Darko Churlinov hat den VfB Stuttgart in die zweite Runde des DFB-Pokals geführt. Der Treffer des 22-Jährigen in der 33. Minute reichte dem Fußball-Bundesligisten bei Drittligist Dynamo Dresden am frühen Freitagabend zum 1:0 (1:0)-Sieg. Vor 22 644 Zuschauern mussten die Stuttgarter nach einer Gelb-Roten Karte für Waldemar Anton nach 67 Minuten in Unterzahl spielen. Dynamo blieb damit auch im 21. Pflichtspiel des Jahres 2022 ohne Sieg. VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo schickte mit Josha Vagnoman (zuletzt Hamburger SV) nur einen Neuzugang in die Startelf. Außerdem begann auch die bisherige Schalke-Leihgabe Churlinov.
Dynamo, im Auftaktspiel der 3. Liga daheim spektakulärer 3:4-Verlierer gegen den TSV 1860 München, überließ dem Favoriten die Spielgestaltung, ohne in den ersten 25 Minuten groß in Gefahr zu geraten. Die Dresdner stellten geschickt die Räume zu, was den VfB zu Einzelaktionen zwang. Diese wurden zumeist noch vor dem Strafraum abgefangen. Im Gegenzug gelang dem Drittligisten nach vorn nicht viel. Auch, weil Dynamo auf Sicherheit bedacht war, nur selten nachrückte und damit die Chance vergab, mit den zweiten Bällen für Gefahr zu sorgen.
Das änderte sich nach einer halben Stunde. Dynamo öffnete mehr und beteiligte sich am Spielgeschehen. Das nutzten die Gäste sofort. Nach einem Konter kamen die spielerisch besseren Gäste zur ersten Gelegenheit: Den Schuss von Tiago Tomas (30.) konnte Dynamo-Schlussmann Sven Müller per Fußabwehr klären. Beim Tor von Churlinov war er machtlos, weil Vagnoman einen scharfen Pass durch den Fünf-Meter-Raum an den langen Pfosten spielte, wo der VfB-Angreifer völlig allein stand und einschob.
Dynamo versuchte zu antworten. Doch den Dresdenern fehlten die kreativen Mittel, um die alles in allem souveräne VfB-Hintermannschaft in Bedrängnis zu bringen. Die Angriffsbemühungen der Sachsen waren kaum zu erkennen. Auf der Gegenseite blieben die Stuttgarter blieben gefährlich. Der VfB spielte eine gute erste Hälfte. Tomas (37.) hatte Pech und traf nur das Lattenkreuz. Dynamos größte Chance resultierte dann aus einem Eckball in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, als Michael Akotos Schuss gerade noch geblockt werden konnte.
Nach der Pause versuchte Dynamo zwangsläufig, offensiver zu agieren. Der eingewechselte Joe Conteh vergab nach 63 Minuten eine gute Möglichkeit. Die Sachsen blieben jedoch harmlos, auch in Überzahl. Der VfB wartete spätestens nah dem Platzverweis verstärkt auf Kontermöglichkeiten. Pascal Stenzel (79.) traf mit einem Freistoß den Pfosten des Dynamo-Tores. Die Dresdner Schlussoffensive brachte nichts mehr. Im Gegenteil: VfB-Joker Enzo Millot traf mit einem schönen Schlenzer noch die Latte (90.+4) des Dresdener Tores. Am Ende stand ein wenig glanzvoller, aber absolut verdienter Erfolg des Bundesligisten, der am Freitag ohne die angeschlagenen Linksverteidiger Borna Sosa und Mittelstürmer Sasa Kalajdzic auskommen musste. Dafür stand Silas Katompa Mvumpa, der wieder fit ist und in der Vorbereitung einen guten Eindruck hinterlassen hat, in der Startformation.

„Gutes Spiel gemacht“

„Wir haben ein extrem gutes Spiel gemacht. Erst am Ende wurde es heiß und emotional. Da hatten wir das Quäntchen Glück“, sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat bei Sky  Er sagte auch: „Der Schiedsrichter hat ein super Spiel gemacht, aber mit Gelb-Rot lag er komplett daneben, das muss ich leider sagen.“
Dynamo-Trainer Markus Anfang trauerte der verpassten Chancen hinterher: „Wir waren nah dran, aber man hat die Qualität des VfB gesehen. Leider haben wir wieder mit einem Tor Unterschied verloren.“
Der VfB bereitet sich nun auf den Start der Bundesliga vor. Los geht es für die Stuttgarter mit einem Heimspiel am Sonntag, 7. August, 15.30 Uhr. Zu Gast in der Mercedes-Benz-Arena ist dann RB Leipzig.

BVB ohne Probleme bei den Münchner Löwen

Borussia Dortmund hat völlig souverän die zweite Runde des DFB-Pokals erreicht. Der hochüberlegene Fußball-Bundesligist gewann am Freitagabend bei Drittligist TSV 1860 München mit 3:0 (3:0). Donyell Malen (8.), Jude Bellingham (31.) sowie Neuzugang Karim Adeyemi (35.) trafen für den von Edin Terzic trainierten Pokalsieger von 2021. Die Münchner Löwen waren chancenlos. Sie kamen nur selten einmal vor das Dortmunder Tor und scheiterten zum vierten Mal in fünf Jahren in der ersten Runde. In der BVB-Abwehr spielten die Neuzugänge Niklas Süle (Bayern München) und Nico Schlotterbeck (SC Freiburg). Mats Hummels saß zunächst auf der Bank.
Auch der Karlsruher SC ist souverän in die zweite Runde des DFB-Pokalwettbewerbs eingezogen. Beim mecklenburgischen Oberligisten TSG Neustrelitz setzte sich der Tabellenletzte der 2. Fußball-Bundesliga am Freitagabend souverän mit 8:0 (3:0) durch. Vor gut 3 000 Zuschauern erzielten der überragende Fabian Schleusener (12./14./41.) sowie Jerome Gondorf (67.), Malik Batmaz (71.), Daniel Gordon (73.) und Simone Rapp (82./87.) die Tore für den KSC. Die TSG kassierte ihre vierte Erstrunden-Niederlage im Pokal.
Die Gäste begannen von Beginn an konzentriert und kamen durch Schleusener gleich mit den ersten beiden Chancen zur frühen 2:0-Führung. Dann machte der nicht zu bremsende Schleusener seinen Hattrick kurz vor der Pause perfekt. Nach dem Wechsel ließ der dreifache Torschütze zwei weitere gute Chancen aus (55./59.). Für die wackeren Neustrelitzer vergab Marcus Niemitz (60.) die Topchance zum Ehrentreffer knapp. Dafür legte auf der Gegenseite der KSC gegen die viel zu offene TSG-Abwehr nochmals deutlich nach.

Nürnberg trifft zwei Mal

Der 1. FC Nürnberg hat die erste Aufgabe im DFB-Pokal hingegen nur mit Mühe bewältigt. Der Zweitligist gewann beim Regionalligisten 1. FC Kaan-Marienborn, einem Stadtteilclub aus Siegen, mit 2:0 (1:0). Mittelfeldspieler Johannes Geis mit einem Freistoß (45.) und Außenverteidiger Enrico Valentini (84.) schossen die Treffer für den „Club“.
Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim muss im Erstrundenspiel des DFB-Pokals beim Viertligisten SV Rödinghausen auf ein Quartett verzichten. In der Partie am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) fehlen den Kraichgauern Nationalspieler David Raum (Wade), Dennis Geiger (Infekt), Ihlas Bebou und Ermin Bicakcic (beide Knie). Dem Wechsel von David Raum, 24, von Hoffenheim zu RB Leipzig steht laut TV-Sender Sky nichts mehr im Wege, die Bundesligarivalen sollen sich nun auf den Transfer des Verteidigers geeinigt haben. Die Ablösesumme soll bei 30 Millionen Euro liegen

Abschied von flachen Hierarchien

Pellegrino Matarazzo hat in seinen bisherigen gut zweieinhalb Jahren als Trainer des VfB Stuttgart eine Entwicklung in seiner Arbeit ausgemacht. „Ich denke, ich bin der gleiche Trainer geblieben. Ich bin immer noch sehr kritisch, mag Details, gehe gerne in die Tiefe“, sagte der 44-Jährige jetzt. „Aber ich definiere Rollen und Struktur im Team heute anders. Früher wollte ich jeden Spieler mitnehmen und habe auf eine flache Hierarchie gesetzt. Hier, würde ich sagen, hat sich meine Herangehensweise verändert.“ Eine Mannschaft brauche „Klarheit“, sagte Matarazzo. Soll heißen: klare Ansagen.