Gasthaus Apfelbaum Albstadt: Wirtsleute mit Leib und Seele
Zwei Jubiläen machen Heinz und Maria Kasik stolz: Seit 60 Jahren schreiben sie in der Gastronomie Geschichte und seit 30 Jahren betreiben sie den Ebinger „Apfelbaum“.
„Von der Stadiongaststätte zum Apfelbaum“, diesen Titel gab Heinz Kasik seinem 52-seitigen Büchlein, welches er eigens zum 60-jährigen Gastronomie-Jubiläum der Eheleute verfasste. Es ist zweifellos ein besonderer Anlass, so lange miteinander in einer Stadt und derselben Branche tätig gewesen zu sein. Wobei das ursprünglich nicht geplant war, sondern sich eher durch Zufall so fügte. 1963 heiratete der aus Füssen stammende Heinz Kasik Maria Hommel aus Geislingen/Steige.
Das junge Paar betrieb dann eine Bar im „Hotel Ost“ in Augsburg. Über Beziehungen kamen Kontakte zum
FV 07 Ebingen zustande, welcher einen Pächter für seine neue Stadion-Gaststätte suchte.
1966 übernahm das Ehepaar – sie war gerade 20 Jahre geworden, er war 25 Jahre alt – das Lokal am Ebinger Stadion. Sie bauten, obwohl auch Lehrgeld bezahlt werden musste, mit vielen Veranstaltungen eine sehr gute Kundschaft auf. Drei Jahre später kauften die Kasiks das Gasthaus „Pfauen“ in der Langwatte, machten daraus den legendären „Holzwurm“ als erste Diskothek in Ebingen. Maria Kasik erinnert sich lächelnd gerne „an wilde Zeiten“ dort.
Nach erfolgreichen Jahren wurde 1980 im erworbenen Nebengebäude das Tanz- und Speiselokal „Gutshof“ eröffnet. Aus gesundheitlichen Gründen wurde das Lokal einige Jahre an verschiedene Pächter verpachtet, die daraus das Charivari machten. In dieser Zeit absolvierte Heinz Kasik eine Ausbildung zum Heilpraktiker. Die Ehefrau betrieb nebenher 19 Jahre ihr bekanntes „Schupfnudel-Paradies“, war damit in der gesamten Region auf Märkten unterwegs.
Doch die Gastronomie fehlte ihnen. 1996 ging das Ehepaar zurück zu den Wurzeln ihres Treibens, aus dem Charivari wurde umgehend der „Apfelbaum“. Der Name kam von dem bis heute im eigenen Garten stehenden Baum. 30 Jahre sind seither vergangen, „was haben wir hier drinnen nicht schon alles erlebt“, so Heinz Kasik wie immer humorvoll. Die Gastronomie sei die Schule des Lebens, fährt er fort. Hier lerne man Ausdauer, wenn der Service für die Gäste um 22 Uhr nochmals durchstarten müsse wie zur Mittagszeit. Hier habe man Demut gelernt, wenn ein Gast nach 30 Jahren plötzlich sagt, heute schmeckt’s aber besonders gut, obwohl es genau dasselbe Rezept ist wie immer. Als der neue gewählte Ministerpräsident Winfried Kretschmann 2011 vorbeikam, soll er gesagt haben, die besten Maultaschen seit langer Zeit verköstigt zu haben. „Es ist halt meine schwäbische Küche, es wird gekocht wie in Omas Zeiten“, lacht die 80-jährige Maria Kasik.
Wirtshaussingen und Musikantentreff
Seit 13 Jahren trifft man sich zweimal im Monat im Apfelbaum zum Wirtshaussingen als ein geschätzter Treffpunkt für überwiegend ältere Leute. Sieben Jahre gab es den erfolgreichen Musikantentreff, Musiker bis ins Allgäu kamen zum Beisammensein. Dazu kam der Albstädter Bilderbogen.
Verschiedene Jahrgänge kommen seit langer Zeit regelmäßig, ebenso Vereine oder lose Kameradschaften. Einige der jüngeren Leute schrieben 2025 ins Gästebuch „Der Apfelbaum ist die Definition von Zuhause, wir kommen immer wieder gerne und möchten keinen Augenblick missen“. „Die Gastronomie ist die Würze unseres Lebens“, meinte Heinz Kasik, der auch Hobbymaler und Buchschreiber ist und im Vorjahr zu 50 Jahre Albstadt einen Kalender entwarf.
Seit geraumer Zeit suchen die Kasiks einen Pächter oder einen Käufer für den „Apfelbaum“. Bisher hat sich keiner gefunden, daher macht das Ehepaar vorerst als „es ist unser Leben“ für ihre Gäste weiter. ⇥Horst Schweizer
Info
Cafe Restaurant Apfelbaum
Langwatte 33–35
72458 Albstadt-Ebingen
Tel: 07431 51295
www.apfelbaum-ebingen.de

Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
Anzeige
-
