Bad Urach Vom Glück der Freundschaft

Region / Christina Hölz 22.09.2017

Wie heißt es doch so schön in der poetischen Zitate-Sammlung? „Musik und Liebe lassen sich nicht erklären. Sie treffen einen wortlos ins Herz.“ So gesehen dürfte klar sein, welche Akkorde die Herbstlichen Musiktage Bad Urach ab Samstag, 30. September, anschlagen: Renommierte Künstler und Rising Stars bejubeln beim Klassikfestival eine Woche lang das Thema „Liebe und Freundschaft.“ Mit dabei sind etwa die britischen A-capella-Hochkaräter The King’s Singers, der international gefragte Bariton Matthias Goerne und die bekannte Mezzosopranistin Michael Schuster.

Aber zurück zur Freundschaft. Bei der Vorstellung des Programms im Bad Uracher Kulturreferat verteilte der künstlerische Musikherbst-Leiter Florian Prey gleich die erste Umarmung. Sein Motto habe er unter anderem dem Förderverein der Musiktage gewidmet, verriet er. Denn die „Freunde“, wie sich die Festival-Förderer nennen, unterstützen den Konzertreigen seit exakt 20 Jahren. Dieses Jahr feiern sie ein kleines Jubiläum und freuen sich über neue Mitglieder, wie der Uracher Kulturreferent Thomas Braun berichtete.

Das ist die gute Nachricht fürs Festival. Eine weniger gute hielten Thomas Braun und Bürgermeister Elmar Rebmann ebenfalls bereit: Der Palmensaal im Uracher Residenzschloss wird wohl nicht vor dem Jahr 2023 wieder als (wichtigste) Spielstätte der Musiktage zur Verfügung stehen. Wie berichtet, muss das Land für die Sanierung rund 7,5 Millionen Euro aufbringen und stellt deshalb in Aussicht, frühestens im Doppelhaushalt 2020/21 tätig zu werden. „Wir hoffen, das klappt“, resümiert Elmar Rebmann.

Bis dahin muss das Festival „immer weniger improvisieren“ (Braun) – mit Bühnen zwischen Festhalle (auch dort wird saniert), Amanduskirche, Schlossmühle, Dürnitz, Hartenstein-Haus oder Künkele-Mühle.

Über das Programm, das sich vom 30. September bis zum 7. Oktober erstreckt, haben wir bereits ausführlich berichtet. Florian Prey bietet in Bad Urach wieder hochkarätige Gastsolisten auf, darunter etwa die in St. Johann gegründete „Gächinger Cantorey“, aber auch Wilhelm Schmid, einer der gegenwärtig wohl populärsten Philosophen.

Weil der Vorjahresauftakt mit dem Jazzchor Freiburg gut ankam, geht es heuer verswingt weiter. Das Münchner Orange String Quartett will das Publikum überraschen (Prey) und ist vielfältig unterwegs – Klassik bis  Hardrock zählen zum Repertoire.

Die 1954 von Helmuth Rilling im gleichnamigen Albdorf gegründete Gaechinger Cantorey gastiert mit dem neuen Pultchef Hans-Christoph Rademann beim Klassikherbst. Der Chor gibt ein Konzert zum Thema 500 Jahre Reformation (1. Oktober) mit Kirchenkantaten von Bach und Telemann.

Wieder wird es zwei Kammermusik-Matineen geben (1. und 3. Oktober), die eine mit Festivalchef Florian Prey (Bariton), die andere mit der in Urach bekannten Margarete Joswig (Mezzosopran), zudem angereichert durch Texte der Pianistin Hélène Grimaud und der Musikologin Eva Weisweiler. Prey selbst stellt in den „Parallelkonzerten“ die Dreiecksbeziehung zwischen Robert und Klara Schumann sowie Johannes Brahms in den Mittelpunkt und rezitiert Gedichte von Heinrich Heine. Zwischendrin ist erneut ein Klavierabend der „Jungen Überflieger“ angesetzt, und zwar mit dem niederländischen Gebrüder-Duo Lucas (21) und Arthur (24) Jussen (2. Oktober). Das Tandem spielt vierhändig, unter anderem „Night“: In diesem Stück verarbeitet der regimekritische türkische Pianist und Komponist Fazil Say eine „traumatische“ Nacht in der Geschichte seines Landes.

Es folgt der Münchner Rock- und Jazzchor VoicesInTime um Stefan Kalmer (3. Oktober). der als famoses A-cappella-Ensemble gefeiert wird.

Weltklasse-Bariton Matthias Goerne, unter anderem in Salzburg engagiert, interpretiert mit den Dresdner Kapellsolisten Werke von Telemann und Haydn, außerdem Schubert-Lieder, die der Pianist und Hochschullehrer Alexander Schmalcz für Orchester arrangiert hat (4. Oktober). Die in Urach bereits bekannten Puppet Players München (5. Oktober) zeigen „Die Arche Noah“. Und abends swingt das Max Geller Quintett zum Thema „Opera in Jazz“ in der Künkele-Mühle.

Schließlich die King’s Singers, Superstars von der Insel: Sie präsentieren ein A-cappella-Programm aus Barock, Romantik und Gegenwart, darunter auch Evergreens wie Harold Arlens „I’ve got the world on a string“ (6. Oktober). Den Meisterkurs leitet die Mezzosopranistin Michaela Schuster.

Als Musikherbst-Finale (7. Oktober) ist Rossinis „Petite Messe Solennelle“ geplant, in der Fassung für Soli, Chor, zwei Klaviere und Harmonium. Zwischen den Sätzen sind zeitgenössische musikalische Intermezzi der Uracher Komponistin Mari Vihmand zu hören. Die Lokalmatadorin, vor Jahren bereits mit einer Beethoven-Hommage beim Festival, verspricht eine ungewöhnliche Kombination aus experimentiellen Klanginstallationen und Belcanto: In der Amanduskirche werden unter anderem Glöckchen, Flöte und Marimbaphon erklingen, auch dezente Soli fürs Schlagzeug sind geplant. Sie habe Rossinis Motive weiter entwickelt, allerdings nicht aufdringlich, erzählt die gebürtige Estin. „Rossinis Musik ist so intensiv, das spritzt und sprudelt.“

Info Die Herbstlichen Musiktage starten am Samstag, 30. September, 20 Uhr, in der Bad Uracher Festhalle. Karten und weitere Informationen gibt es beim städtischen Kulturreferat Bad Urach. Telefon: (07125) 156-571.

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