FC Chelsea zu Gast in Heidenheim
: Jahrhundertspiel auf der Ostalb – Ein Traum wird wahr in Heidenheim

Es ist das Duell der krassen Gegensätze: Am Donnerstag trifft der 1. FC Heidenheim in der Conference League auf den großen FC Chelsea. „Das ist etwas total Besonderes für uns“, sagt Klubchef Sanwald.
Von
Carsten Muth
Heidenheim
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1. FC Heidenheim - Olimpija Ljubljana

„Früher musste der Verein viel Geld bezahlen, damit solche Mannschaften im Ansatz nach Heidenheim kommen und hier ein Testspiel austragen. Jetzt müssen sie kommen“, sagt Trainer Frank Schmidt.

Tom Weller/dpa
  • 1. FC Heidenheim trifft in der Conference League auf FC Chelsea, ein "Jahrhundertspiel" auf der Ostalb.
  • Heidenheim hat einen beeindruckenden Aufstieg hinter sich, spielt jetzt in der Bundesliga und im Europapokal.
  • Trainer Frank Schmidt, seit 17 Jahren im Amt, führt das Team gegen den Spitzenreiter Chelsea.
  • Der Marktwert von Chelseas Spielern übertrifft den gesamten FCH-Kader.
  • Heidenheim muss auf den verletzten Stürmer Marvin Pieringer verzichten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es gab mal eine Zeit, da grasten Schafe und Ziegen direkt neben dem Platz der Heidenheimer Fußballer. Das war 2003, man spielte noch in der Verbandsliga. Der Profifußball war so weit entfernt von der Stadt an der Brenz wie das deutsche Basketball-Nationalteam von einem Weltmeister-Titel. Holger Sanwald, 57, Boss des 1. FC Heidenheim, hat die Geschichte vom „Streichelzoo hinter der Haupttribüne“ kürzlich im ZDF-Sportstudio erzählt, um den wundersamen Aufstieg zu beschreiben, den sein Klub seitdem hingelegt hat.

Inzwischen ist Deutschland Basketball-Weltmeister – und der 1. FC Heidenheim spielt in der Bundesliga. Mehr noch: sogar im Europapokal, der Conference League. Und in diesem Wettbewerb trifft der FCH am Donnerstag (18.45 Uhr/RTL+) auf keinen geringeren als den FC Chelsea. Nicht wenige sprechen von einem Jahrhundertspiel auf der Ostalb.

Wobei: In Heidenheim sind in den vergangenen Jahren schon viele Träume wahr geworden. Träume, die man sich hart erarbeitet hat. An der Brenz ging es fast nur aufwärts: Aufstieg in die Oberliga (2004), Aufstieg in die Regionalliga (2008), Regionalliga-Meister (2009), Meister in der dritten Liga (2014), schließlich Zweitliga-Champion (2023), anschließend Platz acht im ersten Bundesliga-Jahr, in dem man unter anderem zu Hause den FC Bayern München schlug, sowie letztendlich die erfolgreiche Qualifikation für die Conference League in diesem Jahr. Eine atemberaubende Entwicklung.

Der 1. FC Heidenheim vor dem Spiel gegen den FC Chelsea in der Conference League

Der 1. FC Heidenheim vor dem Spiel gegen den FC Chelsea in der Conference League

Grafik Raiola / Quelle: Transfermarkt.de / dpa

„Es hat niemand für möglich gehalten, dass wir mal da sind, wo wir jetzt angekommen sind“, sagt Klubchef Sanwald. „An so etwas kann man sich, glaube ich, nie gewöhnen. Das ist etwas total Besonderes für uns.“  Wenn an diesem Donnerstag der Weltklub aus London in der mit 15.000 Fans ausverkauften Voith-Arena aufläuft, treffen sprichwörtliche Welten aufeinander. Hier der kleine Vertreter aus dem Süden Deutschlands, der sechsmalige Landespokalsieger, dort der zweifache Champions-League-Sieger, der Klub-Weltmeister und sechsmalige englische Meister, dessen Stürmerstar und englischer Nationalspieler Cole Palmer einen geschätzten Marktwert von 90 Millionen Euro hat. Wer Chelseas Mittelfeldspieler Enzo Fernandez, der vor zwei Jahren in Katar mit der argentinischen Nationalmannschaft und Superstar Lionel Messi Weltmeister wurde, kaufen möchte, muss etwa 75 Millionen Euro hinblättern. Zum Vergleich: Der Marktwert des gesamten FCH-Kaders wird auf etwa 63 Millionen taxiert.

Spitzenspiel: Sechster gegen Erster

„Früher musste der Verein viel Geld bezahlen, damit solche Mannschaften im Ansatz nach Heidenheim kommen und hier ein Testspiel austragen. Jetzt müssen sie kommen“, sagt Trainer Frank Schmidt nicht ohne Stolz. Sein Name ist ebenfalls ganz eng mit dem Heidenheimer Fußball-Märchen verbunden. Seit 17 Jahren ist Schmidt nun schon Coach auf der Ostalb. Er hat seinen Verein bis in die Belle Etage des deutschen Fußballs und nun zum Duell mit Chelsea geführt.

Rein tabellarisch handelt es sich um ein Topspiel in der Conference League, in dem der Rangsechste Heidenheim auf den Spitzenreiter trifft. Drei Spiele, drei Siege. Der FCH hat bisher eine makellose Bilanz, ist neben fünf weiteren Mannschaften in der Gruppe noch verlustpunktfrei. Sollte gegen Chelsea die große, große Überraschung, ein Heimsieg gegen das Starensemble von der Insel glücken, stünde das Tor zur K.-o.-Runde weit offen.

Keine Angst vor großen Namen

So weit möchte Trainer Schmidt nicht denken. Der Unterschied zwischen Klubs und Teams könnte größer nicht sein, betont der 50-Jährige. „Es braucht fast schon eine magische Nacht. Es wäre eine Riesen-Sensation, wenn wir da was mitnehmen könnten.“

Zumal seine Mannschaft in der Bundesliga derzeit durchhängt, nur einen Punkt aus den vergangenen sechs Partien geholt hat und nach der jüngsten 2:5-Niederlage bei Meister Bayer Leverkusen auf Rang 15 steht. Der Fokus liegt auf der Bundesliga, dem Kerngeschäft, dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag (17.30 Uhr), betonen die FCH-Verantwortlichen. Und doch wird die Schmidt-Elf alles in die Waagschale werfen, wenn am Donnerstagabend auf dem Schlossberg die Flutlichter angehen – und auch gegen den großen FC Chelsea nicht vorab die „weiße Fahne“ hissen, wie der Trainer mit einem Lächeln sagt. Denn Angst vor großen Namen haben sie auf der Ostalb schon lange nicht mehr.

Über Memmingen nach Heidenheim

Der 1. FC Heidenheim muss am Donnerstag im Conference-League-Kracher gegen den FC Chelsea auf Stürmer Marvin Pieringer verzichten. Der Angreifer hat sich beim 2:5 in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen am Knöchel verletzt.

Der FC Chelsea ist am Mittwoch von London kommend auf dem Flughafen Memmingen gelandet und von dort nach Heidenheim gefahren.