Kuss-Skandal nach Frauen WM-Finale: Spanien-Boss muss mit Konsequenzen rechnen

Spaniens Verbandspräsident Luis Rubiales hat die frisch gebackene Weltmeisterin Jennifer Hermoso auf den Mund geküsst. In den sozialen Medien äußerten viele Nutzer deutliche Kritik an der Aktion.
Franck Fife/afpEin Kuss von Spaniens Verbandspräsident Luis Rubiales auf den Mund von Fußballerin Jennifer Hermoso bei der Siegerehrung nach dem gewonnenen WM-Finale hat für Wirbel gesorgt. Rubiales herzte und umarmte die spanischen Spielerinnen bei der Zeremonie nach dem 1:0-Sieg gegen England in Sydney am Sonntag. Auf Videos in den sozialen Netzwerken war zu sehen, wie der spanische Verbandschef Hermoso bei dieser Gelegenheit nach einer Umarmung und einem Kuss auf die Wange auch auf den Mund küsst.
Kuss von Rubiales sorgt für einen Eklat
Der Kuss hat in klassischen und Sozialen Medien für Entrüstung gesorgt - und auch die Betroffenen offenbar aufgewühlt. „Das hat mir nicht gefallen“, sagte Hermoso in einem Instagram-Livestream kurz nach dem Spiel. Später betonte die 33-Jährige, es habe sich um eine „natürliche Geste der Zuneigung“ gehandelt.
Hermoso kritisiert und rudert dann zurück
„Es war eine völlig spontane gegenseitige Geste aufgrund der immensen Freude, die der Gewinn einer Weltmeisterschaft mit sich bringt“, wurde Hermoso in einem Kommentar zitiert, welcher der Nachrichtenagentur AFP vom spanischen Verband übermittelt wurde: „Der Präsident und ich haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander, sein Verhalten uns gegenüber war hervorragend, und es war eine natürliche Geste der Zuneigung und Dankbarkeit.“ Diese dürfe „nicht so sehr überbewertet werden“.

Luis Rubiales umarmt und küsst Ersatztorhüterin Enith Salon auf dem Podium nach dem Sieg. Bei Jennifer Hermoso ging er einen Schritt weiter.
Mark BakerRubiales nennt Kritiker „Idioten“
Bei Radio Marca reagierte Rubiales ungehalten auf Kritik an seiner Aktion. „Der Kuss mit Jenni? Idioten gibt es überall. Wenn zwei Menschen miteinander eine unwichtige Geste der gegenseitigen Zuneigung teilen, darf man dem Mist, der da gesagt wird, keine Beachtung schenken“, sagte er auf dem Weg zum Flughafen in Sydney.
Rubiales hatte im Anschluss einen Fehler eingeräumt. Er habe Hermoso „spontan“ und „ohne jede böse Absicht oder bösen Willen“ auf den Mund geküsst, sagte er in einem Video. „Hier haben wir alle es als etwas Natürliches, Normales betrachtet, aber draußen scheint es einen Aufruhr gegeben zu haben“, erklärte er.
Nach Kuss-Affäre beruft Spaniens Fußballverband Sondersitzung ein
Wegen der Kuss-Affäre um Verbandsboss Luis Rubiales hat der Verband RFEF in Madrid eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. Das Treffen aus Anlass „der Vorfälle bei der Preisverleihung der Frauen-Weltmeisterschaft“ werde am Freitag ab 12.00 Uhr in der „Stadt des Fußballs“ in Madrid stattfinden, teilte der RFEF mit. Zudem habe man eine interne Untersuchung eingeleitet.
„Was wir gesehen haben, ist inakzeptabel“, sagte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez. „Und die Entschuldigungen von Herrn Rubiales reichen nicht aus, ich würde sie als unangemessen bezeichnen, deshalb muss er weitere Schritte unternehmen, um klarzustellen, was wir alle gesehen haben“, sagte der sozialistische Politiker am Dienstag vor Journalisten.
„Eine Aggression“ – Kritik an der Aktion in Spanien
Unter anderem die spanische Gleichstellungsministerin Irene Montero sah dies anders. Sie schaltete sich in die Debatte ein und schrieb bei X, dem ehemaligen Twitter: „Das ist eine Form der sexuellen Gewalt.“ Man dürfe „nicht davon ausgehen, dass Küssen ohne Zustimmung etwas ist, das 'passiert'. Nur ein Ja ist ein Ja.“ Die Tageszeitung El Pais kommentierte: „Wir schreiben das Jahr 2023, diese Gesten sind nicht zu rechtfertigen“. Ein solcher Kuss auf den Mund sei „eine Aggression“.
Spaniens Fußballerinnen waren mit dem Trainer unzufrieden
Spaniens Titelgewinn in Australien und Neuseeland wurde von der Kontroverse über das Verhältnis des Verbandes und von Trainer Jorge Vilda zu den Spielerinnen überlagert. 15 Akteurinnen hatten im vergangenen Herbst gegen Vildas Führungsstil protestiert, doch mehrere lenkten ein, drei von ihnen waren beim WM-Triumph von Sydney dabei. Rubiales war ein entschiedener Befürworter Vildas.
Tabea Kemme rief zum Rücktritt auf
Die frühere deutsche Nationalspielerin Tabea Kemme rief das spanische Team nach dem WM-Triumph in ihrer Kolumne bei t-online.de zum „kollektiven Rücktritt“ auf: „Ich wünsche mir, dass die Menschen, die für den psychischen Machtmissbrauch im spanischen Verband verantwortlich sind, aus dem System genommen und sanktioniert werden.“
(mit Material von dpa und afp)
