Es ist erst einige Wochen her, da sagte Robert Lewandowski, dass es „wichtigere Sachen als den Rekord“ von Gerd Müller gebe. Doch Treffer um Treffer steigt auch beim 32-Jährigen die Anspannung. Die unglaubliche 40-Tore-Marke „dieser einzigartigen Vereinslegende“ sei zwar noch immer „weit weg, ich will mir nicht zu viele Gedanken machen“. Aber käme er der Bestmarke nahe, ergänzte Lewandowski. „Dann hätte ich vielleicht ein bisschen mentalen Stress: Nach fast 50 Jahren diese Marke zu erreichen, würde mir viel bedeuten“, meint er.
Und es sieht für Bayern Münchens Top-Torjäger, der mit seinem Team am Mittwochabend im Achtelfinal-Rückspiel der Champions-League auf Lazio Rom traf (das Spiel war Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet), durchaus vielversprechend aus, den „ewigen“ Rekord des Bombers aus der Saison 1971/72 zu brechen. Noch acht Tore in der Bundesliga fehlen dem Polen – und neun Spiele bleiben dafür noch. Diese Marke zu erreichen, „würde mich mit unglaublichem Stolz erfüllen“, betonte Lewandowski in der aktuellen Ausgabe der Sport Bild, „aber Gerd Müller wird immer Gerd Müller bleiben – und unerreicht“.
Vergleiche mit dem Weltmeister von 1974 will Lewandowski ohnehin nicht ziehen. „Du kannst diese Zeit von vor 30, 40 Jahren nicht mit heute vergleichen“, sagte er unlängst im Kicker. Dennoch: Wie einst Müller ist inzwischen auch Lewandowski für den Rekordmeister unersetzlich.
Die Zeiten, in denen er in München als Ich-AG galt, gehören längst der Vergangenheit an. „Er weiß, welchen Stellenwert er in der Mannschaft hat und dass er sich immer wieder einbringen muss, was er auch tut. Er kämpft in jedem Spiel um seine Tore für das Team“, lobte Thomas Müller seinen treffsicheren Kollegen erst am vergangenen Samstag bei Sky.

Der Triple-Sieger ist auch wegen Lewandowski eine Macht

Es ist eine „Win-Win-Situation“: Der Triple-Sieger ist aktuell auch wegen Lewandowski eine Macht – national und auch wieder international. Und der Angreifer, der am vergangenen Wochenende viel Pech in Bremen mit Latten- und Pfostenschüssen hatte, aber immerhin einmal traf, bricht so nebenbei einen Rekord nach dem anderen.
„Ich bin überzeugt, dass er 40 Tore oder sogar mehr schießt, wenn er verletzungsfrei bleibt“, sagte Klaus Fischer der AZ. Fischer (71) muss es wissen: Der frühere Schalker erzielte in seiner Karriere selbst 268 Bundesliga-Tore – und genau diese Marke knackte Lewandowski beim 3:1 des FC Bayern bei Werder Bremen nun auch.
Er sei „stolz, die Zahl von 268 Toren in der Bundesliga wie der legendäre Klaus Fischer zu erreichen“, twitterte Lewandowski, stellte aber seine persönlichen Ziele einmal mehr hinten an: „Ich möchte immer, dass meine Tore uns helfen, neue Titel mit Bayern zu gewinnen.“ Unglaubliche sechs Trophäen waren es im vergangenen Jahr – vor allem dank Lewandowskis zahlreicher Tore.
Schon in den vergangenen drei Spielzeiten war der Pole Torschützenkönig der Bundesliga (29/22/34) -–Kanone Nummer vier in Serie ist Formsache. Und der Rekord der Sturm-Ikone Müller, die in ihrer Karriere 365 (!) Liga-Tore erzielte? Erst wenn er noch „ein, zwei Tore hinter den 40 Toren liegen würde“, betont Lewandowski, „dann wäre das Thema intensiv in meinem Kopf“.

Orden für den Weltfußballer


Polens Präsident Andrzej Duda zeichnet Weltfußballer Robert Lewandowski, 32, von Bayern München am kommenden Montag für seine Leistungen und die Imageförderung  des Landes mit einem hohen Orden aus: dem Komturkreuz Polonia Restituta .

An ein Karriereende verschwendet Lewandowski noch keine Gedanken. Er wisse, dass viele Menschen auf sein Alter schauen würden, sagte der 32 Jahre alte Stürmer des FC Bayern München im Interview der „Sport Bild“ (Dienstag). „Aber ganz ehrlich: Ich fühle mich besser als mit 26, 27 Jahren. Ich bin heute ein besserer Spieler als vor sechs Jahren“, sagte der Pole. Er traue sich „definitiv noch mehrere Jahre zu, mein Level zu halten!“

Ein Wechsel zum Ausklang seiner Laufbahn in eine weniger anspruchsvolle Liga zum Beispiel in den USA oder China ist für ihn kein Thema. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, meine Karriere auf höchstem Niveau bei Bayern zu beenden. Aber dafür ist es noch etwas zu früh“, erklärte Lewandowski. dpa