Missbrauchsskandal im Kunstturnen: Turnerbund kündigt Ex-Trainerin und Ex-Trainer erneut – jetzt fristlos!

Die bisherige Kündigung zweier Trainer des Turnerbundes wurde vom Gericht als unwirksam erklärt. Jetzt hat der Turnerbund neue Erkentnisse und eine fristlose Kündigung ausgesprochen - mit Aussicht auf Erfolg.
Uwe Anspach/dpa- STB kündigt zwei Ex-Trainer erneut fristlos nach neuen belastenden Erkenntnissen.
- Erstkündigungen wurden vom Gericht gekippt; STB hofft nun vor dem LAG zu gewinnen.
- Ermittlungen gegen drei Trainer wegen Körperverletzung/Nötigung in über 25 Fällen.
- Auch gegen DTB- und STB-Funktionäre wird ermittelt; ein weiterer Trainer freigestellt.
- Ex-Turnerin Janine Berger prangert Missstände an und kritisiert DTB-Stellungnahme.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach den Missbrauchsvorwürfen am Kunst-Turn-Forum in Stuttgart wurde gehandelt. Bereits vor einem Jahr hatte der Schwäbische Turnerbund (STB) die erste Kündigung ausgesprochen. Doch ein Gericht hatte diese gekippt. Inzwischen konnte der STB jedoch weitere belastende Informationen einholen. Geschäftsführer Matthias Ranke bestätigte jetzt dem SWR die erneute – fristlose – Kündigung der beiden betroffenen Trainer (einer Frau und einem Mann).
„Wir haben in den vergangenen drei Monaten intensive Gespräche mit betroffenen Athletinnen, mit Trainern und Eltern geführt und sehr viele neue Erkenntnisse gewinnen können. Diese waren uns beim Aussprechen der ursprünglich ordentlichen Kündigung nicht bekannt“, sagte Ranke dem SWR. Er sei optimistisch, in der zweiten Instanz vor dem Landesarbeitsgericht zu gewinnen.
Weiterer Turntrainer freigestellt
Im August 2025 hatte der STB zudem einen weiteren Trainer am Kunst-Turn-Forum Stuttgart freigestellt. Gegen diese drei Trainer laufen Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts der gefährlichen beziehungsweise vorsätzlichen Körperverletzung und der Nötigung in über 25 Fällen. Inzwischen wird auch gegen Funktionäre des Deutschen Turner-Bundes (DTB) und des STB ermittelt.
Zu Beginn des vergangenen Jahres waren Missbrauchsvorwürfe von teils ehemaligen Athletinnen gegenüber Trainerinnen und Trainern an den Stützpunkten in Stuttgart und auch in Mannheim aufgekommen. Seit Monaten laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen mutmaßlicher körperlicher und seelischer Gewalt.
Ulmer Turnerin deckte Missstände auf
Die frühere Weltklasse-Turnerin aus Ulm, Janine Berger, legt nach und sprach weitere Vorwürfe aus – und unterstützte eine interdisziplinäre Forschergruppe, die die Vorfälle am Stützpunkt in Stuttgart untersuchte. Die zwei Trainer, die besonders in den Fokus geraten waren, wurden vom Bundesstützpunkt in Stuttgart suspendiert. Es war schnell klar, dass sie nicht mehr in das Turnforum in Bad Cannstatt zurückkehren. Die Ulmer Turnerin Janine Berger verfolgte alle Entwicklungen genau und kommentierte sie scharf. Die frühere Ulmer Weltklasse-Turnerin hatte den Stein mit anderen ins Rollen gebracht und über die mutmaßlich skandalösen Umstände berichtet.
Die 28-Jährige zweifelte an dem Willen zu einer ehrlichen Aufarbeitung seitens des Verbands und störte sich an der offiziellen Erklärung des DTB, wonach „Ulla Koch unbestrittene Verdienste für den deutschen Turnsport geleistet und einen bedeutenden Aufschwung im Frauen-Turnen bewirkt hat, der nicht nur ergebnisorientiert war, sondern bei dem auch die Persönlichkeitsentwicklung der Athletinnen im Vordergrund stand“.
Für Janine Berger liest sich die Stellungnahme wie eine „Danksagung“, wie sie empört sagt. Eine Danksagung, die so gar nicht zu dem passe, was sie selbst als Turnerin erlebt habe. Demütigungen, Zurückweisungen, unbarmherzige Trainingsmethoden und Gewichtskontrollen. Auch andere frühere Turnerinnen beklagten einen „systematischen körperlichen und mentalen Missbrauch“.


