Mit heißem Herz und kühlem Kopf. So wollte die italienische Fußball-Nationalmannschaft in das Spiel der Spiele gehen. Diese Marschrichtung jedenfalls gab Italiens erfahrener Kapitän Giorgio Chiellini sich und den Seinen mit auf den Weg in das Finale der Fußball-EM. Chiellini und Co. lösten das Versprechen ein. Die Squadra Azzura gewann am Sonntagabend das Endspiel gegen England mit 3:2 im Elfmeterschießen. Nach 120 Minuten stand es 1:1. Italien ist damit Europameister – zum zweiten Mal nach 1968. Englands Traum, sich im eigenen Land Europas Fußball-Krone aufzusetzen, platzte wie eine Seifenblase. Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert standen die Three Lions wieder mal im Finale eines großen Turniers. 1966 jubelte das Team von der Insel in Wembley über den WM-Sieg. Das Warten auf einen weiteren Triumph geht also weiter. Der Fluch des englischen Nationalteams hält an.
Dabei war die Euphorie vor dem Anpfiff grenzenlos auf der Insel. 67500 Zuschauer, darunter 6000 italienische Fans, verfolgten die Partie live im Fußballtempel Wembley. Zigtausende Anhänger hatten bereits in den Stunden vor dem Anpfiff in London gefeiert – und dem Match entgegengefiebert. Vor dem Finale versuchten Medienberichten zufolge rund 100 englische Fußballfans, in das Stadion zu stürmen. Sie sollen aber laut Uefa nicht in die Arena gelangt sein.
England begann das Finale wie erwartet ohne Borussia Dortmunds Jadon Sancho.  Trainer Gareth Southgate stellte sein System überraschend um. Er ließ mit Dreierkette agieren. Kyle Walker, John Stones und Harry Maguire bildeten die Abwehrformation. So hatten die Three Lions zuvor beim 2:0-Erfolg im Achtelfinale gegen Deutschland gespielt. Bukayo Saka blieb erstmal draußen, für den Außenstürmer begann der deutlich defensivere Kieran Trippier. Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini vertraute jener Elf, die schon beim Halbfinalsieg gegen Dänemark begonnen hatte.
England erwischte einen Traumstart! Es waren gerade einmal zwei Minuten gespielt, schon führte der Gastgeber mit 1:0. Entscheidend beteiligt daran war der neue Mann in der Startformation: Kieran Trippier. Nach einem das Spiel öffnenden Pass von Kapitän Harry Kane kam der Ball zu Trippier, der wiederum per Flanke den mitgelaufenen Linksverteidiger Luke Shaw fand. Der 25-Jährige von Manchester United traf volley ins Glück. Italien lag zum ersten Mal bei dieser EM in Rückstand. Wie würde die Mancini-Elf damit umgehen? Sie war zunächst geschockt. In der Folge dominierte die aggressiv agierenden und gut eingestellten Three Lions das Geschehen. Sie unterbrachen das Aufbauspiel des Gegners konsequent, machten vor allem die Spielfeldmitte dicht. Italien tat sich schwer, kam erst nach gut einer halben Stunde in diese Partie. Federico Chiesa hatte dann auch die beste Chance zum Ausgleich, verpasste diesen jedoch nur um Haaresbreite (35.).
Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Italiener wie erwartet den Druck. Sie bissen sich fest in der Spielhälfte des Gegners, der nun auf Konter lauerte. England machte die Räume eng, im Mittelfeld ackerte Declan Rice für zwei, um Italien vom eigenen Gehäuse fernzuhalten. Das gelang Rice und seinen Mitspielern aber nicht immer. Wieder hatte Chiesa die Möglichkeit aufs 1:1. Wieder zog er aus 18 Metern ab, scheiterte diesmal an Englands gut reagierenden Keeper Jordan Pickford (62.). Wenig später fiel er dann doch, der zu diesem Zeitpunkt verdiente Treffer für die nimmermüde Squadra Azzurra. Abwehr-Routinier Leonardo Bonucci schoss den Ball im Nachschuss aus kurzer Distanz ein (67.). Alles war nun wieder offen. Doch der Schwung war dahin. Es ging in die Verlängerung, weil auch den Italienern in der Schlussphase der entscheidende Punch fehlte.

Spiel lebt von der Spannung

Beide Teams spielten die Verlängerung mit angezogener Handbremse. Sie belauerten sich gegenseitig, waren darauf bedacht, keine Fehler zu machen. Die Partie lebte nun vor allem von der enormen Spannung. Und so ging es auch in den Nervenkitzel namens Elfmeterschießen.
Dort trafen Harry Kane und Harry Maquire für England, Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka verschossen ihre Elfmeter jedoch. Für Italien verschossen Andrea Belotti und Jorginho. Domenico Beradi, Leonardo Bonucci und Federico Bernardeschi verwandelten. Damit hatte Italien gewonnen. „Meine Jungs waren wunderbar“, sagte der ergriffene Coach der Italiener, Roberto Mancini, im ZDF.

Neue Kritik an den Fan-Massen im Stadion

Karl Lauterbach hat der Europäischen Fußball-Union (Uefa) erneut die Schuld für Corona-Tote gegeben. „Auf dieser EM liegt ein Schatten und die Uefa hat durch ihre ignorante Vorgehensweise Todesfälle zu verantworten“, sagte der SPD-Gesundheitsexperte angesichts von rund 2500 nachgewiesenen Infektionen im Zusammenhang mit dem Turnier: „Die Uefa hat in meinen Augen versagt.“
Die negativen Auswirkungen werden laut Lauterbach weltweit zu spüren sein. „Dieses Turnier signalisiert, dass Corona vorbei wäre, aber Corona ist nicht vorbei. Die EM hat sich für dieses fatale Signal missbrauchen lassen“, äußerte der 58-Jährige: „Fünf Milliarden ungeimpfte Menschen, die teils in Ländern leben, in denen noch überhaupt kein Impfstoff vorhanden ist, schauen uns dabei zu, wie wir die Stadion wieder volllaufen lassen.“
Vor allem rund um die Finalspiele in London ist nach Ansicht Lauterbachs alles falsch gemacht worden. „Wembley ist komplett außer Kontrolle geraten.“ sid