Schwanger - und dann?: Profi-Fußballerinnen: Baby-Freude mit Nachwehen

Seit Oktober Mutter: Nationalspielerin Melanie Leupolz.
EibnerNach ihrer Babypause und der Rückkehr auf den Platz hat Fußball-Nationalspielerin Melanie Leupolz, 28, die Teilnahme an der WM in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) in den Blick genommen. Das Turnier werde „sicher ein Thema werden, dafür will ich mich bei Chelsea bestmöglich präsentieren und mich wieder empfehlen“, sagte die Mittelfeldspielerin aus Oberschwaben. „Oberste Priorität hat bei mir derzeit, möglichst viel Einsatzzeit bei Chelsea zu bekommen und wieder in absolute Topform zu kommen.“ Im März 2022 hatte Leupolz ihre Schwangerschaft verkündet, wegen der sie auch die EM im Sommer in ihrer Wahlheimat England verpasste. Im Oktober kam ihr erstes Kind auf die Welt. Zuletzt hatte die 75-malige Nationalspielerin im November 2021 im DFB-Trikot auf dem Platz gestanden.
Die Baby-Freude ist groß. Die Ungewissheit bei Fußballerinnen oft aber auch. Viele Fragen begleiten die werdenden Mütter, die ihre Familienplanung nicht erst nach der Karriere vorantreiben wollen. Wie reagiert der Verein? Welche Konsequenzen hat die Elternzeit für die sportliche Zukunft? Klappt es danach mit der Rückkehr in den Sport?
Fall in Lyon macht Aufsehen
Nationaltorhüterin Almuth Schult hat das alles schon einmal durchgemacht. Im Jahr 2020 legte sie wegen der Geburt ihrer Zwillinge eine Babypause ein, heute ist sie erneut schwanger. Wie es danach mit ihrer sportlichen Karriere weitergeht? Das ist für die 32-Jährige unklar, zumal sie aktuell keinen Verein hat. Schult ist im Fußball kein Einzelfall mehr. Immer häufiger bekommen Spielerinnen während ihrer aktiven Karriere ein Kind – sie kämpfen auch um Rechte, die ihnen eigentlich schon zustehen. Im Januar sorgte etwa eine Entscheidung des Fifa-Tribunals für Aufsehen, wonach Olympique Lyon mehr als 80 000 Euro an seine Ex-Spielerin Sara Björk Gunnarsdóttir nachzahlen musste. Der Verein hatte der isländischen Nationalspielerin nach Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft den Lohn teils nicht mehr überwiesen. Zu Unrecht, entschied der Weltverband Fifa.
Gunnarsdóttir bezeichnete das Urteil als „Weckruf“ für alle Vereine und eine Botschaft an alle Spielerinnen. Sie hätten „Rechte und Garantien, wenn sie schwanger sind oder schwanger werden wollen während ihrer Karriere“. Die deutsche Nationalspielerin Alexandra Popp sprach ihre Unterstützung für die ehemalige Teamkollegin beim VfL Wolfsburg aus: „Das hat nichts mehr mit einer gewissen Menschlichkeit zu tun. Da geht’s dann einfach am Ende nur noch um Business und das ist aus meiner Sicht ganz verkehrt.“
Guter Schutz in Deutschland
Von den neuen Regeln profitierten aber vorwiegend Spielerinnen, die in Ländern mit geringen Schutzstandards arbeiten, sagt Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV. „In Deutschland gibt es glücklicherweise schon sehr weitgehende gesetzliche Regelungen zum Mutterschutz.“ Während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt steht Frauen in Deutschland grundsätzlich ein Schutz vor Kündigung und meistens auch vor einer Minderung ihres Gehalts zu, erklärt Martin Schimke, Fachanwalt für Sport- und Arbeitsrecht. Daran müssten sich auch Fußballklubs halten.
„Auch über diese Schutzfristen hinaus sieht das Mutterschutzgesetz allgemeine und individuelle Beschäftigungsverbote vor, die Profifußballerinnen betreffen können“, sagte Schimke. „Der Arbeitgeber muss dabei dafür sorgen, dass ihre Tätigkeit die Frau und ihr Kind nicht unverantwortlich gefährdet“. Für Profis wie Almuth Schult, die aktuell nicht bei einem Verein unter Vertrag stehen, gilt der arbeitsrechtliche Schutz hingegen nicht.
Neue Fifa-Regeln seit Dezember 2020
Seit rund zwei Jahren steht Profi-Fußballerinnen weltweit ein bezahlter Mutterschutz zu. Der Weltverband Fifa stellte im Dezember 2020 entsprechende Regeln auf, die für Spielerinnen einen Anspruch auf Mutterschaftsurlaub für mindestens 14 Wochen bei mindestens zwei Drittel ihres vereinbarten Gehalts festlegt und sie vor Kündigungen wegen der Schwangerschaft schützt. Eine Nichteinhaltung der Fifa-Regeln kann dabei mit sportlichen Sanktionen bestraft werden.
Davon profitieren sollen insbesondere Spielerinnen in Ländern mit mangelhaftem Mutterschutz.