Das Beste aus der Situation machen. Mit dieser Vorgabe hatte Bundestrainer Joachim Löw seine Notelf am Mittwochabend in Dortmund im prestigeträchtigen Testspiel gegen Argentinien aufs Feld geschickt. Und siehe da: Das personell so arg gebeutelte DFB-Team, in dem Freiburgs Goalgetter Luca Waldschmidt und dessen Vereinskollege Robin Knoche (Abwehr), der Schalker Suat Serdar (Mittelfeld) sowie Nadiem Amiri (Leverkusen, Offensive) ihre Länderspiel-Debüts feierten, schlug sich gegen den WM-Finalgegner von 2014 achtbar.

Die Begegnung vor 45 000 Zuschauern begann verhalten, die deutsche Elf überließ den Gästen zunächst das Kommando, versuchte erst einmal, sich in dieser Konstellation zu finden. Nach zehn Minuten wagte sich die DFB-Elf dann auch mal in die gegnerische Hälfte – und war prompt brandgefährlich. Serge Gnabry vergab nach toller Kombination zunächst freistehend (14.). Diese Aktion hatte Signalwirkung. Eine Minute später verwertete Bayern Münchens Offensivmann eine schöne Hereingabe von Lukas Klostermann. Tolle Ballannahme, toller Abschluss. Ein Supertor. Deutschland lag plötzlich vorne. Durchaus verdient. Und trumpfte weiter auf.

Denn Klostermann eroberte den Ball, zog einen beherzten Sprint an, marschierte durchs Mittelfeld, bediente dann den bärenstarken Gnabry, dessen kluge, flache Hereingabe die argentinische Abwehr vollends aushebelte. Leverkusens Kai Havertz war zur Stelle und schoss ein. 2:0 nach 22 Minuten! Die Argentinier fanden in der Folge vielfach kein Mittel, die deutsche Viererkette, in der Bayern Niklas Süle und Robin Koch souverän in der Innenverteidigung agierten, entscheidend aus den Angeln zu heben. Im Gegenteil: Die Hausherren blieben am Drücker. Hatte die DFB-Mannschaft einmal den Ball erobert, ging die Post ab. Und wie. Das Umschaltspiel der Hausherren konnte sich sehen lassen. Marcel Halstenberg hätte fast das 3:0 erzielt. Der Freistoß des Leipzigers klatschte aber an die Latte (34.). Rodrigo de Paul hatte Argentiniens beste Chance vor der Pause. Sein Klasseschuss klatschte im nun einsetzenden strömenden Regen ebenfalls an den Pfosten (36.). Serge Gnabry, seit Wochen in Topform und vor der Pause bester Spieler auf dem Platz, verzog unmittelbar vor dem Pausenpfiff nur knapp.

Deutschland mit Ter Stegen im Tor – Argentinien ohne Superstar Lionel Messi

Auf sage und schreibe 14 Akteure musste Bundestrainer Joachim Löw in der Partie verzichten. Joshua Kimmich, der in der Mittelfeldzentrale ein umsichtiges Spiel machte, war erstmals Kapitän im Nationalteam, weil Manuel Neuer wie angekündigt auf Bank Platz nahm. Für Neuer stand Marc-André ter Stegen im Tor. Auch die Argentinier traten ersatzgeschwächt in Dortmund an. Unter anderem fehlte der gesperrte Superstar Lionel Messi.

Nach Wiederanpfiff zunächst ein ähnliches Bild. Die DFB-Elf riskierte nicht allzu viel, kontrollierte das Geschehen und war, wenn es darauf ankam, das gefährlichere Team. Im Blickpunkt: immer wieder Gnabry, der nach 56 Minuten erneut der argentinischen Defensive entwischte und am gut reagierenden Schlussmann Augustin Marchesin scheiterte. Der Anschlusstreffer fiel buchstäblich aus heiterem Himmel. Der soeben eingewechselte Lucas Alario von Bayer Leverkusen überwand mit einem herrlichen Kopfball ter Stegen (66.), der dem Ball vergeblich hinterherflog. Nun kippte die Partie, die Südamerikaner witterten Morgenluft. Und Löws Spieler gerieten mächtig unter Druck, konnten sich kaum noch befreien und kassierten folgerichtig durch Lucas Ocampos den 2:2-Ausgleich (85.). „Schade, dass wir die Führung nicht über die Zeit gerettet haben“, sagte Julian Brandt hinterher. Er sagte auch: „Wir wissen, was wir können.“ Das hat am Mittwoch tatsächlich über weite Strecken gesehen.

U 21 mit Härtetest gegen Spanien


Bei der Neuauflage des EM-Endspiels feiert die deutsche U 21 ein kleines Jubiläum. Nationaltrainer Stefan Kuntz will seiner neuformierten Auswahl wichtige Erfahrungen für die weiteren  Aufgaben in der EM-Qualifikation mit auf den Weg geben - und das genau 40 Jahre nach dem ersten Auftritt einer deutschen U21. Am 10. Oktober 1979 gab es gegen Polen – mit Rudi Völler, Pierre Littbarski und dem eingewechselten Joachim Löw – ein 0:1.

Vier Jahrzehnte später kann das Freundschaftsspiel am Donnerstag (19.45 Uhr/ProSieben Maxx) in Córdoba gegen Europameister Spanien mit neu zusammengestellten Mannschaften keine echte Revanche für das 1:2 im EM-Finale vor gut drei Monaten sein. Eine Standortbestimmung aber schon. „Wir haben Spanien bewusst relativ früh als Gegner ausgewählt, um den Jungs zu zeigen, wie hoch die Messlatte in Europa liegt. Danach wissen sie, ob sie schon auf diesem Niveau mithalten können“, erklärte Kuntz.