Es war mal von einer goldenen deutschen Generation die Rede. Von hoffnungsvollen Nationalspielern am Beginn ihrer enormen Schaffenskraft, frechen wie talentierten Jungs, bei denen es doch nur eine Frage der Zeit sei, bis sie einen großen Titel bei einer EM oder WM holen. Der Triumph der jungen deutschen Elf um die 1995er-Jahrgänge Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Niklas Süle beim Confed-Cup 2017 in Russland galt als großes Versprechen für die Zukunft.
Fünf Jahre später lässt sich sagen, dass es noch nicht eingehalten worden ist. Die Generation, zu der auch Serge Gnabry zählt, steht am Scheideweg. Das vorzeitige Vorrunden-Aus bei der WM in Katar, das nun an diesem Sonntag im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien (20 Uhr MEZ/ZDF) droht, es wäre zugespitzt formuliert nur die logische Folge der vergangenen beiden Großturniere. Oder, wie es der 27-jährige Mittelfeldmann Kimmich stellvertretend für sich und seine Altersgenossen sagt: „Seitdem wir in der Nationalmannschaft am Werk sind, haben wir es einfach nicht geschafft. Ab 2018 war es schlicht nicht mehr gut.“

Noch acht Confed-Cup-Sieger dabei

Bei der WM 2018 blockierte der damalige Bundestrainer Joachim Löw einen konsequenten Generationenwechsel vier Jahre nach dem Titelgewinn von Rio und brüskierte damit auch so manchen seiner Confed-Cup-Sieger von 2017. Fünf Jahre nach dem Erfolg beim Confed-Cup sind noch acht Akteure von damals im aktuellen WM-Kader dabei – mit der so prominenten wie ambitionierten 1995er-Gruppe um Kimmich, Goretzka und Süle sowie Kumpel Gnabry. Das Quartett hat zusammen die Jugendnationalteams des DFB durchlaufen, die vier sind gerade im besten Fußballeralter, wie das dann so schön heißt – und stehen nun gegen Spanien vor einem weiteren Tiefpunkt der Karriere. Es wäre der nächste nach 2018 beim desaströsen Vorrunden-Aus in Russland, nach dem beim ehrgeizigen Kimmich die Tränen flossen.

Schon mal wütend beim Backgammon

Bei dem Mann also, für den Verlieren zu den schlimmsten Dingen des Lebens zählt und der privat das Backgammon-Spielfeld wütend vom Tisch schleudert, wenn er gegen seine Frau den Kürzeren gezogen hat. Kimmich weinte auch 2021 nach dem Achtelfinal-Aus bei der EM gegen England bitterlich. Er hofft nun, dass seine Augen an diesem Sonntag in Al Khor gegen 0 Uhr Ortszeit nach Schlusspfiff gegen Spanien trocken bleiben. Man muss es sich mal in Ruhe vor Augen führen, um was es da geht: Kimmich, Goretzka und Co., jenen Typen also, die mit dem FC Bayern alles gewonnen haben, droht im Nationaltrikot zum zweiten Mal nacheinander das Aus in der WM-Vorrunde. Größer könnte die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit nicht sein.

Höchst erfolgreiche Vorgänger

Fast zwangsläufig drängen sich Vergleiche mit der vergangenen goldenen Generation um Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm auf, die auch viele vergebliche Titelanläufe brauchte – ehe sie sich nach dem Gewinn der Champions League 2013 mit den Bayern ein Jahr später mit dem WM-Triumph krönte. Hansi Flick erkannte zuletzt eine Parallele zwischen der Altersklasse von Schweinsteiger und Kimmich. „Die Generation damals war genauso heiß“, sagte der Bundestrainer, der 2014 als Assistent Löws in Brasilien dabei gewesen war. Ansonsten aber gibt es wenige Gemeinsamkeiten. So erreichten Schweinsteiger, Lahm und Kollegen von 2006 an stets die Halbfinals bei den großen Turnieren, ehe 2014 der Titel folgte. Der größte gemeinsame Erfolg der Kimmichs und Goretzkas im DFB-Dress: das EM-Achtelfinale 2021.

Deutschland gegen Spanien: mögliche Aufstellungen

Mögliche Aufstellungen vor dem Spiel Deutschland gegen Spanien.
Mögliche Aufstellungen vor dem Spiel Deutschland gegen Spanien.
© Foto: Max Meschkowski

DFB ersetzt Rewe-Logo

Veränderungen beim DFB: Der Deutsche Fußball-Bund hat auf den Sponsoring-Rückzug von Rewe reagiert und das Logo auf der Werbetafel im WM-Medienzentrum der deutschen Nationalmannschaft durch das "One Love"-Zeichen ersetzt. Bei Pressekonferenzen und offiziellen Mediengesprächen ist nun das "One Love"-Zeichen im Hintergrund zu sehen.
"Der DFB hat durch die Entscheidung eines Partners, sechs Wochen vor dem eigentlichen Vertragsende auf Werbemittel zu verzichten, die Chance erhalten, auch im Rahmen der fast täglichen Pressekonferenzen in Katar mit der 'One-Love'-Botschaft seine Haltung auszudrücken", sagte der DFB dem SID.
Rewe hatte nach dem äußerst umstrittenen WM-Verbot für die "One Love"-Binde durch die FIFA am Dienstag die Zusammenarbeit mit dem DFB abrupt beendet.