Fußball-Nationalmannschaft: Erfolge sollen her für ein gutes WM-Gefühl

Kapitän Joshua Kimmich erwartet einen geschlossenen Auftritt wie beim 6:0 gegen die Slowakei im November. Im Bild: Nick Woltemade nach seinem Treffer zum 1:0.
Robert Michael/dpa- DFB testet in Basel gegen die Schweiz – erster Auftritt im neuen blauen WM-Trikot.
- Nagelsmann erwartet einen Härtetest und will ein gutes WM-Gefühl erzeugen.
- Kimmich warnt vor unangenehmem Gegner und erinnert an das 1:1 bei der Heim-EM.
- Ausfälle wie Musiala und Pavlovic erschweren das Einspielen, Experimente sind nicht geplant.
- Personalfragen offen: Baumann im Fokus, Rüdiger als Herausforderer, Undav und Karl mit Chancen.
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Joshua Kimmich verbindet die Schweiz mit „Skifahren, Berge, Schnee“. Und mit „Fußball“, wie der DFB-Kapitän extra noch hinzufügte. Der Trip ins Nachbarland birgt für die deutsche Mannschaft exakt 76 Tage vor dem Start der Weltmeisterschaft in Amerika neben Chancen auch Risiken, wie Anführer Kimmich aus noch ziemlich frischer Erinnerung weiß. „Das war ein sehr unangenehmes Spiel für uns“, sagte der 31-Jährige rückblickend auf das letzte Gruppenspiel bei der Heim-EM 2024. Erst in der Nachspielzeit bewahrte Niclas Füllkrug das DFB-Team in Frankfurt mit einem Kopfball zum 1:1 vor einer Niederlage.
Beim Wiedersehen im St. Jakob-Park stellt Kimmich seine Teamkollegen am Freitag (20.45/RTL) nicht nur wegen der winterlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt auf einen ungemütlichen Fußballabend ein: „Ich erwarte schon einen sehr unangenehmen und harten Gegner, der uns fordern wird.“
In Basel werden Kimmich und Co. erstmals im neuen, blauen WM-Trikot auflaufen. Ein blaues Auge wollen sie sich nicht abholen. Auch wenn es beim viertletzten Probelauf vor dem Ernstfall in Amerika nicht um Punkte geht, gilt die Kraftprobe mit dem WM-Teilnehmer als echter Härtetest. „Die Schweiz wird uns alles abverlangen“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann über den Gegner, der mit etlichen Bundesliga-Profis wie Dortmunds Torwart Gregor Kobel oder dem ehemaligen Leverkusener Meisterspieler Granit Xhaka top bestückt ist. Freundschaftsspiel-Charakter hat das Kräftemessen nicht. Trotzdem ist Kimmich froh, dass es nicht um alles geht, wie etwa für Italien in den WM-Playoffs.
Ausfälle erschweren das Einspielen
Der Ausfall der Münchner Jamal Musiala und Aleksandar Pavlovic oder auch des Dortmunders Felix Nmecha ist in der aktuellen Vorbereitungsphase noch verschmerzbar. Auch wenn es das Einspielen der WM-Wunschelf und einer Achse im Mittelfeld und in der Offensive erschwert. Für Nagelsmann geht es hauptsächlich darum, ein gutes WM-Gefühl im Team und auch bei den deutschen Fans zu entfachen. Vor der Heim-EM 2024 war dem Bundestrainer das nach einem radikalen Umbau des Kaders mit der spektakulären Rückholaktion von Toni Kroos mit zwei großen Testspielsiegen in Frankreich (2:0) und gegen die Niederlande (2:1) gut gelungen.
Kann Nagelsmann das in Basel und drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana wiederholen? „Idealerweise beenden wir die Woche mit zwei Erfolgserlebnissen“, sagte der 38-Jährige. Was Siege auslösen können, zeigte das furiose 6:0 gegen die Slowakei im November. Der Jahresabschluss rückte die gesamte WM-Qualifikation in ein positiveres Licht. Kimmich: „Da haben wir wirklich füreinander gespielt, das muss die Basis in jedem Spiel sein.“
„Experimentieren werden wir nicht mehr“, sagte Nagelsmann zur Spielweise im etablierten 4-2-3-1-System. „Wir haben klar gefestigte Abläufe in der Defensive, klar gefestigte Abläufe in der Offensive.“ Personell stellen sich trotzdem spannende Fragen, auf die Antworten erwartet werden. Die Tests bezeichnete der Bundestrainer als „eine Plattform, wo man sich zeigen kann“.
„Totales Vertrauen“
Wie präsentiert sich Oliver Baumann (35), nachdem er zum Turniertorwart ausgerufen wurde? Wie geht der langjährige Abwehrchef Antonio Rüdiger mit der ungewohnten Rolle des Herausforderers von Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck um? „Wenn Julian mich braucht, werde ich da sein – egal ob Startelf oder Bank, um das Ergebnis zu sichern“, sagte Rüdiger im „Kicker“.
Eröffnet der Pavlovic-Ausfall dem Stuttgarter Angelo Stiller doch noch die Chance, sich in den WM-Kader zu spielen? Und kann Kai Havertz nach 16 Monaten Absenz wegen Verletzungen sofort wieder eine Hauptrolle in der Offensive einnehmen? Womöglich sogar zusammen mit Nick Woltemade? „Big Nick“ hat es gerade bei Newcastle United schwer. Im DFB-Trikot war er in der WM-Qualifikation aber mit vier Toren bester DFB-Schütze. Nagelsmann: „Ich habe totales Vertrauen in Nick und gebe ihm auch die nötige Geduld. Das wird alles gut.“
Stuttgarter Undav Kandidat für die Startelf?
Mit 25 Spielern und DFB-Tross ist Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem Abschlusstraining in Herzogenaurach mit einem Charterflug von Franken nach Basel gereist. Wer könnte noch in der Aufstellung stehen? Der formstarke Stuttgarter Deniz Undav zum Beispiel, der aus 18 Saisontoren in der Bundesliga viel Selbstvertrauen zieht. Oder Lennart Karl. Der Bayern-Youngster darf mit seinem Debüt rechnen. „Von Lenny erwarte ich, dass er seine Jugend auf den Platz bringt. Er soll frei von der Seele weg spielen. Er soll einfach das machen, was er bei Bayern über weite Strecken auch zeigt“, sagte Nagelsmann.

