Mit rund 65.000 Unterschriften hat die von Rothenburg ausgehende Petition „Stopp dem Krankenhaussterben im ländlichen Raum” einen großen Erfolg erzielt. Die Unterlagen wurden von einer Delegation aus Rothenburg kürzlich im Berliner Gesundheitsministerium übergeben. Jetzt wartet man gespannt auf die Stellungnahme des Petitionsausschusses im Bundestag.

Unabhängig davon spielt im Landkreis Ansbach die Zukunft des Anregiomed-Krankenhausverbundes im laufenden Kommunalwahlkampf eine wesentliche Rolle. Viele Patienten der Rothenburger Klinik kommen aus dem benachbarten Baden-Württemberg.

„Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg”, betont der Vorsitzende des Rothenburger Krankenhaus-Fördervereins Mediroth, Hans-Peter Nitt, der zusammen mit Oberbürgermeister Walter Hartl und dem Seniorenbeiratsvorsitzenden Dr. Rainer Hoffmann zu den Initiatoren der Petition gehört. Damit hat man man – losgelöst von der im Landkreis Ansbach bestehenden akuten Krankenhausproblematik – ein bundesweites Thema behandelt und diesem politischen Nachdruck verliehen.

Die Unterzeichner fordern die Bundesregierung und die Landesregierungen dazu auf, „ihrer politischen Verantwortung gerecht zu werden und auch im ländlichen Raum eine gute, patienten- und zukunftsorientierte, wohnungsnahe Krankenhausversorgung dauerhaft sicherzustellen”, heißt es im Petitionstext.

In der Praxis sieht man viele Diskrepanzen zwischen der Versorgung in Großstädten mit Umland und der im ländlichen Gebiet. Darauf wurde bei der Übergabe im Bundesministerium beim zuständigen Ministerialrat Dr. Vieß hingewiesen. Der sagte in dem längeren Fachgespräch mit der Delegation, man habe das Thema im Blick, aber die Länder kämen teilweise ihren Aufgaben nicht nach, wenn es um nötige Klinik-Investitionen geht. Die Überkapazitäten in Ballungsräumen habe man erkannt.

Standort Rothenburg steht vergleichsweise gut da

Dass kleine Kliniken auf dem Lande nicht mit kleinen Krankenhäusern im Großstadtumfeld gleichzusetzen sind, wurde seitens der Rothenburger Petitionsvertreter besonders hervorgehoben. Schnell reagierte bereits die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, denn sie wollte sich am 2. März in Rothenburg über die Krankenhaussituation vor Ort informieren.

Im Kommunalwahlkampf spielt das Thema eine wichtige Rolle. Prinzipiell erklären die drei örtlichen OB-Bewerber Harry Scheuenstuhl (SPD), Dr. Markus Naser von der FRV (Freie Rothenburger Vereinigung) und Martina Schlegl (CSU), wie wichtig ihnen der Erhalt der örtlichen Klinik ist, die einen hervorragenden Ruf genießt, der sich auch im großen Patientenanteil von etwa 30 Prozent aus dem württembergischen Hohenlohe zeigt.

Im Anregiomed-Verbund scheinen die Probleme im Schwerpunkt-Krankenhaus Ansbach derzeit besonders groß zu sein (nur schwach ausgelastet bei starkem Personalmangel und Ärzte-Fluktuation), während der Standort Rothenburg relativ gut dasteht und bis vor einem Jahr sogar hier schwarze Zahlen geschrieben wurden, als noch keine Vakanz bei Elektrophysiologie und eine bessere Ärzteausstattung in der Kardiologie bestand – beides soll aber wieder angestrebt werden, heißt es.

Ebenso setzen sich die Dinkelsbühler für ihren noch gut aufgestellten Klinikstandort ein. Im Moment schielt alles auf den Wahltermin am 15. März, danach könnten sich politische Verhältnisse in zuständigen Gremien verändern.

„Rein betriebswirtschaftliche Betrachtungen dürfen nicht Maßstab für die Gesundheits- und Krankenhausversorgung sein”, heißt es im Petitionstext. Das bedeutet für die Kommunalpolitik, hohe Defizite aus öffentlichen Kassen zu finanzieren, wenn man einen Verbund wie Anregiomed absichern will. „Wir stehen zur kommunalen Trägerschaft”, betonen die Parteienvertreter unisono.

„Verbund ist nicht zu klein“

In einer schwierigen Ausgangslage zeigt der Großverbund Diakoneo Neuendettelsau-Schwäbisch Hall (1250 Betten) bereits Übernahme-Interesse, aber es gäbe auch noch private Klinikkonzerne, die eventuell infrage kämen.

Anregiomed sei als Verbund keinesfalls zu klein und könne gut mit allen Standorten überleben, betonen die Vertreter der drei Fördervereine Dinkelsbühl, Rothenburg und Ansbach im Chor mit den Parteien.

Kürzlich hatte die bayerische SPD den Landtagsfraktionssprecher Horst Arnold in die Tauberstadt geholt, der eine verbesserte Krankenhausfinanzierung fordert und OB-Kandidat Harry Scheuenstuhl möchte ein Wohnheim für Krankenhaus-Mitarbeiter realisieren.