Bis heute ist der "Palmesel" in hiesigen Gefilden die Person, die am Morgen des Palmsonntags als letzte aus dem Bett gekrochen kommt. Und bis heute ärgert sich derjenige, der den ganzen Tag den Spruch zu hören bekommt.

Aus kirchlicher Sicht ist der Palmsonntag der letzte Sonntag vor Ostern und Beginn der Karwoche: Er erinnert an den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem. Er ritt auf einem Esel in die Heilige Stadt, und das Volk streute zum Zeichen seines Königtums Palmzweige auf den Weg und jubelte.

Seit dem 10. Jahrhundert ritten vielerorts die Dorfpfarrer auf Eseln den Palmprozessionen voran. Weil Esel von Natur aus manchmal störrisch sind, kamen die Prozessionen des öfteren zum Stehen. Das wurde den Teilnehmern irgendwann zu blöd: Sie ersetzten den echten Esel durch einen aus Holz, auf denen eine Christusfigur saß. Im Ulmer Museum gibt es übrigens eine solche Holzskulptur: den Ulmer Palmesel. Das ungebührliche Verhalten des Esels während der Prozessionen blieb allerdings Erinnerung . . . Und ungebührlich scheint es zu sein, wenn man nicht rechtzeitig aus dem Bett kommt. Zumindest ist das eine Erklärung, warum der Spätaufsteher der "Palmesel" ist.

Die Bräuche und Sitten, die sich für Palmsonntag entwickelt haben, sind vielfältig und manchmal durchaus skurril: Im Internet findet sich dazu einiges, was natürlich nicht immer auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüft werden kann. Da ist das "Wörterbuch der deutschen Volkskunde" eine verlässlichere Quelle. Darin wird von einer bayerischen Sitte berichtet, am Palmsonntag mit neuen Kleidern in die Kirche zu kommen. Wer das nicht tat, der bekam als Zeichen des Ausgestoßenseins mit Kreide eine Esel-Zeichen auf den Rücken gemalt. Damit musste der arme Mensch dann den ganzen Tag rumlaufen. Da der Palmsonntag noch in der Fastenzeit liegt, darf ein besonderes Essen für den Tag nicht fehlen: Bei uns in Schwaben, aber auch in Franken, ist das die Palmbrezel. Sie ist größer als die normale Brezel und wird aus einem leicht süßen Hefeteig hergestellt. Schließlich will man auch in der fleischlosen Fastenzeit etwa halbwegs Nahrhaftes zwischen die Zähne bekommen.

Die Palmbrezel ist Namensgeber für den "Brezgenmarkt", der am Sonntag im Hungerbrunnental stattfindet. In dem Tal zwischen Heuchlingen, Heldenfingen und Altheim/Alb findet der Markt bereits seit 1533 statt. Das ist durch Ulmer Ratsprotokolle belegt. Hier feierten die - vor allem jungen Leute - zum Beginn des Frühjahrs einen Festtag mit Markt und Tanz, der auch als Heiratsmarkt genutzt wurde. Morgen bieten die Händler an etwa 150 Verkaufsständen zwischen 10 und 18 Uhr allerlei Waren an - natürlich auch Palmbrezeln in verschiedenen Größen.

Die Zufahrt ins Tal ist für Autos gesperrt. Das heißt: Die Besucher müssen zu fuß gehen. Leider sind die Wetteraussichten dafür nicht allzu prächtig: "Ausgesprochen wechselhaftes Westwindwetter" erwartet uns, laut Wetterwarte Süd. Wie schlimm es wird, lasse sich angesichts dieser Wetterlage noch nicht einmal genau vorhersagen.

Eine Bauernregel für Sonntag heißt: "Ist der Palmsonntag ein heiterer Tag, für den Sommer ein gutes Zeichen sein mag." O weh! Danach sieht es nun leider nicht aus. Angesichts dieser Aussichten, bleibt man am Sonntag vielleicht doch lieber länger im warmen Bett. Da stört es auch nicht, der "Palmesel" zu sein.