Tritt für Tritt. Die ersten Fußspuren im Schnee. Ein Läufer bahnt sich seinen Weg durchs Weiß. Dort, wo normalerweise das Spielfeld endet und die Tartanbahn beginnt. „Das müsste Lukas sein“, sagt Jan Lindenmair. Der Geschäftsführer der TSG Balingen blickt vom großzügigen VIP-Bereich nach unten. Lukas Foelsch lächelt, winkt.
In vier Tagen startet die TSG Balingen in die Vorbereitung. Der spielende Co-Trainer ist nicht der einzige Kicker, der an diesem Nachmittag seine Runden in der Bizerba Arena dreht. „Die Hoffnung ist natürlich da, dass wir an die Leistung der Hinrunde anknüpfen können“, sagt der Geschäftsführer. Aber: Eine Korrektur der Saisonziele gibt es beim Tabellenzweiten der Regionalliga Südwest nicht. „Wir wollen so viele Punkte holen wie möglich.“ Das sei wie ein Mantra, sagt Lindenmair fast schon entschuldigend. 38 Punkte, ein Torverhältnis von 32:21 Treffern. Elf Siege, fünf Unentschieden, vier Niederlagen. Das macht die TSG Balingen zur Winterpause zum größten Verfolger des Drittliga-ambitionierten SSV Ulm 1846 Fußball. Mit sieben Zählern Abstand. „Wir nehmen es wie alles mit Demut. Das hat keiner erwartet. Wir sind sehr positiv überrascht.“

Top-Torjäger Jan Ferdinand ist zurück

Der 44-Jährige, der die Geschäfte seit dreieinhalb Jahren führt, ist der momentane Erfolg ein Spiegelbild der Arbeit. Wie es Trainer Martin Braun und sein Team schaffen, immer besser zu werden, sich entwickeln, sei „unterm Strich viel, viel beeindruckender“. Die TSG profitiere in erster Linie von ihrer homogenen Mannschaft, einem sehr guten Spirit, den wenigen Verletzten. Bis auf Mittelfeldspieler Luca Kölsch, der sich im Sommer einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, gibt es keine Langzeitverletzten mehr. Top-Torjäger Jan Ferdinand ist nach seiner Schulterverletzung wieder fit – und wird wie alle anderen Kicker beim Trainingsstart am Montag dabei sein.
Während bei anderen Regionalligisten im Winter die Transferticker laufen, wird es bei der TSG Balingen bis zum Ende des Wechselfensters am 31. Januar wohl ruhig bleiben. „Es ist nichts geplant“, sagt Geschäftsführer Lindenmair und winkt ab. Auch, was mögliche Abgänge angeht. Anfang des Jahres war Innenverteidiger Nyamekye Awortwie-Grant für eine Woche bei Zweitligist Eintracht Braunschweig im Probetraining. Zu einem Wechsel des 22-Jährigen wird es allerdings nicht kommen. Lindenmair sagt: „Braunschweig ist nicht auf uns zugekommen.“
"Die Hoffnung ist da, dass wir an die Leistung der Hinrunde anknüpfen können", sagt Geschäftsführer Jan Lindenmair.
„Die Hoffnung ist da, dass wir an die Leistung der Hinrunde anknüpfen können“, sagt Geschäftsführer Jan Lindenmair.
© Foto: Nadine Vogt
Mit einem der kleinsten Etats der Liga bezeichnet sich die TSG Balingen selbst als der „professionellste Amateurverein in Baden-Württemberg“. In Ulm arbeitet kein Spieler nebenbei, in Balingen sind sie Lehrer, Ingenieure, Handwerker. Training ist abends, dreimal in der Woche. Der Spitzenreiter bittet seine Mannschaft zweimal täglich auf den Platz. Die Unterschiede in der Regionalliga sind groß.
Auf die Frage, ob sich die TSG Balingen als Tabellenzweiter einen Blick auf die 3. Liga wirft, gibt es eine klare Antwort. „Wir werden nicht sagen, wir wollen in die 3. Liga, weil wir vorne dabei sind“, sagt Geschäftsführer Lindenmair. Aber: „Wir werden alle Fristen einhalten, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein.“ Die Vereinsführung hat sich die Unterlagen für die Teilnahme am Lizenzierungsverfahren für die 3. Liga vom Deutschen Fußball-Bund zusenden lassen. Wie in den vergangenen beiden Jahren übrigens auch. „Wir wollten wissen, was gefordert ist. Wir haben den Antrag aber nie eingereicht“, erklärt Lindenmair. 2023 wird das anders sein: „Wenn der 0,1-prozentige Fall eintritt, haben wir zumindest nichts verbummelt.“
Wäre die TSG denn gewappnet für einen Aufstieg? „Aktuell erfüllt das Stadion die Auflagen nicht“, sagt Lindenmair. 2499 Zuschauer dürfen in die Bizerba Arena, in der es 609 überdachte Sitzplätze gibt. Der DFB fordert eine Kapazität von 5001 – und eine Rasenheizung. Wobei diesen Punkt beispielsweise Spitzenreiter Ulm derzeit genauso wenig erfüllt. Eine Sondergenehmigung kann es geben. Es braucht aber ein Ausweichstadion für den Winter. Auf der anderen Seite bietet die TSG einen schmucken Bereich für seine Sponsoren und VIPs, den man sich die Ulmer wohl gerne wünschen würde.
All das sind bei der TSG Balingen im Moment aber vor allem eines: Gedankenspiele. 14 Partien stehen in der Restrunde für die Braun-Elf aus. Zum Auftakt geht es zum Tabellen-9., SG Barockstadt-Fulda (4. März, 14 Uhr). Ohne Kurskorrektur, ohne Erwartungshaltung. Nur auf den Tribünen, da könnten es wieder etwas mehr Zuschauer sein: „Wir hatten vor Corona deutlich mehr und schaffen es nicht, die Zahlen zu erreichen, trotz des unglaublichen sportlichen Erfolges.“
Mittlerweile rahmt eine Spur das schneebedeckte Spielfeld ein. Spielertrainer Lukas Foelsch hat seine Intervall-Läufe absolviert. Am Montag kann es wieder losgehen. Schritt für Schritt.

Die Spieltermine der Restrunde

Die TSG Balingen geht als Tabellen-2. in die Restrunde, hat aber ein Spiel mehr als der FC Homburg (4.) und Steinbach Haiger (5.) bestritten. Mit 38 Punkten weist die TSG 7 Zähler weniger auf, als Spitzenreiter SSV Ulm 1846 Fußball. Auf Rang 3 folgt Kickers Offenbach.
Samstag, 4. März
Barockstadt Fulda (14 Uhr, A = Auswärtsspiel)
Samstag, 11. März
FC Homburg (14 Uhr, A)
Samstag, 18. März Hessen Kassel (14 Uhr,
H = Heimspiel)
Freitag, 24. März
Offenbach (19 Uhr, A)
Samstag, 1. April Walldorf (14 Uhr, H)
Dienstag, 4. April VfB Stuttgart II (19 Uhr, A)
Samstag, 8. April SSV Ulm 1846 (14 Uhr, H)
Samstag, 15. April
TSV Steinbach Haiger (14 Uhr, A)
Samstag, 22. April Mainz 05 II (14 Uhr, H)
Samstag, 29. April Bahlinger SC (14 Uhr, A)
Samstag, 6. Mai Eintracht Trier (14 Uhr, H)
Samstag, 13. Mai Wormatia Worms (14 Uhr, A)
Samstag, 20. Mai
TSG Hoffenheim II
(14 Uhr, H)
Samstag, 27, Mai FC RW Koblenz (14 Uhr, A)