Der 1. FC Köln steht nach einem Gegentor eines Blitz-Jokers vor dem siebten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga, für Holstein Kiel ist der erstmalige Aufstieg  zum Greifen nahe. Der Zweitligist, der der erste Bundesligist aus Schleswig-Holstein werden könnte, gewann das umkämpfte Relegations-Hinspiel am Mittwoch in Köln mit 1:0 (0:0) und hat damit eine glänzende Ausgangsposition für das Rückspiel am Samstag in Kiel.
Den Treffer für die nach einem Mammutprogramm in Folge zweier Corona-Quarantänen körperlich arg strapazierten Störche erzielte Abwehrspieler Simon Lorenz mit seinem ersten Ballkontakt 20 Sekunden nach der Einwechslung (59.). Die Kölner hatten nach dem gerade noch gesicherten Sprung auf Rang 16 nach außen hin vor dem Spiel noch viel Selbstvertrauen demonstriert, ließen dem aber auf dem Platz kaum Taten folgen.

Kiel mit Kölner Leihspieler

Bei Kiel rutschte die Kölner Leihgabe Niklas Hauptmann im Spiel bei seinem Stammverein für den gesperrten Alexander Mühling in die Startelf. Zudem stellte Trainer Ole Werner wieder Ioannis Gelios ins Tor. Der eigentliche Stammkeeper war sechs Spiele wegen einer Corona-Infektion ausgefallen und in den beiden Spielen danach zunächst nicht wieder ins Tor zurückgekehrt, „weil wir einen guten Rhythmus hatten“, so Werner im Streamingdienst DAZN. Nun wechselte er doch den Torhüter, „weil wir zuletzt das Spielglück nicht mehr hatten“.
Bei Köln schaffte es der an dauerhaften Kniebeschwerden leidende Stürmer Sebastian Andersson in den Kader.  Der Favorit kam zunächst überhaupt nicht in die Gänge, wirkte nervös und fahrig und agierte viel zu passiv. Der Zweitligist war besser und hatte durch Finn Porath (12.) und Hauptmann (18.) auch die ersten Chancen.

Hectors Schuss weckt Lebensgeister

Es war wieder Kapitän Jonas Hector, der die Kölner aus der Lethargie weckte. Erst wurde sein Schuss aus spitzem Winkel nach eigener Balleroberung aufs Tornetz abgefälscht (30.). Bei der nachfolgenden Ecke hatten die Kieler Glück, dass Schiedsrichter Felix Zwayer beim Zweikampf zwischen Hector und Gelios ein Foulspiel sah. Ebenso wie bei einem rotwürdigen Foul von Aleksandar Ignjovski gegen Ondrej Duda (45.). Nun drückte Köln, Duda (45.+2) kam dem Tor am nächsten.

Keine Wende durch Wechsel

Auch nach dem Wechsel schien Köln erst am Drücker, doch dann brachte Werner Lorenz. Der traf nach der direkt folgenden Ecke per Kopf. Nach 65 Minuten wechselte FC-Coach Friedhelm Funkel dann Andersson ein, um so für mehr Präsenz im Sturmzentrum zu sorgen. Auch Dominick Drexler und Jan Thielmann, die beide am Mittwoch Geburtstag hatten, kamen ins Spiel, um zumindest den Ausgleich zu erzwingen.
Das hohe Risiko ermöglichte es allerdings den Gästen zu kontern. So klatschte ein Kopfball von Janni Serra (78.) zu Beginn der Schlussphase an die Latte des Kölner Tores. Anschließend verteidigte der Zweitligist vielbeinig seinen knappen Vorsprung ins Ziel.

Rückspiel am Samstag in Kiel

„Ein Unentschieden wäre verdient gewesen“, sagte der spürbar angefressene Kölner Kapitän Hector im Interview bei DAZN. Teamkollege Marius Wolf fand darin aber keinen Trost. „Es ist scheißegal, ob es verdient war oder nicht. Es geht hier um alles, wir müssen das Ding jetzt in Kiel holen.“

Weitgehend ruhig vor dem Stadion


Vor dem Anpfiff ist es rund um das Kölner Fußball-Stadion weitgehend friedlich geblieben. Ausschreitungen von Fans habe es keine gegeben, sagte eine Polizeisprecherin. Vereinzelt sei Pyrotechnik gezündet worden – aus diesem Grund habe man einen Platzverweis ausgesprochen. Mehrere Hundert Anhänger hätten zudem einen Fan-Marsch im Stadion-Umfeld unternommen. Auch andere Beobachter beschrieben die Lage vor dem Start der Partie gegen den Zweitliga-Dritten Holstein Kiel als relativ entspannt.

Nach dem Bundesliga-Spiel gegen Schalke 04 war es am Samstag zu Ausschreitungen gekommen, bei denen es mehrere Verletzte gab.