Noch gibt es in Deutschland keinen Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP). Dennoch werden im Alb-Donau-Kreis Verwahrstellen für Schwarzwild eingerichtet. Jäger sollen die Schwarten und das Gedärm von erlegten Wildschweinen nicht mehr im Wald liegen lassen, sondern an einer der künftig sechs Stellen abgeben, dort eine Probe nehmen und diese zur Untersuchung einschicken. Für Dr. Hans-Joachim Butscher, den Leiter des Fachdienstes Verbraucherschutz, Veterinärangelegenheiten im Landratsamt, haben die Verwahrstellen einen doppelten Effekt: Sie dienen der Hygiene im Wald und lassen eine mögliche Erkrankung eines getöteten Tieres rasch erkennen. „Eine Präventionsmaßnahme“, sagt Bernd Weltin, der Sprecher des Landratsamts. Aber auch eine Vorbereitung auf den Ernstfall.

Auf dem Gelände des Bauhofs der Stadt Langenau ging die erste Verwahrstelle in Betrieb, die zweite steht seit 5. November im Hof der Straßenmeisterei in Merklingen zur Verfügung. Ein Provisorium, das aber seinen Zweck erfülle, sagt Butscher. In einer Kühlzelle stehen zwei 240-Liter-Tonnen für die Wildabfälle, nebenan eine Stahl-Truhe für Fallwild, also Tiere, die tot aufgefunden wurden, etwa an Straßen. Eine kleinere Truhe enthält Desinfektionsmittel, Beprobungsmaterialien und eine Liste, in die sich jeder Jäger, der etwas abgegeben hat, eintragen muss. Bis Dienstag waren es zwölf Einträge, teils mit Abfällen von mehreren Tieren.

„Die Betreuung der Verwahrstelle ist das A und O“, sagt Bernd Weltin. In Merklingen hat das ein Hobby-Jäger übernommen, der bei der Straßenmeisterei beschäftigt ist. Er kümmert sich um den ordnungsgemäßen Zustand der Anlage und verständigt bei Bedarf die Tierkörperbeseitigungsanstalt zur Abholung.

Fertiggarage mit Kühlzelle

Im Lauf des kommendes Jahrs sollen alle sechs Verwahrstellen im Alb-Donau-Kreis in Betrieb gehen. Neben Langenau und Merklingen sind Standorte in Dietenheim, Ehingen, Schelklingen-Justingen und Westerstetten vorgesehen. In ihrer endgültigen Form sollen sie jeweils aus einer Fertiggarage bestehen, mit Kühlzelle, Edelstahltruhe und Handwaschbecken. Hans-Joachim Butscher rechnet mit Kosten von 35.000 bis 45.000 Euro pro Standort. Einen Zuschuss von jeweils 20.000 Euro gibt es vom Land Baden-Württemberg, von dem auch die Aufforderung kam, Verwahrstellen einzurichten. Anzahl und Standorte wurden vom Alb-Donau-Kreis selbst festgelegt. Butscher hält die Präventionsmaßnahmen nicht für übertrieben. Denn die Ansteckung von Wildschweinen, etwa durch weggeworfene Lebensmittel aus dem Ausland, sei durchaus möglich. Verseuchte Fleischwaren wie Salami oder Schinken können bis zu sechs Monate ansteckungsfähig bleiben. Im Falle eines Ausbruchs der Seuche würde niemand mehr Nutzschweine aus der betroffenen Region kaufen, Sperrbezirke wären nötig.

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Risiko wird als sehr hoch eingeschätzt


Krankheit Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit hält das Risiko einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland weiterhin für sehr hoch. Der Erreger gelangt über das Maul oder die Nase in den Rachenraum des Tieres, nach ein bis drei Tagen gelangt das Virus in den Blutkreislauf und befällt dann die Organe des Schweines. Die Erkrankung ist fast immer tödlich.