Die Aussegnungshalle in Berghülen war die größte Überraschung für die Jury. „Sie ist so ganz ungewöhnlich. Ein sakraler Raum, lichtdurchflutet, passt perfekt zu seiner Nutzung.“ Das sagte Thomas Herrmann, freier Architekt aus Stuttgart und Vorsitzender der Jury  „Beispielhaftes Bauen Alb-Donau-Kreis und Stadt Ulm 2013 bis 2019“. Er stellte am Montag gemeinsam mit Carmen Mundorff, Architektin und Pressesprecherin der Architektenkammer Baden-Württemberg, sowie Landrat Heiner Scheffold  die 21 Preisträger des Auszeichungsverfahrens vor. 98 Projekte waren dafür eingereicht worden.

Dass von 21 Preisträgern  – alle sind gleichwertig – lediglich fünf im Alb-Donau-Kreis sind, 16 in der Stadt Ulm, nahm Schirmherr Scheffold „sportlich“. „Das kann ja durchaus ein Ansporn sein.“ Carmen Mundorff wies darauf hin, dass in Ulm in den vergangenen Jahren extrem viel und extrem gut gebaut worden sei, darunter viele Vorhaben, für die Wettbewerbe ausgeschrieben waren. Das schlage sich nieder.

Architektur Architekturpreise für Gebäude in Ulm und im Alb-Donau-Kreis

Die Architektenkammer veranstaltet das Auszeichungsverfahren „Beispielhaftes Bauen“ seit 1985 und inzwischen zum siebten Mal. Damit wolle man das Bewusstsein für die Baukultur im Alltag schärfen, sagte Mundorff. Man wolle damit ebenso Diskussionen anstoßen, neue Sicht- und Denkweisen eröffnen, sei es beim Bauen im Bestand, bei Sanierungen oder Neubauten.  „Nicht zuletzt sollen die ausgezeichneten Projekte Beispiele sein für Architekten und Bauherren.“

Die Kriterien für die Auszeichnung

Entsprechend breit sei das Spektrum der Arbeiten, sie reichen von Wohn- und Geschäftshäusern über Industrie- und öffentliche Gebäude bis hin zum Stadtgarten (siehe Infokasten). Kriterien der Jury waren unter anderem die Gestaltung des Baukörpers, aber auch die Zweckmäßigkeit, ob sich das Gebäude in den städtebaulichen Kontext einfügt und ob Mittel und Material in einem angemessenen Verhältnis stehen. „Beispielhaft ist nicht immer spektakulär“, fügte der Jury-Vorsitzende Herrmann hinzu. Es gehe nicht darum, teuer und aufwendig zu bauen.  Er nannte als Beispiel den prämierten Wohnblock der Ulmer Heimstätte in der Weststadt: „Da wurden mit einfachen Mitteln bezahlbare Wohnungen geschaffen, die sich in die bestehenden Mehrfamilienhäuser aus den 1950er Jahren einpassen.“  Das Haus habe tolle Lichthöfe und  biete eine „enorme räumliche Vielfalt“.

Es gehe letztlich um Engagement und Kreativität, sagte Landrat Scheffold.  Mit guter Architektur und Stadtplanung könne man wichtige Impulse setzen, um eine lebenswertere Umgebung zu schaffen. Er nahm auch Herrmanns Hinweis auf, dass die Außengestaltung immens wichtig sei, gerade auch bei Nachverdichtungen: „Sonst entsteht schnell ein Gefühl der Enge“, sagte der Architekt.  Das werde sich  der Alb-Donau-Kreis auch beim Erweiterungsbau des Landratsamts in der Schillerstraße zu Herzen nehmen, berichtete Scheffold: Ökologisch wenig sinnvolle Thuja-Hecken und Gabionenwände werde es dort nicht geben. Vielmehr soll der Außenbereich so gestaltet werden, dass sich die Besucher der Behörde vielleicht sogar für den heimischen Garten inspirieren lassen.

Die 21 Preisträger werden am 22. Januar 2020 im Landratsamt ausgezeichnet. Zudem werden ihre Projekte in einer Wanderausstellung vorgestellt. Bereits am Samstag, 29. Juni, am Tag der Architektur, gibt es eine Führung der Architektenkammer zu drei der preisgekrönten Objekte: Treffpunkt ist um 11 Uhr am Stadthaus.

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Vom Wohnhaus über den Stadtgarten bis zur Technikzentrale


Prämiert: Die Preisträger der Architektenkammer Baden-Württemberg für beispielhaftes Bauen von 2013 bis 2019  sind:
Neubau der Bürgerdienste der Stadt Ulm ( Bez & Kock Architekten, Stuttgart), Wohnanlage im Böfinger Weg (Glöckler & Frei, Ehingen), Neubau Gemeinschaftsschule Blaubeuren (Dohle & Lohse Architekten, Braunschweig),  Neubau Verwaltungs­gebäude Sparkasse Ulm (Lederer Ragnarsdóttir Oei GmbH, Stuttgart), Sanierung der HfG Ulm (Hochstrasser Architekten, Ulm), Neubau Produktionshalle Holzbau Müller Blaustein (Rapp Architekten, Ulm),  Sporthalle Kepler- und Humboldt-Gymnaisum (h4a Gessert & Randecker Architekten, Stuttgart), Mehrfamilienhaus Nüblingweg Ulm (Rapp Architekten, Ulm),  Stadtgarten „Auf dem Graben“ (Silands, Gresz & Kaiser Landschaftsarchitekten, Ulm), Wohnen am Michelsberg (Architekten BDA Mühlich, Fink und Partner), Stadtteilmitte Weststadt Ulm (Faktorgruen Landschaftsarchitekten, Stuttgart), Wohn- und Geschäftshaus Karpfengasse Ulm (Hochstrasser Architekten), Umbau Aussegnungshalle Berghülen (Ott Architekten, Laichingen), Sanierung Oberschaffnei Ehingen (Stemshorn Architekten, Ulm), Neubau Wohnhaus mit Galerie Fischerviertel (Hartl, Ulm und Bottega & Erhardt Architekten, Stuttgart),  Führungs- und Lagezentrum Neuer Bau, Ulm (Hochstrasser Architekten), Neubau Bürogebäude Laichingen (Ott Architekten, Laichingen), Neubau Gemeindehaus der Christusgemeinde Söflingen (Braunger Wörtz Architekten), Neubau Wohnanlage Griesgasse, Ulm (Braunger Wörtz Architekten), fünf Kettenhäuser im Erika-Schmid-Weg, Ulm (Willibald Winkler, Blaustein), Technikzentrale Blockheizkraftwerk Jungingen  (Architektur Städtebau).