Würden die beiden Gourmetköche Antonio Schiavone und Filippo Di Mauro wieder nach Tüngental kommen? „Das war die erste Frage, die ich mir stellte, als ich die Idee hatte, das Hufeisen wieder zu beleben“, erinnert sich Andreas Stein, Vorstand der kleinen Raiffeisenbank Tüngental. Kurz vorher hatte er das „Zu verkaufen“-Schild am Gasthof, das nur ein paar Meter entfernt von der Raiba-Geschäftsstelle steht, entdeckt. „Ohne die Zusage der beiden hätten wir das Gebäude nicht erworben. Dann haben wir aber sofort zugeschlagen“, stellt er fest. Mit „wir“ meint er die Raiba. „Als selbstständige Bank können wir selbst entscheiden, wie und wo wir investieren“, betont er. Immobilien versprächen in der jetzigen Niedrigzinsphase eine gute Rendite, ergänzt er.

Zumindest in Kombination mit den beiden Italienern. In den Jahren 1995 bis 2006 hatten sie mit ihren Kochkünsten das kleine, aber feine Restaurant „Hufeisen“ in der ganzen Umgebung bekannt gemacht. „Die Leute kamen bis aus Künzelsau“, merkt Ortsvorsteher Werner Philipp an, als er mit Di Mauro und Stein die leer geräumten Räume in dem alten Fachwerkhaus inspiziert. „Das Geschäft lief und wir sind uns einig, dass das unsere schönste Zeit war“, bestätigt Di Mauro auch für seinen Freund Toni.

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Raiffeisenbank erwarb das Gebäude von Crailsheimer Immobilienfirma

Andreas Stein möchte mit der Wiedereröffnung des beliebten Lokals einen Akzent gegen das Gasthaussterben setzen. „Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht. Das Restaurant soll wieder ein Mittelpunkt im Ort werden und den Tüngentalern gehören. Bei den Leuten kommt das sehr gut an“, so Stein, der soziales Engagement als wichtige Aufgabe einer genossenschaftlichen Bank wie der Raiba Tüngental sieht.

Nachdem die Pächter Schiavone und Di Mauro das Hufeisen 2006 verlassen hatten, hat es der damalige auswärtige Eigentümer an die Crailsheimer Firma Immobilien Weiss verkauft. Sie hat die Dreizimmerwohnung im Obergeschoss gründlich renoviert, in die übrigens Schiavone einziehen wird. „Wir haben das Gebäude von Weiss erworben. Es lief total unkompliziert und unbürokratisch“, betont Stein.

Projekt soll Anstoß zur Ortsentwicklung sein

Tüngentals Ortsvorsteher Werner Philipp freut sich, dass das Hufeisen wieder eine Zukunft hat. „Der denkmalgeschützte Gasthof Lamm ist seit Ende 2018 geschlossen. Da ist es schön, neben der Sportgaststätte bald ein zweites Lokal zu haben. Vielleicht ist das der Anstoß zu einer beginnenden Innenentwicklung von Tüngental“, hofft er.

Stein will das historische Gebäude wieder auf Vordermann bringen. Innen soll es auf den neuesten Stand gebracht werden: Die Küche wird komplett neu eingerichtet samt Boden, Decke und Wänden. In den Gasträumen, im Eingangsbereich und Flur haben die beiden Kochkünstler aus Italien bereits bei ihrem ersten Intermezzo im Hufeisen einen wunderschönen Terrakotta-Boden verlegen lassen.

Modernisiert wird auch der Sanitärbereich. Weiße Decken werden dort und im Flur für mehr Helligkeit sorgen. „Die Gäste sollen sich wohlfühlen“, so Stein. Rund 100.000 Euro investiert die Raiba in die Sanierung. Dazu gehört auch ein bewirteter Garten hinter dem Haus. „Mit schlanken Zypressen sieht das gleich etwas mediterran aus“, so Stein. „Der Abstand zu den Nachbarn ist recht groß. Da dürfte es wegen Lärmbelästigung keine Probleme geben“, meint Werner Philipp.

Am 1. Mai soll die Eröffnung des „neuen“ Hufeisens gefeiert werden. Antonio Schiavone und Filippo di Mauro freuen sich darauf, ihre Gäste wieder zu verwöhnen. „Zu zweit haben wir wieder Lust auf ein Restaurant“, sagt Di Mauro. Er ist optimistisch, dass genug gute Mitarbeiter aus Hessental und Gailenkirchen, wo die beiden zuletzt gearbeitet haben, nach Tüngental mitkommen.