Die erbarmungswürdigen Geräusche sind nicht zu überhören: Am 16. September informieren Anwohner in Ilshofen die Polizei, weil aus einer verschlossenen Garage Hundejaulen zu hören ist. Die Beamten entdecken einen fest eingebauten Hundezwinger – in dem zwei Zwergdackel-Welpen gefangen sind. Weil die kleinen Hunde ohne Muttertier eingepfercht wurden und sich die Garage in einem durch Exkremente völlig verunreinigten Zustand befindet, informiert die Polizei das Veterinäramt. Ein Amtsmitarbeiter beschlagnahmt die Welpen und bringt sie ins Crailsheimer Tierheim. Der 40-jährige Hundehalter wird angezeigt. Er muss sich wegen illegaler Einfuhr von Hundewelpen und wegen der fehlenden Tollwutimpfung wegen Verstoßes gegen das Tierseuchengesetz verantworten.

Illegaler Welpenhandel Hunde kommen im Tierheim Crailsheim unter

Quarantäneräume im Tierheim reichen kaum

Mittlerweile haben Tierheim-Mitarbeiter die beiden männlichen Welpen – zwischenzeitlich Jochen und Hannes genannt – aufgepäppelt. „Sie wuseln ganz schön viel herum“, erzählt Claudia Hofmann, Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Crailsheim, der das Tierheim betreibt. Die Tollwut-Impfung haben die beiden kleinen Racker mittlerweile erhalten. Allerdings müssen Jochen und Hannes drei Monate in Quarantäne bleiben. Denn ihr Herkunftsland Serbien gilt nicht als tollwutfrei. Ob sie danach zu ihrem vorherigen Besitzer zurück müssen, entscheide das Veterinäramt, so Claudia Hofmann.

Die Vereinsvorsitzende hat den Eindruck, dass der illegale Welpenhandel in den letzten acht Jahren zugenommen hat: „Es kommen immer häufiger Hundehalter zu uns, die einen Welpen im Internet gekauft haben. Und danach bei einer Untersuchung beim Tierarzt herauskommt, dass die Impfpässe gefälscht sind.“ In solchen Fällen wird das Veterinäramt eingeschaltet. Die Impfungen müssen nachgeholt und die Hunde anschließend Zeit in Quarantäne verbringen. Das Crailsheimer Tierheim verfügt jedoch nur über zwei Quarantäneräume – weshalb mitunter große Platznot herrscht.

Im Michelfelder Tierheim gibt es immerhin drei Quarantäneräume. Deshalb werde die Einrichtung oft von Tierheimen aus dem Hohenlohekreis und dem Landkreis Heilbronn angefragt, die überbelegt sind, berichtet eine Mitarbeiterin. Man spreche sich gut untereinander ab. Mit den Quarantäneräumen sei es allerdings so eine Sache, so die Mitarbeiterin: „Man kann darin nicht mehrere Hunde unterbringen, die sich nicht kennen. Oft vertragen sie sich nicht.“

Beim illegalen Welpenhandel werden die Tiere früh von der Mutter getrennt

Gerade im Internet werden viele Hundewelpen angeboten, die aus sogenannten Hundefabriken in Osteuropa stammen. Laut SWR-Informationen blüht der Handel mit Rassehunden vor allem in Rumänien, Ungarn und Bulgarien. Die Tierschutzstiftung „Vier Pfoten“ geht davon aus, dass mit dem sogenannten illegalen Welpenhandel eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr erzielt wird. Seriöse Händler verlangen für beliebte Rassen mehr als 1000 Euro pro Tier. Die illegal gehandelten Welpen werden für einen Bruchteil der Summe angeboten.

„Das Leid dieser Welpen ist immens. Sie werden meist viel zu früh von der Mutter getrennt, sodass die für Hunde sehr wichtige Sozialisierung nicht stattfinden kann“, schreibt der Tierschutzbund. „Anstatt während der Prägephase zwischen der achten und zwölften Lebenswoche an ihre zukünftigen Hundehalter übergeben zu werden, bleiben die Welpen bei den illegalen Tierhändlern in der Regel nur zwei bis vier Wochen bei der Mutter. Die Folge: massive Verhaltensprobleme der Tiere, zum Teil bis ins Erwachsenenalter.“

Als illegal gilt der Welpenhandel laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft dann, „wenn bei Aufzucht, Handel und Transport der Tiere gegen die Anforderungen des Tierschutz- und/oder des Tiergesundheitsrechts verstoßen“ wird. Indizien seien vor allem fehlende Papiere. So müsse ein Welpe bei Herkunft aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat über einen EU-Heimtierausweis in Verbindung mit einer Kennzeichnung durch Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung verfügen. Zudem sei ein amtliches Gesundheitszertifikat aus dem Herkunftsland vorgeschrieben.

Die Dunkelziffer beim illegalen Welpenhandel sei hoch, so das Ministerium. Die Behörden erfahren in der Regel erst durch Straßenverkehrskontrollen der Polizei oder Hinweise aus der Bevölkerung von Fällen illegalen Welpenhandels.

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Im ersten Halbjahr schon 14 Tierschutz-Verstöße


Ein weiterer Fall von illegalem Welpenhandel flog im Juni 2018 in Blaufelden auf. In der Wohnung eines damals 29-Jährigen wurden fünf Hunde im Alter von sechs bis acht Wochen beschlagnahmt. Weder verfügten sie über EU-Hundepässe, noch waren sie gegen Tollwut geimpft.

Im Jahr 2018 wurde das Veterinäramt laut Auskunft der Kreisverwaltung bei 70 sowie im 1. Halbjahr 2019 bisher bei 37 Hundehaltungen eingeschaltet. Dabei seien im Jahr 2018 in 27 Hundehaltungen und im 1. Halbjahr 2019 in 14 Hundehaltungen tierschutzrechtliche Verstöße unterschiedlichen Grades festgestellt worden.