Paris / Dominik Guggemos  Uhr
FIFA-Präsident Gianni Infantino wurde mit klarer Mehrheit wiedergewählt. Ein Skandal ist, dass der DFB ihn bei der Wahl unterstützt hat.

Trotz aller Skandale um seine Person wurde Gianni Infantino am Dienstag als Fifa-Präsident wiedergewählt. Das ist keine Überraschung. Auch wenn seine Pläne für eine Weltmeisterschaft mit 48 Teams gescheitert sind – der Rubel rollt bei der Fifa und einer Mehrheit der Verbände ist das genug. Über Infantinos oft grenzwertigen, zum Teil nicht hinnehmbaren Machenschaften wird ein Mantel des Schweigens gehüllt.

Infantino ist ein Feind des Fußballs – und der DFB verhilft ihm zur Wiederwahl

Viele Fußball-Fans werden die Wiederwahl des Fifa-Präsidenten mit einem Schulterzucken hinnehmen. Sie sind Kummer gewohnt. Aber dass der DFB, von Skandalen erschüttert, glaubt, es sich erlauben zu können, Infantino seine Stimme zu geben, ist traurig und schockierend zugleich. Traurig, weil die Funktionäre glauben, dass sie die Fans bereits so zynisch gemacht haben, dass sie ohne Shitstorm damit durchkommen. Schockierend, weil sie mit ihrer Kalkulation Recht behalten können.

Die Fußball-WM der Frauen ist in vollem Gange. Hier findest du alle wichtigen Infos und den Spielplan des Turniers in Frankreich zum Ausdrucken.

Der DFB kann die Korruption innerhalb der Fifa nicht alleine beenden – aber er darf sie nicht unterstützen

Infantino war bereit, die Fifa zu entkernen und viele wertvolle Rechte an eine private Firma zu verkaufen, an der ein Staatsfond aus Saudi Arabien und er selbst beteiligt gewesen wäre. Auch dank seiner Schützenhilfe wurde Katar die WM 2022 noch nicht entzogen. Er hilft Manchester City und Paris St. Germain dabei, das Financial Fair Play zu umgehen. Vielleicht am schlimmsten: Infantino entledigt sich innerhalb der Fifa Schritt für Schritt den eh schon zu lockeren Kontrollmechanismen gegen Korruption. Alles nachzuhören und nachzulesen in den Football Leaks von Der Spiegel und dem NDR.

DFB-Interimspräsident Rainer Koch will ein kritischer Begleiter sein

Der DFB weiß von all dem. Es stört ihn nur nicht. Stattdessen faselt Interimspräsident Rainer Koch: „Unser Weg ist, dass wir nicht zu allem ja sagen und alles abnicken. Wir wollen ein kritischer Begleiter sein.“ Ein kritischer Begleiter zu sein reicht nicht, wenn man den Begleiteten trotz unzähliger Argumente, die ihn unmöglich machen, wiederwählt. Seit der Videobeweis eingeführt wurde hört man an jedem Wochenende in den Stadien den Fan-Gesang: „Fußball-Mafia DFB.“ Das ist oft polemisch und wird vor allem dann gesungen, wenn die Fans glauben, dass ihrem Verein ein Elfmeter verweigert oder ein unberechtigter Elfmeter gegen sie gegeben wurde. Angesichts der Wiederwahl von Infantino kann man den Satz aber auch mal ohne Polemik vortragen.

Das könnte dich auch interessieren:

Ein Wanderer entdeckt im Göppinger Oberholz ein wolfsähnliches Tier. Experten des Nabu und der forstlichen Forschungsanstalt in Freiburg werten das Foto aus. Am Ende ist klar: Es ist kein Wolf, sondern ein Hund.

Die geplante Kreisfreiheit der Stadt Neu-Ulm ist Geschichte. Das Bayerische Innenministerium hat den Nuxit der Großen Kreisstadt abgelehnt.