Die meisten Menschen kennen wohl die Siegel FSC und PEFC. Sie tauchen auf Möbeln, Holzwerkstoffen, Papier und Kartons auf, eben auf allem, was aus Holz hergestellt wird. Beide stehen für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes – umweltgerecht, sozial verträglich und ökonomisch (siehe Infokasten). Der Staatswald im Alb-Donau-Kreis und in der Stadt Ulm ist nun für beide Siegel rezertifiziert worden: Das heißt, sie dürfen auch in Zukunft ihr Holz als FSC- und PEFC-Holz verkaufen. Zwei Gutachter waren laut einer Mitteilung Anfang Dezember zu einem Audit im Staatswald, der im Alb-Donau-Kreis 14 000 Hektar, auf dem Gebiet der Stadt Ulm 1300 Hektar groß ist.

Die Prüfung umfasst zum einen die Kontrolle der Betriebsunterlagen, wie Karten und Wirtschaftsplänen. Dabei geht es beispielsweise darum, ob die Holzernte pfleglich vonstatten geht, welches Saatgut eingesetzt wird und ob Totholz-Programme umgesetzt werden, denn solche sind wichtig für die Artenvielfalt. Die Gutachter waren auch draußen im Wald, um stichprobenartig verschiedene Bestände anzuschauen. Einziger Kritikpunkt: Zum Teil stießen sie auf einen zu hohen Verbiss junger Bäume durch Rehe. „Dann kann sich der Wald nicht mehr natürlich verjüngen oder es entsteht nicht der gewünschte Mischwald“, erklärt Jan Duvenhorst, stellvertretender Leiter des Fachdiensts Forst und Naturschutz. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass in solchen Gebieten mehr Rehe geschossen werden müssen. Insgesamt aber lobten die Prüfer „die vorbildliche Bewirtschaftung des Waldes“.

Jan Duvenhorst freut sich natürlich riesig über die Rezertifizierung, die mit einigem Aufwand verbunden ist. Beide Siegel, FSC und PEFC, schlagen sich beim Verkauf des Holzes preislich „leider“ nicht nieder, wie der Fachmann sagt. Allerdings eröffneten sie deutlich bessere Vermarktungsmöglichkeiten. „Es gibt viele Kunden, die nur Holz mit dem FSC-Siegel kaufen.“

In Wäldern, die so bewirtschaftet werden, dürfen keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Die Ausnahme bildet der Befall mit Borkenkäfern. Gegen diese darf in Ausnahmefällen und mit behördlicher Genehmigung Chemie gespritzt werden – nur zu einer bestimmten Zeit und nur auf gefälltes Holz, das bereits außerhalb des Waldes lagert. „Dieses Jahr mussten wir das machen, denn der Befall war wegen der Trockenheit extrem“, sagt Duven­horst. Käferholz ist qualitativ übrigens nicht schlechter als gesundes. Da der Borkenkäfer sich unter der Baumrinde durchfrisst, verfärbt sich das Holz zwar, die Festigkeit aber leidet nicht. „Man kann es halt nicht im sichtbaren Bereich einsetzen“, sagt Duvenhorst. Und: Es gibt natürlich weniger Geld.

Zwei Siegel, ähnliche Zielsetzung


Zertifikate PEFC ist das ältere der beiden Siegel und steht für „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“. PEFC ist laut eigener Homepage (www.pefc.de) „ein transparentes und unabhängiges System zur Sicherstellung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und damit ein weltweiter Wald-TÜV.“ Die gesamte Produktherstellung vom Rohstoff bis zum Endprodukt sei damit zertifiziert.
FSC steht für „Forest Stewardship Council“ und wurde 1993 als gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation als ein Ergebnis der Konferenz „Umwelt und Entwicklung“ in Rio de Janeiro gegründet. Ziel ist laut eigener Homepage (www.fsc-deutschland.de) eine „umweltfreundliche, sozialförderliche und ökonomisch tragfähige Bewirtschaftung von Wäldern“.