Dettingen / Christina Hölz

Alle reden vom Bienensterben. Klar denken wir da an Dünger, Pestizide und das Verschwinden der Blumenwiesen. Und gerade ein leidenschaftlicher Imker wie Paul Eberle hat so ziemlich alle Gefahren im Blick, die seine Bienenvölker bedrohen. „Das alles ist schon schlimm genug“, sagt der Dettinger. Doch dieser Tage stand der 65-Jährige komplett fassungslos vor seiner Anlage hoch über der Ermsgemeinde – und das nicht der Umweltsünden wegen: Tausende toter Insekten hat Paul Eberle in seinem Stand  vorgefunden. Ganze Bienenvölker brutal ausgerottet und erschlagen.

Um die Insekten herum bot sich dem Vorsitzenden des Bezirksimkervereins Metzingen ein Bild des Grauens. Vandalen hatten die Bienenkästen mit langen Stützen umgestoßen und die einzelnen Zargen (die Bienenwohnungen) auf den Kopf gestellt und mit Steinen beworfen. Futterwaben lagen im Umkreis von hundert Meter verstreut auf der Wiese. Teils hatten die Unbekannten sie auch in der Wasserstelle für die Bienen versenkt.

Ja, sogar die auf der Wintertraube sitzenden Tiere sind von den Randalierern mit großen Betonstücken regelrecht zerquetscht worden. „Das Wort Bienensterben hat für mich jetzt eine ganze andere Dimension“, beklagt Paul Eberle, wütend und geschockt zugleich. „Manche Zeitgenossen können wohl kaum erwarten, bis es soweit kommt.

Der Dettinger weiß, wovon er spricht. Allein 80 000 Bienen sind bei diesem jüngsten „Feldzug“ im Gewann Gfäll/Burg ums Leben gekommen, schätzt er. Doch damit nicht genug. In den vergangenen drei Jahren haben Unbekannte immer wieder in den Bienenstöcken von Paul Eberle gewütet. Rund 400 000 seiner rührigen Honigproduzenten sind so gestorben. Und oft wendeten die Täter brachiale Gewalt an. Unlängst zündeten sie einen Brandsatz mitten im Bienenstock. „Da wurden die Insekten regelrecht gegrillt.“

Grausamer geht’s kaum. Von Eberles Schaden ganz zu schweigen. Sterben die Bienenköniginnen, sieht’s schlecht aus mit dem Nachwuchs für Maja und ihre Geschwister. Und Bienenvölker lassen sich nicht mal eben im Internet bestellen („da gibt’s höchstens die aus Japan“), der Imker muss sie neu züchten.

Das hat Paul Eberle in den vergangenen Jahren immer wieder getan. Jetzt seine Geduld ist am Ende. Der Dettinger hat Anzeige bei der Polizei in Metzingen erstattet. Und er setzt 300 Euro Belohnung aus, sollte jemand Hinweise liefern, die zum Dettinger „Bienenmörder“ führen.

Denn was genau passiert ist im Gfällweg über Dettingen, das wüsste der Chef der Bezirksimker nur zu gerne. Zumal Paul Eberle in seinem Ehrenamt auch als Gutachter unterwegs ist. Er inspiziert Schäden in den Bienenstöcken im Ermstal. „Diebstahl haben wir ja immer wieder“, sagt er. „Aber nicht diese brutale Art der Sachbeschädigung.“

Für die allerdings derzeit jegliche Zeugen fehlen. Spaziergänger, die zufällig an der Anlage vorbeikamen, hatten die Familie Eberle an besagtem Tag Ende Januar über den Zustand der Bienenstöcke informiert. Die Passanten fanden lediglich die zerstörte Anlage vor. Von den Tätern bislang keine Spur. „Wir haben keine Ahnung, wer so etwas anstellt. Vielleicht sind’s Jugendliche, die sich mit einer Mutprobe etwas beweisen wollen.“ Oder einfach mutwillige Zerstörer?

Wie dem auch sei, der Imker hat viel Arbeit, bis in seinen Bienenstöcken wieder alles so ist, wie es sein soll. Bis dahin hofft er, dass die Polizei die Täter schnappt. Und dass der Bienenmörder endlich aufgibt.

Imker auf dem Vormarsch

Rettet die Bienen: Die Angst vor dem Bienensterben hat viele Menschen alarmiert. Der Bezirksimkerverein Metzingen, dessen Vorsitzender Paul Eberle ist, verzeichnete in den vergangenen Jahren einen enormen Mitgliederzuwachs. Auch viele Städter entdecken das Imkern, und Hobbygärtner säen bienenfreundliche Blumenmischungen.

Verstärkung kommt jetzt aus Bayern: Dort haben weit mehr als eine Millionen Bürger das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterstützt, das sich für mehr Artenschutz stark macht.

Wer im Fall des Dettinger Bienensterbens und der Sachbeschädigung im Gfällweg mit Hinweisen dienen kann, der melde sich bei der Polizei.