Derzeit erzeugen Erneuerbare-Energien-Anlagen aus dem Raum Rot am See mehr Strom, als vor Ort verbraucht wird. Aus diesem Grund plant Netze BW den Bau einer 110-kV-Hochspannungsleitung zwischen dem bestehenden Umspannwerk in Kupferzell und einem neu zu bauenden Umspannwerk im Raum Rot am See. Derzeit bereitet Netze BW das Genehmigungsverfahren vor. Bei der jüngsten Ratssitzung in Braunsbach wurden von der Netze BW Antworten zu einem Fragenkatalog der Gemeinde vorgelegt.

110-kV-Leitung von Kupferzell nach Rot am See Regierungspräsidium ist für Erdkabel

Stuttgart/Gerabronn

Trasse besteht zwischen Kupferzell und Ilshofen

Wie aus den Antworten hervorgeht, plant die Netze BW die bestehende Leitungstrasse, die an Döttingen vorbeiläuft, auszubauen. Durch den Austausch eines der beiden aufliegenden Stromkreise durch einen leistungsstärkeren ließen sich die Lastenflüsse auch ohne den Neubau einer zusätzlichen Leitungsanlage ausreichend erhöhen. Damit komme Netze BW ihrer Pflicht nach, das Netz bedarfsgerecht und so kostengünstig wie möglich auszubauen. Zudem würden so neue oder zusätzliche „Betroffenheiten für Mensch und Umwelt“ vermieden oder auf ein Minimum begrenzt.

Eventuell neue Masten

Ob die bestehende 110-kV-Freileitung dafür statisch und technisch geeignet ist, werde aktuell geprüft. Wenn die Statik ausreiche, können die bestehenden Masten genutzt werden, dann müssten sie gegebenenfalls lediglich verstärkt werden. Sollte das nicht ausreichen, müssten auf der bestehenden Trasse ersatzweise neue Masten gebaut werden.

Die bestehende Trasse hat einen Abstand von etwas mehr als 150 Metern zu Döttingen. Die Leitung liegt damit deutlich näher als der von Netze BW angestrebte und selbst auferlegte Abstand von 400 Metern zu geschlossenen Siedlungen oder 200 Metern zu Einzelwohnhäusern im Außenbereich.  Grundsätzlich ist Netze BW verpflichtet, Hochspannungsleitungen „auf neuer Trasse“ als Erdkabel zu verlegen. Sofern die Gesamtkosten im Vergleich zur Freileitung den Faktor 2,75 nicht überschreiten oder Naturschutzbelange dem entgegenstehen.

Alle Trassen noch im Rennen

Da der Ausbau im Bereich Döttingen auf bestehender Trasse erfolge, könne die Hochspannungsleitung dort als Freileitung verlegt werden. Im weiteren Verlauf sind derzeit zwei Trassen in der engeren Auswahl (siehe  Karte). Eine würde als Freileitung verlegt, die andere unter der Erde.

Von der Gemeinde Braunsbach kam der Vorschlag, die bestehende Kochertalbrücke zu nutzen, um das Kochertal zu queren. Aus technischer Sicht spreche nichts dageben, heißt es dazu von Netze BW. Jedoch sei das Verlegen und Anbringen von Leitungen an oder in Brücken nur dann zulässig,  wenn andere Möglichkeiten wie die unterirdische Querung des Bachs (Dünkerung) oder die parallele Verlegung als Freileitung zur Brücke technisch oder wirtschaftlich unzumutbar wären.

Kochertalbrücke scheidet aus

Wie Netze BW weiter schreibt, komme die Querung des Kochertals ausschließlich mit einer Freileitung in Frage, denn auch das Anbringen der Leitung außen an der Kochertalbrücke sei nicht möglich, dagegen spreche die denkmalgeschützte Konstruktion. Eine Dünkerung brächte  einen Technologiewechsel mit sich und hätte technische und betriebliche Einschränkungen zur Folge. Deshalb scheide auch die unterirdische Querung des Kochers aus. Diese Sicht teile auch das Regierungspräsidium, welches den sogenannten Korridor „Südwest“ (Verlegung an der Kochertalbrücke) als „nicht ernsthaft in Betracht kommende Alternative“ bewerte.

Können dort, wo die Freileitung Ortschaften tangiert, speziell isolierte Freileitungen verwendet werden, wollte die Gemeinde Braunsbach wissen. Derzeit gebe es keine technisch sinnvolle Lösung zur Isolierung der Beseilung, heißt es von Netze BW. Aus ihrer Sicht sei das aber auch gar nicht nötig. Eine 110-kV-Hochspannung werde mit einer Frequenz von 50 Hz betrieben. Gesundheitliche Beeinträchtigungen könnten ausgeschlossen werden.

Bürgermeister Frank Harsch ist der Auffassung, dass die zusätzlichen Stromtrassen nötig sind: „Unsere Gesellschaft hat sich für die Energiewende entschieden. Wenn nun Kohle- und Atomkraftwerke mittelfristig komplett abgeschaltet werden, brauchen wir Alternativen. Und Stromleitungen, die diesen dezentral produzierten Ökostrom von A nach B bringen.“  Zum Verlauf der bestehenden Trasse meint er: „Sicherlich wäre ein Erdkabelkorridor für das Landschaftsbild erträglicher.“ Andererseits bestehe die Freileitung schon seit Jahrzehnten.