Nach monatelanger Unruhe versinkt der FC Barcelona endgültig im Chaos: Sechs Tage vor der Präsidentschaftswahl hat es beim Klub um Superstar Lionel Messi und Nationaltorhüter Marc-Andre ter Stegen bei einer Razzia mehrere vorläufige Festnahmen gegeben. Dies bestätigte ein Sprecher der katalanischen Regionalpolizei am Montag der Nachrichtenagentur AFP, ohne jedoch Namen zu nennen.
Beamte der Abteilung für Finanzkriminalität waren für die Operation in den Büroräumen des Camp Nou verantwortlich, hieß es weiter. Dem spanischen Radiosender Cadena Ser zufolge war einer der Festgenommenen Barcas Ex-Präsident Josep Maria Bartomeu, der im Oktober zurückgetreten war. Auch Geschäftsführer Oscar Grau und Roman Gomez Ponti, Leiter der Rechtsabteilung, sollen abgeführt worden sein. Der Klub sagte den Behörden in einem Statement die volle Zusammenarbeit zu, verwies aber auch auf die Unschuldsvermutung bei allen Betroffenen. Namen nannte auch Barca nicht.

Zusammenhänge mit „Barcagate“-Affäre?

Laut spanischen Medienberichten hängt die Razzia mit der „Barcagate“-Affäre aus dem vergangenen Jahr zusammen. Vereinsfunktionäre sollen dabei eine Firma beauftragt haben, um in den Sozialen Netzwerken unter anderem frühere und aktuelle Spieler zu diffamieren, die sich kritisch zum damaligen Präsidenten Bartomeu geäußert hatten. Barca soll dafür eine Million Euro bezahlt haben.
Es war nur eine von vielen Negativschlagzeilen aus dem Umfeld des 26-maligen spanischen Meisters in den zurückliegenden Monaten. Im vergangenen Sommer hatte ein Machtkampf zwischen Starspieler Messi und Bartomeu die katalanische Metropole in Atem gehalten. Während Messi seinen bereits angedrohten Abgang schließlich nicht wahr machte, trat Bartomeu wie auch der Rest des Vorstands zurück.
Was blieb, ist eine katastrophale Finanzlage. Der Schuldenberg beträgt über eine Milliarde Euro, laut eines Wirtschaftsberichts des Klubs von Ende Januar liegen die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei 730,6 Millionen Euro. Ein geleaktes Vertragspapier von Messi, der zwischen 2017 und 2021 insgesamt über 500 Millionen Euro kassieren soll, sorgte für zusätzliche Unruhe.
Dabei wären die Katalanen schon mit ihrer sportlichen Schieflage beschäftigt genug, hinken sie doch ihren großen Ansprüchen hinterher. In der Champions League steht Barcelona vor dem frühesten Aus seit 14 Jahren, im Achtelfinal-Hinspiel gegen Paris St. Germain setzte es eine 1:4-Klatsche. Und auch in der heimischen Liga beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Atletico Madrid  schon fünf Punkte.