Ajax trennt sich von Mislintat: Die brisanten Gründe für das Aus des Sportdirektors

Ajax Amsterdam und Sven Mislintat gehen nach nur wenigen Monaten wieder getrennte Wege. Die Gründe sind brisant.
Tom Weller/dpaNach nur vier Monaten haben sich der niederländische Rekordmeister Ajax Amsterdam und sein deutscher Fußball–Direktor Sven Mislintat mit sofortiger Wirkung getrennt. Am Sonntag gab der Verein bekannt, dass der 50–Jährige nicht länger die volle Unterstützung des Clubs genieße. Die Beendigung der Zusammenarbeit erfolgte unabhängig von den angekündigten Ermittlungen eines forensischen Buchhalters. Trotz verschiedener Bemühungen, die Unterstützung für Mislintat zu erweitern, konnte das angestrebte Ziel nicht erreicht werden, erklärte Interimsdirektor Jan van Halst.
Ajax Amsterdam trennt sich von Sportdirektor Mislintat
Am vergangenen Mittwoch wurde aufgedeckt, dass es möglicherweise einen Interessenkonflikt im Zusammenhang mit dem Transfer des kroatischen Nationalspielers Borna Sosa von Sven Mislintats früherem Verein VfB Stuttgart zu Ajax gibt. Dieser Konflikt ergibt sich aus Mislintats Beteiligung an dem Fußballdaten–Analyse–Unternehmen Matchmetrics. Seit dem Sommer ist auch die Spielerberatungsagentur AKA Global GmbH an diesem Unternehmen beteiligt, und sie war maßgeblich an Sosas Wechsel von VfB zu Ajax beteiligt, bei dem eine Ablösesumme zwischen acht und zehn Millionen Euro vereinbart wurde.
Ajax prüft Borna Sosa–Transfer
In einer Stellungnahme hatte der niederländische Rekordmeister mitgeteilt, dass dem Verein die Beteiligung von AKA an Matchmetrics nicht bekannt gewesen sei und es eine unabhängige Untersuchung geben werde. „Da ein von Ajax verpflichteter Spieler diesen Sommer von AKA Global betreut wurde, prüft der Verein dies weiter und lässt sich dabei von externen Beratern unterstützen“, hieß es. Mislintat habe gegenüber dem Club erklärt, dass er uneingeschränkt Kooperation leisten werde, einschließlich der Weitergabe aller relevanten Unterlagen.
Ajax–Fans sorgen für Spielabbruch
Ajax–Fans haben für den Abbruch des Spiels gegen Feyenoord Rotterdam gesorgt. Zu diesem Zeitpunkt lag Rotterdam mit 3:0 in Führung. Die Anhänger hatten mit dem Abbrennen und Werfen von Pyrotechnik bereits in der ersten Halbzeit für Unterbrechungen gesorgt, als in der 55. Minute erneut Leuchtfackeln auf den Platz flogen, pfiff Schiedsrichter Serdar Gözübüyük das Spiel ab. Vor dem Stadion brachen in der Folge Tumulte aus, einige Fans legten sich mit der Polizei an und warfen mit Pflastersteinen. Spieler und Trainer beider Teams harrten in den Kabinen aus, auch Journalisten durften das Stadion aus Sicherheitsgründen nicht verlassen.
Mislintat erst seit Anfang 2023 in Amsterdam
Mislintat war seit 19. Mai Direktor für Fußball–Angelegenheiten von Ajax. Zuvor hatte er rund drei Jahre für den VfB gearbeitet. In dieser Zeit spielte auch Sosa für den VfB. Bei seinem Wechsel nach Amsterdam war Mislintats Beteiligung an Matchmetrics Gegenstand der Vertragsgespräche. Darüber wurde auch eine vertragliche Vereinbarung getroffen. Mislintat stand in Amsterdam wegen seiner Einkaufspolitik ohnehin in der Kritik. Im Sommer kamen rund ein Dutzend Spieler für über 100 Millionen Euro zu Ajax, im Gegenzug nahm der Club durch Spielertransfers auch 150 Millionen Euro ein. Der Saisonstart misslang, mit fünf Punkten aus vier Spielen ist Ajax nur 14. der Ehrendivision.
