Baubürgermeister verweist aber darauf, dass diese Baumart von offiziellen Stellen der Garten- und Landschaftsplaner empfohlen werde.

Poller Auch an den  40 neuen Pollern übten Bürger Kritik: Die sehr scharfen und eckigen Kanten stellten eine Gefahr für Kinder und Radfahrer dar, meinten sie. Die Stadt habe bei der Herstellerfirma nachgeforscht, sagt hingegen Renftle. Dort seien keinerlei Probleme bekannt. Außerdem würden diese Poller in vielen anderen Städten ebenfalls verwendet.

Verkehr Das neue Konzept auf der Bahnhofstraße im Bereich der Kreissparkasse lautet: Shared Space: Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer sollen gegenseitig Rücksicht walten lassen. Die Ampel bei der Hauptpost wurde abmontiert. Nicht nur im Gemeinderat meldeten sich Skeptiker. Doch inzwischen gebe es „nur positive Rückmeldungen“, sagt Renftle.

Tiefgarage Das Bauwerk mit 104 Stellplätzen war vor allem wegen der hohen Kosten umstritten: 4,5 Millionen Euro. Doch inzwischen sei die Garage (die einzige in der Stadt, in der Brezeltaste für 20 Minuten kostenloses Parken gilt), trotz der bisher herrschenden Baustellensituation gut ausgelastet.