Natürlich war es ein Scherz, als Hansi Flick den außergewöhnlichen Meistertag des FC Bayern mit einer Trainingsansage für den nächsten Morgen beschloss. Am sonnigen Muttertag tat sich auf den Rasenplätzen an der Säbener Straße selbstverständlich nichts. Der menschelnde und harmoniebedürftige Fußball-Trainer Flick hatte sich diesen Spaß nach der berauschenden 6:0 (4:0)-Gala gegen Borussia Mönchengladbach einfach mal gegönnt. Als Torjäger Robert Lewandowski gemeinsam mit den Teamkollegen in der Kabine in den gleich gereichten roten Shirts mit der großen „9“ die neunte Meisterschaft am Stück feierte, stieß Flick in seiner Trainer-Kabine mit Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und einem Gläschen Schampus auf seinen Münchner Abschiedstitel an.

Schwierige Corona-Runde

„Dieses Jahr war es leider nur die Meisterschaft“, sinnierte Flick kurz vor dem Ende einer „tollen Zeit“, die auf seinen Wunsch hin vorzeitig endet: „Wir haben sieben Titel geholt. Da kann man schon mal sagen: ,Okay, jetzt ist es gut.’“ Der 56-Jährige rühmte seine Mannschaft, die ihm jederzeit einen „Genuss“ bereitet habe, für eine außergewöhnliche Leistung nach dem Triple-Triumph 2020: „Wir haben kaum Urlaub gehabt“, erinnerte Flick. Corona war allgegenwärtig.
Und wäre dieses ewig hungrige Team in der Champions League gegen Paris St. Germain ausgeschieden, wenn Lewandowski fit gewesen wäre? „Gerade in einer wichtigen Phase haben wichtige Spieler gefehlt“, haderte Flick. Aber nur kurz, es war ja ein Tag der Freude.
Das Stadion hätte in normalen Zeiten gebebt. Aber Flick konnte auch seinen siebten Titel als Bayern-Chefcoach nicht vor vollen Rängen zelebrieren. 75 000 Fans hätten ihm gehuldigt und einen Heidenspaß gehabt. Zur 31. Meisterschaft konnten sich die Bayern-Profis schon vor dem Anpfiff beglückwünschen. Im Umkleidetrakt verfolgten sie die Leipziger 2:3-Niederlage in Dortmund am TV. Der Titel war damit fix, aber das bremste diese Bayern-Generation nicht in ihrem Ehrgeiz gegen wehrlose Gladbacher. „Wir haben nochmal demonstriert, dass wir die wahre Nummer eins in Deutschland sind“, tönte Kapitän Manuel Neuer.
Dreierpacker Lewandowski, Thomas Müller, Kingsley Coman und Leroy Sané sorgten für ein Torfest. „Das Spiel war eines Meisters würdig“, schwärmte Flick. Diese nie versiegende Gier nach Toren, Siegen und Titeln, diese Gewinner-Mentalität macht das von Flick angeleitete Starensemble um die Anführer Neuer, Lewandowski und Müller zum nationalen Dominator. „Dieses Gefühl des Gewinnens, des Besserseins als der Gegner, das gibt dir den Kick“, bemerkte Müller.

Bestelltes Feld für Nagelsmann?

Unter Flick-Nachfolger Julian Nagelsmann soll 2022 Meistertitel Nummer zehn am Stück folgen. Der künftige Vorstandschef Oliver Kahn fachte den Hunger jedenfalls sofort neu an. So eine Serie sei „noch keiner Mannschaft auf diesem Planeten gelungen“, schwelgte Ex-Titan Kahn – jedenfalls nicht in einer der großen europäischen Ligen.
Flicks Zukunft ist das andere große Thema. Das Tor zum DFB steht weit offen, auch wenn zur Nachfolge von Bundestrainer Joachim Löw aus seiner Sicht „noch nicht alles gesagt“ ist. Aber alle Aussagen zielen dahin.
Im ZDF-Sportstudio berichtete DFB-Vizepräsident Rainer Koch von „guten Gesprächen“. Auch der FC Bayern wünscht sich inzwischen Flick als Bundestrainer. Mit dem DFB haben sich die Münchner sogar schon auf eine „smarte Geste“ des Verbandes für einen Flick-Wechsel verständigt, wie Rummenigge verriet. Ein finanziell lukratives Spiel zwischen dem FC Bayern und der Nationalelf wäre wohl die Lösung.

Zahlen zur Meisterschaft


10   Meistertitel haben Thomas Müller und David Alaba nun mit dem FC Bayern gefeiert und sind damit Rekordmeister unter den Bundesliga.Spielern. Das Münchner Duo übertraf den früheren Teamkollegen Franck Ribéry (9 Meistertitel).

18   Monate war Hansi Flick für den FC Bayern als Chefcoach tätig. In dieser Zeit sammelte er sieben Titel. Wie es für den Kandidaten auf das Bundestrainer-Amt weitergeht, ist jedoch noch offen. Sein Nachfolger in München wird Julian Nagelsmann.

39   Tore hat Robert Lewandowski in dieser Saison schon erzielt. Damit fehlt ihm noch ein Treffer zum absoluten Rekord von Gerd Müller (40 Treffer). Während Müller nur 32 Spiele dafür benötigte, hat Lewandowski angesichts von 34 Spieltagen jetzt noch zweimal die Möglichkeit, die Marke zu knacken.

15   Meisterschaften am Stück. Das ist der (inoffizielle) Weltrekord des FC Tafea, dem von 1994 bis 2009 im Inselstaat Vanuatu im Südpazifik dieses Kunststück gelang.