Gianni Infantino war bewegt. Mit zittriger Stimme bedankte sich der alte und neue FIFA-Präsident bei allen, „die mich lieben und die mich hassen – ich liebe alle heute.“ Zu den Gratulanten gehörten nach der ungefährdeten Wiederwahl des Schweizers an der FIFA-Spitze am Mittwoch in Paris auch die Interimsbosse des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der im Weltverband erst einmal außen vor bleibt.

„Heute ist ein Feiertag“, sagte Infantino, der seit 2016 und nun bis 2023 im Amt ist: „In den vergangenen drei Jahren ist aus dieser vergifteten, fast kriminellen Organisation das geworden, was sie sein soll. Eine Organisation, die sich um Fußball kümmert.“ Niemand spreche „mehr über über Skandale oder Korruption“.

Unterstützung vom DFB

Der DFB hatte schon am Dienstag verkündet, sich der großen Mehrheit anschließen zu wollen und für Infantino zu stimmen. Das hat vor allem politische Gründe. „Wir sind hier nicht angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen, als er ohnehin schon ist“, hatte Reinhard Rauball, wie Rainer Koch derzeit Übergangs-Präsident des Verbandes, gesagt.

Wegen des Rücktritts des früheren DFB-Chefs Reinhard Grindel sitzt derzeit kein deutscher Funktionär im FIFA-Council und UEFA-Exekutivkomitee. Hätte der DFB versucht, in Paris die Revolution gegen Infantino anzuzetteln, wäre das den Chancen auf die Rückkehr in die Fifa-Gremien wenig dienlich gewesen.

Rekordeinnahme von 2015 bis 2018

Infantino hat den Weltverband finanziell stabilisiert, was ihm die Unterstützung der vielen kleinen unter den 211 FIFA-Nationen sichert. Die FIFA hat im zurückliegenden Finanzzyklus von 2015 bis 2018 eine Rekordeinnahme in Höhe von 5,7 Milliarden Euro erzielt. Das Vermögen der FIFA beläuft sich auf 3,9 Milliarden Euro.

Der Fifa-Präsident möchte das Erfolgsmonopol des europäischen Fußballs beenden. „Das große Geld konzentriert sich in zehn Klubs in fünf Ländern in Europa. Nur diese Klubs können die Klub-WM gewinnen. Und nur zehn Nationalmannschaften können Weltmeister werden. Fast alle kommen aus Europa, wenige aus Südamerika“, sagte er nach seiner Wiederwahl: „Meine Vision ist es, dass 50 Klubs und 50 Nationalteams aus der ganzen Welt gewinnen können.“

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Vertrauter: Johansson führte von 1990 bis 2007 die Uefa und war langjähriger Freund und Vertrauter von DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun.