Fußball-EM 2024
: Europameister! Spanien setzt sich die Krone auf

Der Deutschland-Bezwinger schlägt England im Finale von Berlin mit 2:1. Der Titel-Albtraum der Three Lions geht weiter.
Von
Carsten Muth
Berlin
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Euro 2024: Spanien - England: 14.07.2024, Berlin: Fußball: EM, Spanien - England, Finalrunde, Finale, Olympiastadion Berlin, der spanische Nationalspieler Mikel Oyarzabal jubelt nach seinem Tor zum 2:1 mit Nico Williams. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Joker Mikel Oyarzabal jubelt nach seinem Tor zum 2:1 mit Nico Williams.

Manu Fernandez/AP/dpa

Spanien ist nach 1964, 2008 und 2012 zum vierten Mal Fußball-Europameister. Die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuenta gewann am Sonntagabend das Finale der EURO 2024 in Berlin gegen England mit 2:1 (0:0). 71.000 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion sahen ein vor allem nach der Pause packendes Finale. Die Iberer zerstörten damit den Traum der Engländer vom ersten Titelgewinn seit 58 Jahren.„ Meine Spieler waren großartig“, sagte Englands Trainer Gareth Southgate, der sich als fairer Verlierer zeigte. Denn er betonte:  „Wir haben gegen die bessere Mannschaft verloren.“ Southgate räumte ein, dass sein Team das Geschehen zu selten kontrolliert, den Ball nicht lange genug in den eigenen Reihen gehalten habe. Das habe letztlich den Ausschlag gegeben. Southgates Kollege, der spanische Coach Luis de la Fuente, war stolz. Er sagte: „Ich bin so glücklich, dass ich eine solche Mannschaft habe, dass wir das geschafft haben.“

Die englischen Fans waren in der Überzahl. Sie gaben den Ton an. Die Spanier, die im Viertelfinale Gastgeber Deutschland und im Halbfinale Vizeweltmeister Frankreich ausgeschaltet hatten, bestimmten zunächst das Geschehen auf dem Feld. Sie hatten mehr Ballbesitz, ohne zu nennenswerten Möglichkeiten zu kommen. Die Three Lions begannen so, wie sie bei dieser EM häufig begonnen hatten. Abwartend, etwas zögerlich, auf Sicherheit bedacht. Das kam den Spaniern und ihrem Offensivpressing entgegen, die den jeweils ballführenden Gegner sofort mit mehreren Spielern zu attackieren versuchten.

Nach 15 Minuten legte auch die Elf von Trainer Gareth Southgate mal den Vorwärtsgang ein. Zumeist kam England über die rechte Seite, auf der die schnellen Kyle Walker und Bukayo Saka in die Sprintduelle gingen. Vor allzu große Probleme wurde „La Furia Roja“, wie das spanische Nationalteam genannt wird, jedoch nicht gestellt (45.). Kurz vor der Pause kam Englands Phil Foden zum Schuss. Das war es schon in einer an Höhepunkten recht armen ersten Hälfte, in der die Spanier deutlich weniger dominant als erwartet auftraten. Beiden Teams fehlten die zündenden Ideen und auch die Durchschlagskraft im letzten Spieldrittel.

Spaniens Trainers Luis de la Fuente hatte wie erwartet seine Startelf im Vergleich zum 2:1 im Semifinale gegen Frankreich auf zwei Positionen verändert. Die gesperrten Daniel Carvajal und Robin Le Normand kehrten in die Defensive zurück. Jesus Navas und Nacho mussten auf der Bank Platz nehmen. Auf der linken Außenbahn spielte Marc Cucurella, der wie schon im Halbfinale ausgepfiffen wurde. Dem 25-Jährigen war im Viertelfinale gegen Deutschland im Strafraum ein Handspiel unterlaufen, das der Schiedsrichter nicht ahndete. Bei den Engländern gab es lediglich eine Änderung nach dem 2:1-Last-Minute-Halbfinalsieg gegen die Niederlande. Coach Gareth Southgate gab Luke Shaw gegenüber Kieran Trippier auf der linken Außenbahn den Vorzug.

Nach der Pause blieb Spaniens Mittelfeldspieler Rodri angeschlagen draußen. Doch die Iberer legten auch ohne ihren so wichtigen Regisseur bärenstark los. Lamine Yamal, seit Samstag 17 Jahre jung, bediente seinen Flügelpartner Nico Williams, der sicher vollendete (47.). Das ging einfach zu schnell für die Engländer, die jetzt gehörige wackelten. Spanien führte – und hätte durch Dani Olmo nachlegen können. Der Offensivspieler von RB Leipzig verzog freistehend knapp (48.). Englands Innenverteidiger John Stones rettete für seinen bereits geschlagenen Keeper Pickford (56.).

Die Three Lions benötigen eine Viertelstunde, um sich vom Schock des Rückstands zu erholen. Coach Southgate nahm nach einer Stunde Kapitän Harry Kane vom Feld und brachte Ollie Watkins, der England ins Finale geschossen hatte. Gefährlich blieb aber Spanien. Torwart Pickford verhinderte das zweite Gegentor. Er wehrte einen Yamal-Schuss glänzend zur Ecke ab (66.).

Auf der Gegenseite schlug England dann zu. Kaum eingewechselt, traf Cole Palmer nach feiner Ablage von Jude Bellingham aus 18 Metern mit einem ebenso feinen Flachschuss (73.). Das Spiel war wieder offen.

Die Joker stechen

Spanien schüttelte sich nur kurz und ging sofort in den Angriff über, drängte in der Schluss-Viertelstunde mit Macht auf die erneute Führung. England stand hinten drin, Pickford war erneut gegen Lamine Yamal zur Stelle (82.). Dann aber war es so weit. Der eingewechselte Mikel Oyarzabal spitzelte den Ball nach Flanke von Cucurella ins Tor. 2:1 für Spanien, die am Ende mit dem Glück im Bunde waren, als Schlussmann Unai Simon zunächst einen Kopfsball von Declan Rice entschärfte, dann Dani Olmo einen Kopfball vom Marc Guehi von der eigenen Torlinie köpfte (90.). Damit war das Endspiel entschieden – und Spanien Europameister.