Nur Spießer fahren mit dem Wohnmobil in den Urlaub? Ein Vorurteil, und außerdem eines von gestern. Denn: Urlaub auf Rädern ist Trend. Das belegen allein die Zulassungszahlen: Rund 47.000 Reisemobile wurden 2018 in Deutschland nach Angaben des Caravaning Industrie-Verbands neu zugelassen – das sind 15,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch in der Region ist dieser Trend zu spüren – und die rüstet ihre Stellplätze für Touristen auf.

„Hinter dem Wohnmobil-Trend steckt der Wunsch, ungezwungene Ferientage zu verbringen“, sagt Roswitha Guggemos, im Landratsamt Alb-Donau für Tourismus zuständig. Die Menschen möchten kurzfristig in den Urlaub fahren und hätten nicht immer ein festes Ziel. Wenn ein Ort nicht gefällt, fährt man eben in den nächsten. Eine Rolle spielt auch die immer bessere Ausstattung der Wohnmobile, die Guggemos als „teilweise sensationell“ bezeichnet. Die Region sieht Guggemos gut aufgestellt mit Camping- und Wohnmobilstellplätzen. „Die Stellplätze erfreuen sich großer Beliebtheit und sind teilweise sehr gut ausgelastet“, sagt sie.

Einen großen Sprung in den Belegungszahlen konnte der Stellplatz in Blaubeuren in der vergangenen Saison verzeichnen: 1600 Mal übernachteten dort Reisende in ihrem Wohnmobil von Juli bis Dezember – zuvor waren es rund 1500 Belegungen im ganzen Jahr, sagt Bernhard Rieger vom Tourismusmarketing.

Ausstattung ist wichtig

Der Grund: Blaubeuren hat 2018 einen hohen fünfstelligen Betrag in die Sanierung gesteckt: Nun gibt es zum Beispiel einen Ticket­automaten, eine bessere Abwasserentsorgungsstation, Stromanschlüsse für die 16 Stellplätze, ein Gebäude mit Müllentsorgung und eine Stele mit den wichtigsten Infos zu Blaubeuren. Kostenloses Wlan soll bald in Betrieb gehen. Die Gebühr pro Tag beträgt nun zehn Euro. Die Investition in die Ausstattung scheint sich zu lohnen: „Wir bekommen eine gute Resonanz“, sagt Rieger.

Eine professionelle Ausstattung der Plätze muss gegeben sein, betont auch Roswitha Guggemos vom Landratsamt. Aber auch die zentrale Lage sei oft wichtig: Der Platz in Blaubeuren liege zum Beispiel in der Nähe zum Blautopf, der Weg in die Stadt, etwa zum Abendessen, ist kurz. Auch eine gute Verkehrsanbindung von Camping- oder Wohnmobilstellplätzen ist laut Guggemos von Vorteil: Diese können als Zwischenstopp bei der Reise in den Süden genutzt werden, wie etwa die in Westerheim, Langenau oder Illertissen.

Stellplätze aufwerten

Die Stellplätze in Blaustein am Bad Blau sind zwar zentral gelegen, doch noch nicht gut ausgestattet. Das Wohnmobil abzustellen ist kostenlos, doch stehen die Fahrzeuge auf einem Schotterparkplatz, ohne Strom- und Wasserversorgung oder Wlan. Das soll sich ändern: Die Stadt Blaustein will mit Fördergeldern des Landes die Flächen rund um das Lix-Stadion aufwerten und sich um die Stellplätze kümmern.

Konkrete Planungen werden im Laufe diesen Jahres erstellt, sagt Stadtbaumeisterin Sandra Pianezzola. In der Überlegung sind mindestens zehn Plätze mit Ver- und Entsorgungsstationen. Dann jedoch werden auch Gebühren erhoben, sagt Jürgen Stübler, Geschäftsführer des Bad Blau. Er rechnet mit fünf bis zehn Euro pro Tag. Auch Stübler hat beobachtet, dass immer mehr Wohnmobile Halt in Blaustein machen. „Das nimmt von Jahr zu Jahr zu.“

Einige neue Stellplätze entstehen im Weißenhorner Stadtteil Grafertshofen. Der große Parkplatz an der Memminger Straße wird gerade saniert, in diesem Zuge wird auch Infrastruktur für vier Wohnmobilstellplätze geschaffen. Bis Ende Januar soll der Platz fertig sein, sagt Thomas Pieper vom Bauamt der Stadt. Gebühren werden nicht erhoben, Strom und Wasser sollen stattdessen per Münzzahlung freigeschaltet werden können. Um die Pflege kümmert sich die Stadt.

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Renaissance des Campens


Glamping Die Devise „möglichst billig Urlaub machen“ gilt beim Camping nicht mehr, sagt Roswitha Guggemos vom Landratsamt Alb-Donau. Innovationen zögen neue Gästegruppen an. Stichwort: Glamping – ein Mischwort aus Glamour und Camping. Dazu zählen etwa Mobilheime, Blockhütten, Lodges oder Fässer zum Übernachten. Solche gibt es auch auf den Plätzen Heidehof bei Machtolsheim und Alb-Camping bei Westerheim.

Wirtschaft Camping habe eine wirtschaftliche Relevanz in der Region, sagt Guggemos, auch wenn keine konkreten Zahlen vorlägen. Von campenden Touristen profitieren auch Gastronomie und Einzelhandel vor Ort.