Fußball-EM
: Halbfinale! Ann-Katrin Berger wird im Elfer-Drama zur Heldin

Die früh dezimierte DFB-Elf liefert sich mit Frankreich einen großen Kampf. Am Ende entscheiden die eisernen Nerven der gebürtigen Göppingerin Ann-Katrin Berger.
Von
sid
Basel
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Germany's goalkeeper #01 Ann-Katrin Berger dives to stop the ball during the UEFA Women's Euro 2025 quarter finals football match between France and Germany at the Parc Saint-Jacques (St. Jakob Park) stadium in Basel, on July 19, 2025. (Photo by SEBASTIEN BOZON / AFP)

Ann-Katrin Berger ließ sich in der Partie gegen Frankreich nicht aus der Ruhe bringen.

SEBASTIEN BOZON/AFP
  • DFB-Frauen siegen im EM-Viertelfinale gegen Frankreich mit 6:5 nach Elfmeterschießen.
  • Torhüterin Ann-Katrin Berger pariert zwei Elfmeter und trifft selbst – Matchwinnerin des Abends.
  • Trotz Unterzahl ab der 14. Minute kämpft das Team mit großer Willensstärke und gleicht 1:1 aus.
  • Kathrin Hendrich erhält Rot, Nüsken gleicht aus, verschießt aber einen zweiten Elfmeter.
  • Im Halbfinale am Mittwoch trifft Deutschland als Außenseiter auf Weltmeister Spanien.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Christian Wück umarmte seine Elfmeter-Killerin Ann-Katrin Berger und wollte sie gar nicht mehr loslassen. Die deutschen Fußballerinnen haben ihren Titeltraum bei der EM mit einer riesigen Willensleistung und dank Torhüterin Berger am Leben erhalten.

Die früh dezimierte Auswahl von Bundestrainer Wück bezwang Lieblingsturniergegner Frankreich trotz 105-minütiger Unterzahl im Viertelfinale von Basel mit 6:5 im Elfmeterschießen und fordert nun Weltmeister Spanien. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 1:1) gestanden.

Die überragende Torfrau Berger parierte im Shootout zwei Elfmeter und traf selbst. Im Halbfinale gegen den Topfavoriten am Mittwoch (21 Uhr) in Zürich ist der Rekordeuropameister, für den Sjoeke Nüsken den entscheidenden Versuch vom Punkt verwandelte, trotz aller Leidenschaft aber Außenseiter.

„Geisteskrank!“

„Geisteskrank!“, sagte Janina Minge nach Schlusspfiff am ZDF-Mikrofon: „Man hat über weite Strecken nicht gemerkt, dass wir eine weniger waren. Ich bin unglaublich stolz. Wir waren uns sicher, dass wir im Elfmeterschießen gewinnen. Mega!“

Nach der Roten Karte gegen Kathrin Hendrich (14.), die ihre Gegenspielerin am Zopf festgehalten hatte, schien es ein Himmelfahrtskommando für Wücks neu formierte Mannschaft. Zumal Grace Geyoro (15.) den fälligen Elfmeter versenkte.

Nüsken (25.), die gegen Spanien gelbgesperrt fehlen wird, glich aber aus - und verschoss einen Foulelfmeter (69.). Doch vom Punkt sicherten sich Wücks Kämpferinnen im sechsten Versuch den nicht mehr für möglich gehaltenen sechsten Sieg gegen Les Bleues bei einem großen Turnier.

10.000 deutsche Fans hatten im St. Jakob-Park alles bereitet für die Rückkehr in die Erfolgsspur nach dem bösen Nackenschlag im Gruppenfinale gegen Schweden (1:4). Bernd Neuendorf fand bei seinem Besuch in der Kabine vor dem 50. deutschen EM-Spiel eine entschlossene Mannschaft vor. „Sie verspüren eine große Lust und Freude. Jede weiß, worum es geht“, sagte der DFB-Präsident. Auch Wück strahlte Zuversicht aus, als er lächelnd ins Stadion schlenderte.

Sein Plan? Seiner Elf mit der Umstellung auf eine Dreierkette „Stabilität“ verleihen. Und: Mit der Leipzigerin Giovanna Hoffmann, die der erfahreneren Lea Schüller vorgezogen wurde, eine Mittelstürmerin bringen, „die Bälle festmachen muss“. All das funktionierte.

„Nerven im Griff behalten“

Die verletzte Kapitänin Giulia Gwinn machte ihre Kolleginnen im Kabinengang nochmal heiß, Wück hoffte, „dass sie ihre Nerven im Griff behalten“. Das galt vor allem für die junge EM-Debütantin Franziska Kett in ihrem vierten Länderspiel, aber auch für Sarai Linder. Die Wolfsburgerin musste nach der Verletzung von Gwinn und wegen der Rotsperre von Carlotta Wamser rechts hinten ran - und verletzte sich früh am linken Fuß.

Mit dem Ausfall der schon dritten Rechtsverteidigerin und dem Platzverweis waren Wücks Pläne Makulatur. Ausgerechnet die erfahrene Hendrich leistete sich in ihrem ersten Startelf-Einsatz bei dieser EM einen Blackout und griff Frankreichs Kapitänin Griedge Mbock ins Haar. Beim zentral geschossenen Elfmeter hatte Berger die Hand am Ball, konnte diesen aber nicht abwehren.

Für Linder kam Sophia Kleinherne zu ihrem ersten Turniereinsatz in einem dezimierten Team, das sich nicht aufgab. Nüsken war bei einer von Hoffmann herausgeholten Ecke per Kopf zur Stelle - Ausgleich! Ein Hackentreffer von Delphine Cascarino (40.) zählte wegen einer Abseitsstellung nicht.

Ersatzkapitänin Janina Minge und Co. hielten weiter mit viel Einsatzfreude dagegen, die gegen Schweden in Unterzahl vermisste Kompaktheit war da. So gelang es, den Französinnen ihre gefährlichste Waffe zu nehmen: ihre unfassbare Geschwindigkeit.

Auch einem zweiten Geyoro-Treffer (57.) wurde die Anerkennung versagt, weil die im Abseits stehende Maëlle Lakrar Torfrau Berger behindert hatte. Nach einem Foul an Jule Brand scheiterte Nüsken mit ihrem schwach geschossenen Elfer an Frankreichs Keeperin Pauline Peyraud-Magnin. In der Verlängerung verhinderte Berger (103.) nach einem Kopfball von Minge per Glanzparade das 1:2.