Mehr als 400 Bürger aus dem Michelbacher Hauptort, also etwa ein Fünftel aller Einwohner, hatten die Petition der Initiative gegen Mobilfunk unterzeichnet. Über die Petition entschied nun der Gemeinderat am Mittwochabend. Die zentrale Bitte an Räte und Verwaltung: „Dem Bauantrag eines 5G-Senders sowie eines jeden Mobilfunksenders auf Michelbacher Gemarkung das gemeindliche Einvernehmen zu verweigern.“

Hintergrund sind die Pläne der Telekom, in Michelbach einen neuen Funkmast zu errichten. Das Tochterunternehmen Deutsche Funkturm war im August auf der Suche nach einem Privatgrundstück fündig geworden. Der Vertrag mit einem Michelbacher Grundstückseigentümer am Hagenhof ist bereits unterzeichnet. Ist der Funkmast mehr als zehn Meter hoch, wäre allerdings noch ein Bauantrag und somit das Einvernehmen der Gemeinde nötig.

Bürgermeister hält Rücksprache mit dem Landratsamt Schwäbisch Hall

Bürgermeister Werner Dörr machte den Mobilfunkgegnern wenig Hoffnung: Ein pauschales Versagen des Einvernehmens für den Bau von Mobilfunkmasten sei laut Paragraph 36 des Baugesetzbuches rechtlich nicht möglich. Es müsse stets im Einzelfall entschieden werden. Diese Einschätzung teile auch das Landratsamt, mit dem er Rücksprache gehalten habe, so Dörr. Er stellte deshalb den Beschlussvorschlag, die Petition zurückzuweisen – was die Gemeinderäte dann auch einstimmig taten.

Vor der Abstimmung hatte Wolfgang Schickner noch einmal die Entscheidung des Gemeinderates vom Januar bedauert, der Telekom kein gemeindeeigenes Grundstück für den Funkmastbau zur Verfügung zu stellen. Wäre dies nicht geschehen, hätte die Gemeinde die Standortsuche weiter mitbestimmen können und wäre „Herrin des Verfahrens geblieben“.

Mobilfunkgegner wollen aus Michelbach wegziehen

Vor der Abstimmung hatten Mitglieder der Initiative gegen Mobilfunk noch einmal kurz Gelegenheit erhalten, für ihr Anliegen zu werben. Roland Hölzel-Werner trat Vorwürfen entgegen, die Mobilfunkgegner würden den Frieden in der Gemeinde stören. Den Frieden störe vielmehr die Telekom. Denn obwohl die Gemeinde kein kommunales Grundstück zur Verfügung stellte, hätte der Konzern weiter gesucht. Der Handyempfang sei in großen Teilen der Gemeinde schon heute gut. Und wer daheim schlechten Empfang habe, könne mit Verstärkern Abhilfe schaffen, so Hölzel-Werner. Eine Unterstützung der Petition durch Gemeinderat und Gemeindeverwaltung „wäre ein starkes Signal an die Mobilfunkkonzerne“.

Nach der Zurückweisung der Petition herrscht bei der Initiative gegen Mobilfunk große Ernüchterung. Mehrere Mitglieder betonen gegenüber unserer Zeitung, nun wohl wegen drohender gesundheitlicher Schäden aus Michelbach wegziehen zu wollen.

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Antennen in Uttenhofen bleiben


Mobilfunkgegnerin Ulrike Hölzel ist sich sicher: Man hätte noch mehr Unterschriften für die Petition zusammenbekommen, wenn in Michelbach in den letzten Wochen nicht ein Gerücht die Runde gemacht hätte. Nämlich, dass auf dem Uttenhofener Wasserturm die Mobilfunkantennen demnächst abgebaut werden sollen. Wäre dies der Fall, würde sich der Handyempfang in Michelbach wahrscheinlich deutlich verschlechtern, und der Bau eines neuen Funkmasts vor Ort notwendiger erscheinen. Bürgermeister Werner Dörr fragte auf Ulrike Hölzels Initiative bei Rosengartens neuem Bürgermeister Julian Tausch und dem Chef der für den Wasserturm zuständigen Biberwasserversorgungsgruppe Wolfgang Binnig nach. Laut Tauschs und Binnigs Aussage bleiben die Antennen in Uttenhofen erhalten, so Dörr.