Weil der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China Millionen Tiere zum Opfer fallen, kauft das einwohnerreichste Land der Welt massiv Fleisch im Ausland ein. Davon profitieren auch viele Hohenloher Schweinefleischerzeuger. In den vergangenen Monaten sei der Preis pro Kilogramm von 1,35 Euro auf 1,85 Euro gestiegen, sagt Herbert Klein. Der Geschäftsführer der Unabhängigen Erzeugergemeinschaft für Qualitätsferkel Hohenlohe Franken (UEG) rechnet damit, dass der Preis bald die Zwei-Euro-Marke knackt.

Doch gleichzeitig sieht Herbert Klein Grund zur Sorge. Sollte die ASP in Hohenlohe ausbrechen, dürfte kaum noch jemand Schweinefleisch aus der Region kaufen wollen. Die Preise würden massiv einbrechen und zahlreichen Betrieben das Aus drohen. „Die Gefahr ist da. Ich halte es für möglich, dass die ASP die ganze Welt erreicht“, befürchtet Klein.

Nach wie vor grassiert die Afrikanische Schweinepest in Osteuropa, nahezu jede Woche werden neue Fälle bekannt. Seit die Tierseuche vor rund einem Jahr auch in Belgien auftrat, sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung eine weiter steigende Seuchengefahr für Deutschland.

Jäger müssen Wildschweine schießen

Experten warnen vor allem vor folgendem Szenario: Ein Fernfahrer aus Osteuropa wirft ein von einem infizierten Schwein stammendes Stück Fleisch oder Wurst unachtsam weg. Ein Wildschwein frisst das weggeworfene Stück, steckt andere Wildschweine mit ASP an. Durch einen unglücklichen Zufall greift die Seuche auf Hausschweinbestände über.

Dr. Werner Schreiber, Leiter des Veterinäramtes in Ilshofen, hofft darauf, dass der Rhein als natürliche Grenze infizierte belgische Wildschweine vom Einwandern nach Deutschland abhält. Sollte die ASP trotz allem im Landkreis Hall ausbrechen, sieht er die Region gut gerüstet, die Seuche frühestmöglich zu erkennen und einzudämmen. Dabei komme es ganz entscheidend auf die Jäger an. Sie sind dazu aufgerufen, von erlegten Tieren stichprobenartig Blutproben zu nehmen. 2018 seien 225 Proben und diese Jahr bereits 76 Proben an das Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach geschickt worden. Verpflichtend sei die Blutproben­entnahme bei tot aufgefundenen oder krank erlegten Wildschweinen. Zudem gelten für die Jäger bei der Entsorgung der Wildschweinkadaver Vorsichtsmaßnahmen. Die Kadaver müssen in eine von elf im Landkreis neu eingerichtete Verwahrstellen gebracht werden und dürfen nicht mehr wie früher in der zentralen Tierkörperbeseitigungsanlage in Sulzdorf entsorgt werden.

Gesundheit im Kreis Hall Weniger Kranke im 1. Halbjahr

Kreis Hall

Ist eine der Blutproben positiv auf den ASP-Virus, greift im Landkreis Hall ein Plan, mit dem die Seuche in Tschechien erfolgreich eingedämmt wurde. „In einem Drei-Kilometer-Radius rund um den infizierten Kadaver wird ein Elektrozaun aufgestellt, damit weitere mutmaßlich infizierte Wildschweine nicht flüchten können“, so Schreiber weiter. Damit die Tiere nicht aufgeschreckt werden und den Elektrozaun eventuell doch durchbrechen, sollen sie nicht geschossen, sondern mit Netzen eingefangen werden. Rund um die Drei-Kilometer-Zone werden ein „gefährdetes Gebiet“ mit Zehn-Kilometer-Radius und zusätzlich eine 15-Kilometer-Pufferzone ausgerufen, in denen die Wildschwein­population eingedämmt werden soll. In der Drei-Kilometer-Zone seien in Tschechien automatisch auch alle Hausschweine gekeult worden – unabhängig davon, ob bei ihnen auch die ASP nachgewiesen wurde, sagt Werner Schreiber. Ob man in Hohenlohe genauso resolut vorgehen werde, sei offen. Sollte tatsächlich ein Hausschwein-Bestand infiziert sein, sei das Vorgehen indes klar. Mitarbeiter der Firma Vetcon aus Dinklage (Niedersachsen) müssen binnen 24 Stunden vor Ort sein und im betroffenen Betrieb mit der Tötung der Hausschweine beginnen. Die Landkreise Hall, Hohenlohe, Main-Tauber, Ostalb, Heilbronn und Rems-Murr haben Vetcon als Dienstleister für den Fall der Fälle beauftragt.

In anderen Regionen Baden-Württembergs sei nach wie vor der Katastrophenschutz für die Tötung der infizierten Tiere zuständig. Dieser sei jedoch nach dem Wegfall der Wehrpflicht personell zu schlecht ausgestattet, um Szenarien wie einen ASP-Ausbruch gut bewältigen zu können, so Schreibers Einschätzung. Die Beauftragung von Vetcon sieht er als „All-inclusive-Paket zur ordnungsgemäßen Tötung“.

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